Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Der Philosoph am Walzwerk-Hochofen

Ilsede Der Philosoph am Walzwerk-Hochofen

Ilsede. Spannender geht’s kaum: Die Enkelin findet zufällig ein knapp 200 Seiten starkes Manuskript, das zweifellos ihr Großvater in den 1920-er Jahren handschriftlich im damals gebräuchlichen Sütterlin verfasst hat. Sie kann sie es nicht lesen und übergibt es vertrauten Menschen. Diese stellen fest, dass der Autor Bruno Herrmann ein Zeit- und Sittengemälde über das Leben seiner Familie in Peine, mehr noch über die Arbeitsbedingungen im damaligen Peiner Walzwerk in Romanform geschaffen hat.

Voriger Artikel
"Das wird sicherlich ein tolles Königsjahr"
Nächster Artikel
Ilseder SoVD-Gemeindeverband war zu Besuch in Büsum

Las im Fotostudio Pohl aus dem Lebensroman eines Stahlwerkers in Peine von Bruno Hermann: Juergen Schierer.

Quelle: im

Jürgen Schierer, Ex-Lehrer und Verlagsgründer, hat das Manuskript des Romans „Die Merkers“ lesbar gemacht und gemeinsam mit einem ehemaligen Betriebsrat der Peine-Salzgitter-AG, Friedhelm Überheide, vor drei Jahren herausgebracht. Für den Ilseder Kulturverein las Schierer im Ilseder Fotostudio Pohl, inzwischen übrigens umbenannt in „Fotostudio in Ilsede“ aus Herrmanns autobiografischem Roman.

Die Geschichte hat es in sich! Misskalkulationen kosten Brunos Vater den Bauernhof im ostpreußischen Allenstein, die Suche nach Arbeit treibt ihn 1891 mit der Familie nach Peine, wo er Arbeit im Walzwerk findet. Die Arbeitsbedingungen spotten jeder Beschreibung, Herrmann beschreibt sie aus eigenem Erleben, denn bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges arbeitet, nein malocht er unter ständiger Lebensgefahr, wie zuvor sein Vater, selbst in der Eisenschmiede.

Halbblind kehrt er aus dem Ersten Weltkrieg ins Werk zurück und bemüht sich um bessere Arbeitsbedingungen.

Der Roman endet zwar im Jahr 1928 - Herrmann jedoch wird nach 1945 Betriebsratsvorsitzender im Walzwerk und verdient sich auch als SPD-Landtagsabgeordneter, Peiner Ratsherr und Gewerkschafter hohe Anerkennung. Er verstirbt 1957. Recherchen zum Leben Herrmanns während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft führen allerdings ins Leere.

Höchst erstaunlich ist Herrmanns Talent als Romancier. Er formuliert zuweilen offen und schroff aber auch blumig-poetisch über Leben und Beruf des Walzwerkers und seiner Familie - filmreif allemal.

Schierer unterlegt seinen Vortrag mit historischen Illustrationen und macht neugierig auf die ganze Geschichte. Wobei die spekulative Frage offen bleibt, wozu Herrmann wohl in der aktuellen Situation seiner einstigen Wirkungsstätte allen Verantwortlichen heute raten würde. Spannender geht’s kaum!

uj

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

Rückbau auf dem Telgter Elmeg-Gelände
Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung