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„Die Fusion war schon immer mein Ziel“

Ilsede „Die Fusion war schon immer mein Ziel“

Ilsede. Es war schon immer so und wird sich wohl auch nicht ändern: Wer „von außerhalb kommt“, „zugereist“ oder „nicht von hier“ ist, nimmt die neue Umgebung zunächst, sagen wir, ebenso emotional gefiltert auf, wie die Ansässigen den „Neuen“.

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Wie auch beim Lahstedter Amtskollegen sollte bei Noch-Bürgermeister Wilfried Brandes das Foto der großen Ruhestandsgeschichte am Lieblingsplatz innerhalb der Gemeinde entstehen. „Mein Lieblingsplatz war immer bei den Menschen der Gemeinde“, sagte Brandes und mischte sich zum Abschiedsfoto kurzerhand unter spielende Kinder der Grundschule Löwenburg.

Quelle: im

Wer dann auch noch, wie vor acht Jahren der aus Hämelerwald stammende Verwaltungsbeamte Wilfried Brandes, Ilsedes höchstes Amt haben will, muss hohe Frustrationstoleranz und persönliche Opferbereitschaft miteinander kombinieren. 66 Prozent der Wahlberechtigten Ilseder vertrauten damals im zweiten Wahlgang Brandes den Bürgermeister-Sessel an - obwohl er stets zum Übernachten in den Familiensitz nach Hämelerwald zurückkehrt.

Und wenn Brandes „Übernachten“ sagt, meint er auch nur das. „Ich war damals oft von 8 Uhr bis kurz vor Mitternacht in Ilsede und seinen Ortschaften unterwegs, um als Bürgermeister zu den hiesigen Menschen Kontakt zu finden und ihn zu pflegen.“ Und so ließ es sich der „auswärtige“ Bürgermeister nicht nehmen, unermüdlich den gemeindlichen Terminkalender abzuarbeiten, „um auch Vereine und Institutionen zu besuchen, bei deren Veranstaltungen nur selten ein Bürgermeister auftaucht“, erzählt Brandes und lehnt sich zurück.

Seinen Freundeskreis daheim habe er für das Amt als Gemeindeoberhaupt vernachlässigen müssen - aber mit dem Segen seiner Familie der Berufung in Ilsede nachkommen können. Andererseits: Dienstsitz und Heimatort liegen gerade mal 15 Autominuten voneinander entfernt.

Ob sich das politische und menschliche Engagement für Ilsede gelohnt habe? „Es war eine schöne Zeit“, gibt Brandes lächelnd zurück, lässt aber einen Hauch von Trotz mitklingen. Es sei ja nicht so gewesen, dass er Ehefrau und Familie von seinem Amt ausgespart hätte. „Meine Frau hat mich zu vielen Anlässen begleitet“, sagt er und erzählt von Spaziergängen durch die Ortschaften, Gesprächen am Gartenzaun und Besuchen bei Familien zu Geburten oder Ehejubiläen.

Dass ganz zu Beginn seiner Amtszeit die Schulschließungen über die Gemeinde und somit auch über ihn hereingebrochen seien, habe einen ganz dicken Strich durch den Wunsch einer kommoden Amtsübernahme gemacht. Durch Kontaktfreudigkeit und Verhandlungsgeschick habe sich diese erste als auch diverse weitere Bewährungsproben gut durchstehen lassen.

Ziel des Bürgermeisters aus Hämelerwald sei allerdings „schon immer“ die Fusion der Gemeinden Lahstedt und Ilsede gewesen, sagt er und lässt sich die Genugtuung über diesen Erfolg gerne anmerken. Dass er seine Dienstzeit mit diesem Ergebnis beendet, erfülle ihn „mit großer Freude“.

Als 15-Jähriger hat der jetzt 65-Jährige seinen Berufseinstieg beim Landkreis Peine begonnen, die Karriereleiter führte stetig aufwärts, bis er spürte, „viel zu sagen, aber nichts bewegen“ zu können. Da sei ihm das Ilseder Amt nicht nur verlockend, sondern geradezu ideal erschienen, diesen eingeschränkten „beruflichen Bewegungsdrang“ beleben zu können.

Auf die Frage, was er an Ilsede „schön“ empfunden habe, stutzt er kurz und lächelt sein bekanntes Bürgermeisterlächeln. „Die Menschen, die ich in den allermeisten Fällen als höflich und zuvorkommend erlebt habe“, sagt er und hat ein Füllhorn voller hübscher Anekdoten darüber bereit.

Nun übergebe er seinem noch unbekannten Nachfolger ein „geordnetes Umfeld mit schwieriger Finanzlage“, wobei die Schulden hätten in geordneten Bahnen gehalten werden können. „Ich habe mein Bestes gegeben“ resümiert der Mann, den „seine“ Ilseder meist in Nadelstreifenanzug und Brille mit dunklem Rand kennen, der nach seiner Pensionierung Seniorenseminare der Universität Hannover belegen möchte. Das Mittelalter interessiere ihn, historische Zusammenhänge und jene zwischen Wetter und Klima.

Außerdem sei er entschlossen, sich im Rahmen eines sozialen Projektes als Pate zweier Hauptschüler zu engagieren und sie beispielsweise für erfolgreiche Bewerbungsgespräche zu trainieren und geeignete Ausbildungsbetriebe zu finden.

Und dann müsse noch genügend Zeit sein für das Golfspiel, das er seit seinem 60. Geburtstag mit Hingabe pflegt und bei dem er inzwischen ein Handicap von 28,7 erreicht habe. Wer ihn künftig nicht auf dem Grün, als Manager künftiger Hauptschulabsolventen oder in der Universität antrifft, begegnet ihm womöglich im europäischen Ausland, das er mit seiner Ehefrau noch zu bereisen beabsichtige. Dabei stünden neben Zielen in Deutschland auch Norditalien und Sizilien ganz oben auf dem Reiseplan.

„Außerdem habe ich ja auch noch ein Haus und einen Garten“, fügt der künftige Ex-Bürgermeister hinzu. Für Pflege und Instandhaltung habe die Gattin bereits eine Liste erstellt. Apropos Liste: Wer dem Bürgermeister bisher in der Mittagspause im Nahversorgungszentrum gegenüber des Rathauses begegnete, konnte ihn beim Abarbeiten der heimischen Einkaufsliste beobachten. Dienstliche Belange brachte Brandes aber auch mit dieser Tätigkeit zusammen: „Ich hätte so gerne noch den Dorfmittelpunkt neu gestaltet“, sagt er, „aber dafür war einfach keine Zeit mehr“.

Ab November sei im Hause Brandes in Hämelerwald „Entschleunigung“ der alles bestimmende Begriff. Angesichts der anvisierten Freizeitbeschäftigung ein hehres Ziel. Aber in Bezug auf Zielerfüllungen ist der künftige Ex-Bürgermeister ja durchaus geübt.

uj

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