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„Den Ruhestand kompensiere ich nicht durch Zaun streichen“

Ilsede/Klein Lafferde „Den Ruhestand kompensiere ich nicht durch Zaun streichen“

Ilsede/Klein Lafferde. Um es vorwegzunehmen: Er hat sich längst arrangiert mit seinem Ruhestand, dem er sich seit einem Jahr fügen muss - wenn es auch zunächst nicht ganz so leicht war für Gerhard Niebel, den ehemaligen Polizei-Chef in Ilsede.

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Ilsedes Polizei-Chef a. D. Gerd Niebel mit Labrador-Rüde Enzo.

Quelle: im

Das Du-bist-jetzt-nicht-mehr-dabei-Gefühl sei ihm ganz besonders schmerzhaft ins Herz geschossen, „als ich den Schlüssel zur Dienststelle abgegeben habe“, erinnert sich der Pensionär und nimmt einen tiefen Schluck Kaffee.

Nun hat der Mann gerade mal sechs seiner 44 Dienstjahre in Ilsede verbracht - „allerdings die schönsten davon“, sagt er immer wieder, und dass der Abschied von dieser „Mannschaft, die sich so grandios mit ihrer Aufgabe identifiziert“ nicht einfach war - ob Niebels Dienstzeitende nun absehbar war oder nicht. Jenes Team, das seinem Chef ein Abschiedsfest bereitet hat, das er wohl nie vergessen wird und dessen Einzelheiten er so minutiös schildert, als kehre er gerade davon zurück: Die Fahrzeugkolonne, die Stippvisiten bei seinen ehemaligen Dienststellen, das „unglaubliche“ Essen - und dass der Tag und die Nacht „nicht völlig tränenfrei“ verliefen.

Der „Tag danach“ erwischte den Polizisten a.D. kalt: kein Dienstplan, keine Struktur - stattdessen ein zeitliches Vakuum, das plötzlich „die gefüllten Auftragsbücher meiner Frau“ füllten. Taugte einst der Dienst als Rechtfertigung zum Rückzug, „komme ich damit nun nicht mehr durch“ sagt er, lacht und wird gleich wieder ernst: „Kein Netzwerk, keine Anrufe, keiner will mehr was - das kompensiert man nicht einfach durch Zaun streichen oder Bäume schneiden.“

Die gute Nachricht: Dieses erste Gefühl habe längst dem Glücksgefühl von Freiheit und Selbstbestimmung Platz gemacht. „Das genieße ich auch mit Kleinigkeiten wie dem späten Morgenkaffee auf der Terrasse“, fügt er hinzu, während Enzo, der vierjährige Labrador-Rüde, seinen Chef verträumt anschaut. „Der verschafft mir viel Bewegung“, sagt sein Herr, und dass die Verbindung zur „Dienststelle“ ja auch längst nicht abgerissen sei. Er kreuze zu den liebgewonnenen internen Treffen immer noch gerne auf - bis er („hoffentlich rechtzeitig!“) erkenne, dass die Kollegen mit den Augen rollen, wenn er in der Tür stehe.

Tipps für künftige Ruheständler? Er schüttelt den Kopf. „Durch den Ernstfall muss man durch“, wenn der Beruf eine Herzensangelegenheit war. Inzwischen sind Zäune gestrichen, Bäume geschnitten, Motorrad-Ausflüge und Campingurlaub erfolgreich absolviert.

Und endlich: Der Pensionär hat plötzlich alles wieder, was er so schmerzlich vermisst hat: Netzwerk, Dienstplan, Fremdbestimmung, Telefonläuten und ständige Alarmbereitschaft - aber auch eine „grandiose Mannschaft“: Seit wenigen Wochen ist Gerhard Niebel zweifacher Großvater der Zwillinge Max und Mia.

uj

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