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70 Jahre Vertreibung: „Der Heimat nachgetrauert“

Adenstedt 70 Jahre Vertreibung: „Der Heimat nachgetrauert“

Als der Zweite Weltkrieg vor mehr als 70 Jahren endete, wurden viele Millionen Deutsche und Deutschstämmige aus dem östlichen Europa vertrieben oder ausgewiesen - so auch Adolf Kosak, der mit seiner Familie im oberschlesischen Füllstein lebte, und schließlich in Adenstedt eine neue Heimat fand.

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Ein Sammelpunkt für Vertriebene.

Kosak, der heute in Burgdorf lebt, war damals noch ein Kind, doch die Erinnerungen haben sich tief eingegraben: „Es waren wohl einige Tage nach dem 20. Juni, als wir den Ausweisungsbeschluss erhielten. Ich konnte noch am 25. Juni 1946 meinen 8. Geburtstag in der alten Heimat feiern. Aber Anfang Juli wurde es ernst. Die wenigen Habseligkeiten, die uns der Krieg noch gelassen hatte, wurden auf einen Pferdewagen geladen. Füllstein konnten wir jedoch erst gegen Mittag verlassen, da ein Bruder, der nicht mit auf die Reise wollte und sich bei einem Bauern versteckt hatte, zunächst gesucht und eingefangen werden musste.“

Dann ging es für die Familie, die Mutter sowie die vier Geschwister, auf den Weg Richtung Roschowitz/Gräfenstein zum Bahnhof nach Holderfelde, ein Weg von etwa sechs bis sieben Kilometern - der Vater galt ab August 1944 als vermisst. Wie sich seine Geschwister und seine Mutter damals fühlten, vermag Kosak nicht zu sagen: „Wir waren sicherlich alle traurig, ich zumindest, weil ich meine geliebte Katze, die anhänglich wie ein Hund war, nicht mitnehmen konnte. Wahrscheinlich hatten wir die Hoffnung, unseren Vater zu treffen, denn er und meine Mutter hatten als Treffpunkt einen Ort in der Nähe von Köln ausgemacht, falls der Krieg vorbei war.“

Von Holderfelde ging es weiter mit der Bahn nach Leobschütz, wo die Familie gegen Abend ankam. Dort wurden die Transporte zusammengestellt, die nach Deutschland führten. Eine zentrale Anlaufstelle war das Missionshaus Maria Treu.

„Mit vielen anderen machten wir uns daher zu Fuß vom Bahnhof auf den Weg zur Sammelstelle Maria Treu. Es schien, als ob die Stadt vor Menschen überquoll“, erinnert sich Kosak.

Weil sie die Strecke bis zum Sammellager nicht schafften, übernachteten sie im Freien auf einem Platz vor der Kirche Mariä Geburt, deren mächtige zwei Türme Kosak auch heute noch in Erinnerung sind.

Am nächsten Tag ging es dann zum Sammellager. „Der gesamte Vorplatz war mit Menschen übersät“, berichtet Kosak. „An ein Unterkommen im Haus war nicht zu denken.“ Also verbrachte die Familie auf diesem Platz einige Tage im Freien, ehe dann der Abtransport in Viehwaggons vom Bahnhof aus erfolgte. An die Fahrt kann sich Kosak nicht mehr erinnern, wohl aber an eine Entlausungsstation, die mit britischem Militär besetzt war und „in der wir mit DDT so reichlich beblasen worden sind, dass wir wie die Müller ausgesehen hatten“.

Irgendwann an einem Tag im Juli im Jahre 1946, so der 78-Jährige, hielt der Zug an einer Rampe auf dem Gelände der Ilseder Hütte in Groß Ilsede. „Es wurde schon dunkel. Wir wurden auf ein Pferdegespann umgeladen und in das sechs Kilometer entfernte Dorf Adenstedt verbracht. Dieser Ort wurde dann unser neues Zuhause. Der Heimat wurde jedoch noch lange, lange nachgetrauert.“

mir

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