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"Weißes Roß": Der Schatz vom Dachboden

Hohenhameln "Weißes Roß": Der Schatz vom Dachboden

Hohenhameln. Sechs Jahrzehnte Wirtschaftsgeschichte lassen sich aus alten Rechnungen rekonstruieren, die ein Entrümpler auf einem Dachboden in Hohenhameln fand. Der Heimatforscher Jens Koch hat sich das Material angesehen - und Erstaunliches herausgefunden.

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Diese alte Postkarte zeigt das Gasthaus „Zum weißen Roß“ in Hohenhameln.

Quelle: oh

In einem alten, verstaubten Schrank entdeckte der Entrümpler quasi den kompletten Geschäftsverkehr des ehemaligen Gasthofs „Zum weißen Roß“ aus den Jahren 1880 bis 1940.

Dieser Dachbodenfund ist allerdings schon 20 Jahre her: „Der Posten Papiersachen wurde umgehend an ein Hildesheimer Antiquariat verscherbelt, wo er 20 Jahre im Dornröschenschlaf wohl sortiert schlummerte“, sagt Jens Koch, der das umfangreiche Material kürzlich erworben und ausgewertet hat.

Louis Jaenecke, der erste Inhaber der Gaststätte, hatte laut Koch weitreichende Geschäftsbeziehungen im ganzen Deutschen Reich. Um 1900 bestellte er vor allem Kaffee in Unmengen: „Der Wirt ging dabei auch äußerst geschickt vor und ließ sich regelmäßig Gratis-Proben von Röstereien aus Bremen und Hamburg schicken“, hat Koch herausgefunden. Das belegen zahlreiche „Dankschreiben“ der Kaffeehandlungen, die nicht nur mit schönen Briefköpfen versehen sind, sondern auch reichlich mit den damals üblichen Höflichkeitsfloskeln ausgeschmückt sind und so um die Gunst des Bestellers buhlen.

„Coffee to go“ war um 1900 zwar Fehlanzeige - dafür konnte man im Lokal Zigarren einzeln erwerben und mitnehmen, wie die zwei Tütchen für die sogenannten „Stumpen“ beweisen, die Koch gefunden hat.

„Anhand der vielen Rechnungen kann man die Wirtschaftsgeschichte des Ortes im ausgehenden 19. Jahrhundert recht umfassend rekonstruieren“, sagt Koch. Offenbar war das Dach des Gasthofes um 1899 etwas marode geworden, denn bei der Ziegelei Könnecker in Hohenhameln musste Material für 6,25 Mark gekauft werden. Auch kuriose Belege finden sich. So kaufte sich Jaenecke 1895 bei „Manufactur- und Modewaaren G. Burgdorf jun.“ eine Fahne. Im selben Geschäft kleideten sich die Wirtsleute auch regelmäßig neu ein.

Schon 1912 wurde aus vier Zapfstellen mit Kohlensäure gekühltes Bier gezapft, wie ein vollständig erhaltenes „Revisionsbuch für eine Bierdruckvorrichtung“ zeigt. Den Durst der Hohenhamelner besänftigte zu dieser Zeit aber nur noch die Witwe Lina Jaenecke als Wirtin, ihr Gatte Louis war schon zehn Jahre zuvor verstorben.

Gasthaus mit Kino und Kegelbahn

Unter dem späteren Inhaber Carl Hoffmann wurde aus der Gaststätte ein Hotel. „Das Weiße Roß war damals äußerst modern, hatte einen Biergarten und eine Kegelbahn“, erzählt Koch. Im großen Saal war am Wochenende Kino-Unterhaltung angesagt: „6 Reichsmark kostete immerhin ein Film im Jahr 1940“, sagt Koch – so steht es auf der Rechnung des „Film-Kuriers“ aus Berlin-Wilmersdorf.

Zu dieser Zeit war Hoffman bereits einige Jahre Kunde der Brauerei Langkopf aus Peine, wie Lieferscheine belegen, seine Brötchen bezog er beim Bäcker und Konditor Heinrich Grote aus Hohenhameln. Beliebt war auch der sogenannte „Rheinwein“, der wurde jedoch kräftig besteuert. „Und natürlich Bier!“, sagt Koch. „1938 expandierte der Betrieb und der Hohenhamelner Klempnermeister Ernst Steinwachs verlegte eine Bierleitung auch in den Saal, was stolze 22,85 Mark kostete.“ Gleichzeitig beschaffte sich Hoffmann eine elektrische Türklingel bei Heinrich Meisoll in Hohenhameln, der auch gleich schöne, helle 100-Watt-Glüh-Birnen lieferte.

Später, als das Gasthaus längst geschlossen hatte, kaufte die Gemeinde den Saal und baute ihn zum Dorfgemeinschaftshaus um. Jetzt ist das Gebäude ein modernes Gesundheitszentrum mit Apotheke. In den ehemaligen Hotelzimmern hat jetzt ein Zahnarzt seine Praxis, und der Projektorraum des früheren Landkinos ist nun eine Toilette.

Das Material hat Koch inzwischen ans Peiner Kreisarchiv übergeben - dort steht es auch allen anderen Heimatforschern zur Verfügung.

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