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Vom Helfer zum Dachdecker-Gesellen

Hohenhameln Vom Helfer zum Dachdecker-Gesellen

Hildesheim/Peine. Rot-gelbe Flammen züngeln über die schwarze Dachpappe. Daniel Ruther geht mit dem Brenner über die gerade frisch verlegten Bitumen-Bahnen und erwärmt die Kanten. Nicht weit entfernt erhebt sich die alte Peiner Mälzerei über die benachbarten Häuser der Südstadt.

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Über den Dächern der Stadt: Daniel Ruther weicht mit dem Brenner die Bitumen-Bahnen auf. Im Hintergrund ist die alte Peiner Mälzerei zu sehen, die bald abgerissen wird.

Doch der Dachdeckergeselle hat jetzt kein Auge für die imposante Umgebung. Einsetzender Nieselregen macht die schwarzen Bahnen rutschig. Und Nässe ist so etwas wie der natürliche Feind des Dachdeckers. Genau genommen arbeiten Dachdecker ständig daran, dass die Feuchtigkeit draußen bleibt. Auch Ruthers Bewegungen werden deshalb schneller. Mit einem Lappen wischt er die Tropfen ab, der Rest verdampft unter der enormen Hitze der Gasflamme. Die Kanten schmelzen zusammen.

Wenn Ruther und seine Kollegen bei der Arbeit sind, sitzt jeder Handgriff. Muss er auch. Schließlich arbeiten Dachdecker oft in schwindelerregenden Höhen oder weitgehend ungesichert auf einem Dach. Wer das nicht verträgt, ist im falschen Beruf.

Bei Ruther kann man das ausschließen. Er hat viele Jahre als Dachdecker-Helfer gearbeitet. Dass er jetzt als Geselle im Team ist, hat er vielen zu verdanken. Allen voran seinem heutigen Chef Dirk Scherl. Der Dachdecker aus Hohenhameln will ganz sicher nicht mehr Lohn bezahlen als er muss. Aber gleichzeitig weiß er, gute Leistung zu honorieren. Und die liefert sein 28-jähriger neuer Geselle ab. „Klar wäre ein Helfer günstiger“, sagt Scherl. „Aber mit Daniel habe ich jemanden, der wirklich in meinen Betrieb passt.“ Ruther hatte einen etwas holprigen Start ins Berufsleben. Und er ist mit 28 Jahren auch kein wirklich junger Neu-Geselle im Dachdeckergeschäft.

„Ich habe nach der Schule zunächst eine Lehre als Elektroinstallateur angefangen“, erklärt der Hohenhamelner. „Aber das war überhaupt nichts für mich.“ Am Ende stand er ohne Abschluss da. Viele Jahre hielt er sich als Helfer auf dem Bau über Wasser. Mehrere davon arbeitete er auch schon für Scherl. Bei der Agentur für Arbeit wurde schließlich die Idee geboren, aus Ruthers Helfer-Tätigkeiten endlich einen festen Beruf zu machen.

„Die Agentur für Arbeit verfolgt das Ziel, Menschen ab dem Alter von 25 Jahren ohne Berufsabschluss anzusprechen und sie für eine Ausbildung oder Umschulung zu gewinnen“, sagt Antonia Wiemuth, Sprecherin der Arbeitsagentur Hildesheim. Gleiches gelte für gering qualifizierte Arbeitnehmer, die in einem bestehenden Arbeitsverhältnis beschäftigt sind. „Ein Berufsabschluss ist ein solides Fundament für die berufliche Zukunft und ein wichtiger Baustein, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden“, so Wiemuth. Gleichzeitig helfe es dabei, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Im Jahr 2013 habe die Arbeitsagentur 133 Umschulungen gefördert. 2014 seien es 103 gewesen, 2015 wurden bisher 39 Umschulungen bewilligt. „Diese Zahl wird allerdings noch deutlich steigen und sich den Zahlen der Vorjahre annähern“, glaubt Wiemuth. Derzeit seien zahlreiche Anträge in Bearbeitung.

Für Erwachsene wie Ruther, der 2013 mit seiner Umschulung begonnen hatte, ist die Förderung der Agentur wichtig. Sie haben meist fixe Kosten für Wohnung, Auto und Familie. Eine reguläre Ausbildung zum Dachdecker ließe die Einkünfte von heute auf morgen zusammen schmelzen - viele entscheiden sich aus diesem Grund gegen die Ausbildung und machen stattdessen weiter wie bisher.

Ruther hat diese Phase mit der bestandenen Prüfung hinter sich gelassen. Weil er inzwischen einen erfolgreichen Abschluss vorweisen kann, hat er eine Erfolgsprämie in Höhe von 1000 Euro bei der NBank beantragt. Er ist seinem Chef dankbar und kann sich inzwischen noch mehr vorstellen. „Vielleicht werde ich irgendwann einmal Vorarbeiter“, sagt er. Das ist bisher aber noch Thorsten Pflug, der mit Daniel Ruther über den Dächern Peines arbeitet. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass der Anbau eines Einfamilienhauses demnächst auch garantiert wasserdicht ist. Und die paar Tropfen von oben? „Das macht doch nichts“, sagt Ruther. „Jacke an und durch.“

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