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Als Groß Lafferder für Griechen spendeten

Ilsede Als Groß Lafferder für Griechen spendeten

Groß Lafferde. Vor knapp 200 Jahren hat das kleine Dorf Groß Lafferde Außergewöhnliches für Griechenland vollbracht: Geschichtsstudent Marcel Giffey stieß im Hauptstaatsarchiv in Hannover auf eine Akte, die belegt, dass die Groß Lafferder im Jahr 1822 für die Freiheit der Griechen eine große Spende leisteten.

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Das Bild zeigt die Bierstraße in Groß Lafferde etwa um 1900.

Quelle: A

Zufällig war Giffey auf die verstaubte Akte gestoßen, deren Titel seine Neugier weckte: „Die zu Gr. Lafferde […] gesammelten Beiträge, zur Unterstützung der Griechen“ stand in verschnörkelter deutscher Schrift auf dem Aktenumschlag. „Eine bemerkenswerte Ankündigung angesichts der aktuellen Schuldenkrise des Mittelmeer-Staates“, sagt Giffey, der die Geschichte für die PAZ zusammengetragen hat.

Zeitenwechsel: „Die Jahrzehnte vor 1800 waren in weiten Teilen Europas von einer Verherrlichung der Antike geprägt, auch auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands“, schildert Giffey. „Literaten und Künstler stellten die antiken Griechen geradezu als die idealen Menschen dar und versuchten sich an ihnen zu orientieren. Goethe, Schiller, Hölderlin - auch die großen deutschen Dichter waren Philhellenen, Griechenfreunde.“

Doch das Griechenland um 1800 sei schon lange nicht mehr das Griechenland der Antike gewesen. „Seitdem die Osmanen im Jahre 1453 das Oströmische Reich erobert hatten, stand Griechenland unter muslimischer Besatzung. Die griechische Kultur hatte sich zwar bereits schon zuvor verändert - doch das erkannten nur wenige europäische Zeitgenossen. Für die meisten von ihnen galt die osmanische Eroberung als ein Übel, das die griechischen Ideale unterdrückte“, so der Geschichtsstudent.

Entsprechend überwältigend sei der Zuspruch aus Europa gewesen, als die Griechen schließlich im März 1821 selbstständig eine Revolution gegen ihre Besatzungsmacht begannen. „Vielerorts in den deutschen Staaten bildeten sich eigene Hilfsvereine für Griechenland, die auch in den Zeitungen um Unterstützung warben.“

An dieser Stelle verweben sich die Geschichten von Griechenland und Groß Lafferde: Denn wie der damalige Pastor Andreas Bahrs in einem alten Brief aus dem Jahre 1823 berichtet, erreichten die Griechenfreunde über die Zeitung auch die Ortschaft im heutigen Peiner Nordkreis, berichtet Giffey. „Alles begann im Spätsommer 1821, als ihm der ehemalige Groß Lafferder Bauer Konrad Wilke eine Goldmünze überreichte. In der Zeitung hätte dieser gelesen, dass Beiträge für die ‚unglücklichen Griechen‘ angenommen würden. Sein Gewissen habe ihn schließlich bewogen, ‚sie in ihrer Noth zu unterstützen‘“, zitiert er.

Wilke sei nicht der einzige Sympathisant des griechischen Freiheitskampfes in Groß Lafferde geblieben, wie Bahrs weiter schreibt: „Einige Zeit nachher vernahm ich, daß hiesige junge Leute, Knecht pp. im Kruge beim Vorlesen der Zeitungen von demselben Geiste ergriffen“ wurden. Von Haus zu Haus seien sie anschließend gezogen, um Unterschriften für Griechenland zu sammeln.

„Hiervon zeigte sich Pastor Bahrs derart tief beeindruckt, dass er seine Eindrücke teilen musste: In einem Brief berichtete er Johann Peter Hundeiker von dem Engagement seiner Gemeinde - jenem Pädagogen, der sich bei den Groß Lafferdern einst mit neuartigen Bildungsansätzen beliebt gemacht hatte“, erklärt Giffey. Postwendend habe Hundeiker voller Stolz an seine ehemaligen Schüler geschrieben und ihnen viel Glück für ihr Vorhaben gewünscht.

Was sich daraus schließlich entwickelte? Pastor Bahrs fasst es in nüchterne Worte: „Der Erfolg war, daß in der 2ten Adventswoche Montags nach der Betstunde, nachdem ich die Kirche verlassen, viele Gemeindeglieder jeder für sich einen beliebigen Beitrag zu dem benannten Zwecke auf den Altar gelegt hatte“. Mehr als 52 Reichstaler seien bei dieser Spende zusammengekommen, „eine enorme Summe für die damalige Zeit“, so Giffey. Doch Bahrs musste das Geld vorerst ablehnen, da er als Pastor keine solche Spende annehmen durfte.

„Erst im August 1822 fand sich die herbeigesehnte Lösung, von der die Groß Lafferder voller Freude lasen“, schildert der Student aus Hannover. In den „Braunschweigischen Anzeigen“ hieß es zum griechischen Freiheitskampf: „Für Braunschweig und die umliegende Gegend nimmt der Buchhändler Lucius Geldbeiträge an.“ Umgehend habe Pastor Bahrs die Spende seiner Gemeinde eingesendet.

Als Buchhändler Lucius schließlich in seinem Braunschweiger Geschäft am Altstadtmarkt den Betrag in Empfang nahm, habe er sich derart ergriffen gezeigt, dass er den Groß Lafferdern ein Gedicht widmete. „Und damit nicht genug: Auch weit über die Landesgrenzen hinaus erfuhr die Spende hohe Anerkennung“, erklärt Giffey, der aus Söhlde, dem Nachbarort Groß Lafferdes stammt. Der Schweizer Bote beispielsweise lobte, dass sich Groß Lafferde mit dieser Tat „vor allen Städten auszeichnet“. Noch einen Schritt weiter ging die Neckar-Zeitung, indem sie postulierte: „Lafferde! die That erschalle durch die ganze Christenwelt, Die dich in den Kreis der Größ’sten, in den Kreis der Besten stellt.“

Für Griechenland jedoch war es noch ein langer Weg zur Unabhängigkeit, denn erst im Jahre 1832 erhielt ein eigenständiges „Königreich Griechenland“ internationale Anerkennung.„Doch dank einer alten, bislang unbeachteten Akte ist nun klar: Auch Groß Lafferde hat seinen bescheidenen Anteil dazu geleistet“, sagt Giffey.

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