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Brisant: Friedrich Dreyer las den „Rosstäuscher“

Ilsede-Bülten Brisant: Friedrich Dreyer las den „Rosstäuscher“

Bülten. Kein Risiko, kein Spaß, sagt man. Indessen ist allerdings von vertraglichen Beziehungen mit dem Bösen gleichwohl grundsätzlich abzuraten, weil das Risiko stets ungleich verteilt scheint. Anette Freiin von Droste-Hülshoff beispielsweise hat in ihrer Ballade vom „Spiritus familiaris des Rosstäuschers“ 1874 sehr nachdrücklich davor gewarnt.

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Friedrich Dreyer las in der Kapelle Bülten aus Droste-Hülshoffs „Rosstäuscher“.

Quelle: uj/oh

Friedrich Dreyer, emeritierter Schulmeister für höhere Lehranstalten in den Fächern Deutsch- und Latein hatte sich dieses brisanten Themas angenommen, um zum zwölften Mal in Folge dem Publikum in der voll besetzten Bültener Kapelle deutsche Literatur schmackhaft und den einstigen Volksglauben unserer Vorfahren deutlich zu machen.

Die Gebrüder Grimm lieferten der Dichterin die Vorlage über den ohne eigenes Verschulden in Not und Elend geratenen Augsburger Pferdehändler, der sich aus purer Verzweiflung in einer Silvesternacht der „Gesellschaft“ anheim gibt und fortan in Wohlstand lebt. Sein schlechtes Gewissen und das Misstrauen der Mitbürger verleiden ihm das jedoch gründlich. Sein Versuch, sich zu Gunsten seines Seelenheils aus dem Vertrag zu lösen, scheitert grandios - ob aus Rache des Höllen-Chefs oder aus mangelnder Vergebung des Himmels bleibt offen.

Dreyer indessen ist seiner Vortragsform aus Deutsch-Leistungskurs und der Präsentation selbst eingesprochener Hör-Texte treu geblieben. Er doziert seine Erläuterungen, Kommentare und verbindenden Texte bescheiden gesenkten Hauptes als magischen Realismus gewollt emotionslos.

Dafür brilliert er mit seinen jeweils von der Tonkonserve eingespielten gesprochenen Balladentexten und erreicht so mühelos das gespannt lauschende Publikum.

Und während seine Stimme zuweilen allmählich in Grabestiefe sinkt, gibt das gleichmäßige Ticken der Turmuhr einen barmherzigen Takt vor. Denn ob das letzte Ross verendet, der Mond als Totenlicht scheint, der Vertrag mit Blut unterschrieben wird, blutige Tränen tropfen oder die versuchte Befreiung in der Katastrophe endet - Dreyer surft mit seinen persönlichen Toneinspielungen auf der von literarischer Kunst und anspruchsvollem Grusel gesteuerten Gänsehaut seines Publikums.

Droste-Hülshoffs „Rosstäuscher“, dessen Berufsbezeichnung sich übrigens nicht von Betrug sondern vom mittelhochdeutschen Begriff des „Tauschens“ ableitet und der „beim Morgenroth, beim Abendroth nur um ein ehrlich Stückchen Brod“ kämpft, verliert - oder gewinnt zum Schluss. Je nach weltanschaulicher Interpretation. Kein Risko, kein Spaß.

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