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Deutschunterricht schmeckt manchmal auch nach Heimat

Ilsede Deutschunterricht schmeckt manchmal auch nach Heimat

Groß Ilsede. Christa und Wilfried Orthwein aus Groß Ilsede sind zwar im Ruhestand, doch auf das Unterrichten verzichten sie nicht: Die beiden pensionierten Lehrkräfte geben zwei Asylsuchenden aus Syrien ehrenamtlich Deutschunterricht.

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Auf der Suche nach dem deutschen Wortschatz: Die Eheleute Orthwein mit ihren syrischen Schülern Tarek und Tadj.

Dass auch die Fremde wenigstens manchmal ein ganz klein wenig nach Heimat schmeckt, verbindet Tadj mit einem ganz besonderen Ritual. Der 25-jährige Bauingenieur aus Syrien, der sich im Dezember vor einem Jahr nach Groß Bülten rettete, pflegt liebevoll die von seiner Mutter erlernte Kultur der alten überlieferten arabischen Kaffee-Zeremonie. Mit seinem Mitbewohner, dem 27-jährigen Tarek aus Damaskus, der lieber seine Heimat verließ, als in Assads Armee gegen sein eigenes Volk zu kämpfen, besteht nun die Hauptaufgabe der Männer, die deutsche Sprache zu pauken. Viermal in der Woche sind fünf Unterrichtsstunden obligatorisch, Tadj besucht zusätzlich einen Aufbaukurs.

Die Männer nehmen den Unterricht ernst, so ernst, dass sie selbst an ihrem schulfreien Tag vor Einzelunterricht bei pensionierten Profi-Pädagogen nicht zurückschrecken - und, was beinahe noch wichtiger ist: Jene nicht vor ihnen.

„Wir bekommen viel von den beiden Jungs zurück“, sagt Christa Orthwein, die mit ihrem Ehemann Wilfried ehrenamtlich durch „Einzelunterricht“ und „sprachstrukturierte Unterhaltungen“ die deutsche Sprache sehr praxisorientiert gestalten, um die „Wortschatzarbeit“ zu trainieren und so auch schnelle Erfolgserlebnisse zu vermitteln.

Die fünf Brötchen vom Bäcker oder die Lebensmittel aus dem Supermarkt hätten eine ganz andere Bedeutung, wenn sie auf Deutsch und lächelnd gekauft wurden, erklären die Lehrer und schätzen die bisherige Sprachleistung ihrer beiden Schützlinge hoch ein. Besonders Tadj, der nach Deutschland kam, „weil hier die allerbesten Universitäten sind“, ist bereits zum Dolmetschen in der Lage und kommt Tarek im Gespräch immer wieder zur Hilfe. Jener habe in der Druckerei der Eltern gearbeitet und sei so mit deutschen Geschäftspartnern in Kontakt gekommen.

Abgesehen von der Paukerei kommt bei den Männern auch sonst keine Langeweile auf. Sie helfen ehrenamtlich, wo immer sie gebraucht werden. Bau-Ingenieur Tadj könne zudem auf Erfahrungen als Pizza-Bäcker oder Reisebüro-Kaufmann zurückgreifen, sagt er schmunzelnd. Allgegenwärtig ist beiden die Sorge um zuhause und die Furcht vor der eigenen Zukunft. Besonders Tadj arbeitet wie besessen an dem Ziel, die sprachliche Voraussetzung für ein Studium zu erlangen. So ließen sich auch die Nachrichten über Bomben und Tod etwas kompensieren. Orthweins tun das ihre, sie zu unterstützen. Herzlich und konzentriert verläuft der Einzelunterricht: wiederholen, Aussprache üben und Erlebnisse in Worte fassen. Dass dabei gerne gelacht wird, macht alles ein bisschen einfacher und vertreibt düstere Gedanken. Via Internet sind beide mit ihren Familien verbunden. Sie auch nur in relativer Sicherheit zu wissen, beruhige ein bisschen.

Und dann greift Tadj zur Thermoskanne und serviert Kaffee, eigens von ihm nach mütterlicher Überlieferung zubereitet und gewürzt nach alter arabischer Tradition. Und dann ist es endlich wieder so weit: Groß Ilsede schmeckt ein bisschen nach daheim.

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