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9000 Kilometer Freiheit statt eiserner Grenzen und der Traum von der Currywurst

Ilsede 9000 Kilometer Freiheit statt eiserner Grenzen und der Traum von der Currywurst

Ilsede. Im sonntäglichen Ilseder Verkehrsaufkommen wirken sie auf den ersten Blick wie distinguierte, vollbärtige Herren im besten Alter, die vorzüglich behelmt im bunten Trikot ihre nagelneuen Vorzeige-Rennräder ausfahren, um ärztliche Ratschläge möglichst professionell umzusetzen.

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PAZ-Reporter Ulrich Jaschek (links) lässt sich Fahrräder und ihre Technik erklären.

Quelle: im

Der 54-jährige Wolfsburger Expeditionssportler Joachim Franz und sein 50-jähriger Weggefährte und Fahrradspezialist Christian Roth verfolgen hingegen nicht nur sportliche Ziele, sondern auch eine politische Mission. Sie radeln derzeit mit dem Segen des Europäischen Parlaments vom höchsten Norden Skandinaviens mit Elektro-Fahrrädern entlang des einstigen Eisernen Vorhangs bis nach Sofia - innerhalb eines Monats.

Begonnen haben sie die 9000 Kilometer-Tort(o)ur am 27. Juni - genau 25 Jahre nachdem die Außenminister Österreichs und Ungarns symbolisch die Grenzanlagen zwischen ihren Ländern durchtrennt hatten.

Nach etwa 5000 Kilometern auf ihrem „Iron-Courtain-Trail“ pausierten und posierten die Radler auf Einladung der Wito für eine halbe Stunde vor der Ilseder Gebläsehalle.

Gut gelaunt plauderten sie über sich und ihre zwölf Stunden Ritte von bis zu 360 Kilometer pro Tag, geschundene Sitzflächen, wirksame Wundcremes, elektrischen Rückenwind auf ihren Mountain-Bikes mit 19 Zoll-Rahmengröße und einem 250 Watt Elektromotor.

„Man kann die eigenen Kraftreserven beispielsweise während der 2000 Kilometer an der Ostseeküste bei Gegenwind besser schonen“, schränkt Roth ein. Man komme trotzdem täglich an den Rand seiner Kraft und müsse sich an den Umgang mit dem Elektroschub gewöhnen.

Der Volkswagen-Konzern hat den Radlern vier Begleitfahrzeuge für Medienteams, Techniker, Gesundheitspersonal und Expeditionsausrüstungen zur Verfügung gestellt. Und so sind die Männer weder bei drei Grad in der Nähe des Polarkreises noch in der Hitzewelle in Polen allein, wenn die Akkus bei hohen Außentemperaturen erst nach 75 Kilometern im Reisemodus aufgeben und gewechselt werden müssen.

Neue Kraft saugen die Energiespender in den Begleitfahrzeugen. Apropos Energie: Die Radler verbrauchen etwa 4000 Kalorien täglich, die ausgeklügelte Sportlernahrung gleicht zwar Ernährungsdefizite aus, erfüllt jedoch nicht Radler-Träume von Currywurst, Schnitzel oder Pizza.

Entsprechend eisern gestaltet sich der Tagesablauf: 5 Uhr aufstehen, eine Stunde später Abfahrt, gegen 21 Uhr Absteigen zum Schlafen. Zwischendurch Verpflegungspausen, gerne Massagen. Das Begleitteam übernachtet im Mannschaftszelt, den eisernen Helden stellt VW ein Wohnmobil bereit. Das sportliche Ziel haben die Männer mit dem historisch-politischen Hintergrund kombiniert. Statistiken wie die des Ortes Kühlungsborn bewegen sie seitdem im Herzen: von 6000 Fluchtversuchen über die Ostsee enden knapp 900 in Freiheit, 200 im Sarg, der Rest im DDR-Strafvollzug.

4000 Kilometer haben die Männer noch vor sich - wer sie auf der Reise virtuell begleiten möchte, kann hier ihr Internet-Reisetagebuch einsehen: www.eexpedition.de.

uj

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