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Burg Steinbrück: Kampf gegen den Verfall

Ilsede/Söhlde Burg Steinbrück: Kampf gegen den Verfall

Söhlde. Vor 630 Jahren wurde die Burg Steinbrück als Wehrburg gebaut. Seit 25 Jahren kümmert sich ein Förderverein um den Erhalt des mächtigen Bauwerks. Seit drei Jahren ist Detlef Rund Burgherr auf Steinbrück. Wenn es nach ihnen geht, soll das alte Gemäuer bald wieder mit neuem Leben ausgefüllt sein, Burgherr und Verein haben spannende Pläne.

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Viel Idealismus und Geld sind nötig, um das geheimnisvolle Gemäuer der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.

Quelle: hui

Aber bis dahin bedarf es noch reichlich Energie, Schaffenskraft und vor allem Geld.

Ein Pferdefuhrwerk rattert durch das Tor. Mägde und Knechte gehen eilig ihrem Tagwerk nach, dazwischen laufen schreiende Kinder, Gänse und Enten umher, erschrockene Hühner fliegen gackernd auf. Ein buckliger Bettler bittet um Almosen. Mit ihrem trutzigen Anblick bietet die Burg Steinbrück bei Söhlde eine fabelhafte Kulisse für mittelalterliches Treiben, das mit ein bisschen Fantasie lebhaft vor dem inneren Auge entsteht. Wenn es nach Detlef Rund geht, werden solche Bilder bald wieder Wirklichkeit. Seit drei Jahren ist er der Herr auf Burg Steinbrück – und tut alles dafür, dass das fast 700 Jahre alte Gemäuer wieder mit Leben erfüllt wird.

Unterstützung dafür findet er beim Förderverein Burg Steinbrück. 1990 gründeten sie zusammen mit anderen interessierten Burg-Rettern den Verein zur Erhaltung der Gemäuer, die über Jahrhunderte unbewohnt vor sich hin verfielen. „150 Jahre lang diente sie als Steinlieferant für andere Gebäude in der Umgebung“, weiß die erste Vorsitzende Heidemarie Eggert. „So stammen beispielsweise die Fußbodenplatten in der katholischen Kirche aus dieser Burg, und nach dem Zweiten Weltkrieg hat man alles Holz zum Verheizen rausgerissen.“

Dieser Tatsache ist es beispielsweise geschuldet, dass von der mächtigen Burgmauer nur noch Überreste vorhanden sind. Möglicherweise ist auch das außen angebaute, runde, über fünf Etagen reichende Treppenhaus am sogenannten Palas dem Steineklau zum Opfer gefallen. „Auch diese Treppe war baufällig“, sagt Detlef Rund – und spricht damit eins seiner meistgebrauchten Wörter aus.

Obwohl er Tag und Nacht auf der Burg ist – er bewohnt das Burgwächterhaus aus Fachwerk – hat er bislang noch kein Gespenst zu Gesicht bekommen. Dabei hätte mindestens eine unglückliche Seele Grund, nächtens wehklagend durchs historische Gemäuer zu streifen: Von 1535 bis 1537 wurde der ehemalige Lübecker Bürgermeister Jürgen Wullenweber in einem Verließ im Bergfried der Burg Steinbrück gefangen gehalten. Der Führer der demokratisch-protestantischen Partei war Opfer einer heimtückischen Intrige. Bevor er schließlich im Lechlumer Holz geköpft, gevierteilt und gerädert wurde, hat man ihn in seinem Verließ täglich gefoltert. „Er wurde jeden Tag eine Stunde lang an den Daumen aufgehängt“, sagt Siegfried Skarupke. Zur Illustration hat der Förderverein eine in Leinen gehüllte Schaufensterpuppe in dem Verließ drapiert, die über eine Bodenklappe im Burgfried im schummerigen Licht gerade soeben zu erkennen ist.

Das Ambiente für ein original Mittelalter-Szenario ist also gegeben. Den buckligen Bettler gibt es sogar schon: Stark schielend, mit verbeultem Dreispitz und schiefen Zähnen verkörpert der Hausherr ihn in der Rolle des Ugluck selbst.

Ziel: Burg für Öffentlichkeit zugänglich machen

Mittelalter- und Adventsmärkte, Theater, Führungen, Vorträge, Lesungen, Konzerte und Burgfeste – das sind die Vorhaben des Fördervereins der Burg Steinbrück. Einige davon hat der Verein unter Vorsitz von Heidemarie Eggert und Siegfried Skarupke schon umgesetzt. So finden beispielsweise alle zwei Jahre Theateraufführungen in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Groß Lafferde statt. Die Aktionen dienen dem Spendensammeln zur Sanierung der Burg.

Denn sämtliche Aktionen können bislang nur draußen stattfinden. Aus Sicherheitsgründen darf die Burg nicht betreten werden. Große Risse im Gemäuer und die wackeligen Steine in den Torbögen bergen unabwägbare Gefahren. Gleichwohl sind schon Anträge gestellt, Geld steht bereit, um beispielsweise den Eingangsbereich zum sogenannten Palas zu restaurieren. Hier soll beispielsweise die Toilettenanlage installiert werden. Auch die Zufahrt soll als nächstes umgestaltet werden, damit sie für unter anderem Rettungsfahrzeuge geeignet ist. Aber die Genehmigungen lassen auf sich warten. In dem neuen Burgherrn hat der Verein für seine Pläne, die Burg zu einem attraktiven Veranstaltungszentrum zu machen, einen kooperativen Partner gefunden. Er trat unter anderem als Schelm „Ugluck“ beim großen Fest zum 25-jährigen Bestehen des aktuell 120 Mitglieder zählenden Vereins im Juni mit seiner Gruppe „In Taberna“ auf. Wenn am 15. August Leute mit geschulterten Äxten, Sägen und Astscheren auf dem Weg zur Burg zu beobachten sind, so ist kein Aufstand zu befürchten, im Gegenteil: Dann soll die Zufahrt zur Burg von Gestrüpp befreit werden. Wer sich als freiwilliger Helfer einreihen möchte, kann sich unter Telefon 05175-5473 bei Siegfried Skarupke oder unter 05174-920153 bei Heidi Eggert melden. Der Verein freut sich aber auch über Fördermitgliedschaften für 13 Euro pro Jahr (Ehepaare 20 Euro).

hui

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