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Umweltminister Birkner besucht Mehrum: Das Kraftwerk rechnet sich bald nicht mehr

Mehrum Umweltminister Birkner besucht Mehrum: Das Kraftwerk rechnet sich bald nicht mehr

Mehrum. Das Kohlekraftwerk in Mehrum ist bald nicht mehr wirtschaftlich. Schuld daran seien die Subventionen für Ökostrom, meint Geschäftsführer Bernhard Michels. "Eigentlich müssten Sie uns auch subventionieren", forderte er Umweltminister Stefan Birkner (FDP) auf, der gestern zu Besuch im Kraftwerk war.

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Hier entsteht Strom für eine Million Haushalte: Stefan Birkner (3.v.l.) besuchte gestern mit Mitarbeitern und Politikern aus dem Landkreis das Kraftwerk Mehrum.

Quelle: im

Im Schnitt produziert das Kohlekraftwerk nur noch an drei Tagen pro Woche Strom, 43 Prozent beträgt die Auslastung derzeit. Grund dafür ist laut Michels die Energiewende. Denn Strom aus Wind, Sonne und Biogas wird bevorzugt ins Netz eingespeist, das ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) so vorgeschrieben. Erst, wenn nicht genug Ökostrom vorhanden ist, darf Kohle verbrannt werden.

An windigen Tagen steht das Kraftwerk deshalb still. Dann verdient Michels kein Geld - muss aber trotzdem welches ausgeben, zum Beispiel fürs Personal und für das Öl, mit dem der Kessel warmgehalten wird, „damit wir startfähig sind“, sagt er.

Am Ende dieses Jahres wird Michels möglicherweise mehr Geld ausgegeben haben, als er eingenommen hat. Das Kraftwerk Mehrum könnte sich also bald nicht mehr rechnen. Deshalb fordert Michels jetzt auch für Kohlestrom Subventionen, wie es sie für erneuerbare Energien schon gibt - schließlich würden konventionelle Kraftwerke dringend gebraucht, um die Versorgung zu sichern, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. „Strom kann man nicht einfach so speichern“, sagt Michels. „So große Batterien wird es noch lange nicht geben.“ An den Klimawandel glaubt der Kraftwerks-Chef nicht, die derzeitige Energiepolitik bezeichnet er als „Planwirtschaft“. Zumindest letzterem stimmt der FDP-Minister zu: „Durch das EEG werden auch Technologien gefördert, die ineffizient sind, es setzt sich nicht die kostengünstigste Variante durch. Das müssen wir ändern“, sagt Birkner. Die Energiewende werde Geld kosten, „auch die Strompreise werden steigen“, so der Minister. Doch er stellt klar: „Wir brauchen mehr erneuerbare Energien. Daran ist nicht mehr zu rütteln.“

sur

Interview

„Energiewende geht nicht ohne Akzeptanz“

Der niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner spricht über Windkraft, Biogas und den Widerstand aus der Bevölkerung.

Herr Birkner, wie lange hat ein Kohlekraftwerk wie das in Mehrum noch eine Zukunft?

Moderne konventionelle Kraftwerke werden wir immer brauchen! Sie stellen die Grundversorgung sicher – was sollen wir sonst machen, wenn kein Wind weht? Im Jahr 2050 soll 80 Prozent unserer Energie aus erneuerbaren Quellen kommen, da bleiben immer noch 20 Prozent für konventionelle wie Kohle und Gas.

Also müssen sich die Kraftwerks-Angestellten in Mehrum keine Sorgen um ihren Job machen?

Wie viele und welche Kraftwerke bestehen bleiben, kann ich nicht voraussagen. Ob sich ein bestimmtes Kraftwerk rechnet, ist eine betriebswirtschaftliche Entscheidung und keine politische.

Sind Subventionen für Kohlestrom denkbar?

Darüber diskutieren wir tatsächlich schon. Eigentlich will ich auf keinen Fall noch mehr Subventionen. Aber wir brauchen auch Versorgungssicherheit. Da müssen wir uns etwas einfallen lassen.

Und wenn man die EEG-Umlage abschafft und weder erneuerbare noch konventionelle Energie bezuschusst?

Kurzfristig wird die Energiewende ohne Subventionen für Erneuerbare nicht gehen. Aber wir brauchen einen Systemwechsel, weg von der Planwirtschaft und hin zu mehr Wettbewerb. Man könnte den Energieversorgern zum Beispiel eine Quote vorgeben, wie viel Strom aus erneuerbaren Quellen zu kommen hat – völlig egal, ob aus Wind, Sonne oder Biogas. So setzt sich das effizienteste durch.

Hier vor Ort gibt es massiven Widerstand gegen weitere Windräder. Gefährdet das die Energiewende?

Ich glaube kaum, dass es sie zum Scheitern bringt. In anderen Teilen des Landes gibt es nicht so eine Unruhe wie hier in der Region. Der Konflikt kann aber nur vor Ort gelöst werden, ohne die Akzeptanz der Bevölkerung geht es nicht.

Nicht nur bei Windrädern...

Auch bei Stromtrassen. Oder bei Biogas, dort geht der Ausbau bereits langsamer voran, weil der vermehrte Mais-Anbau auf Dauer nicht akzeptiert werden wird. Biogas wird auch künftig eine Rolle spielen, weil es grundlastfähig ist – aber es wird zurückhaltender ausgebaut werden müssen, damit es auch in zehn Jahren noch akzeptiert wird.

Interview: Susann Reichert

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