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„Trost in Trostlosigkeit ist Spott“

Hohenhameln „Trost in Trostlosigkeit ist Spott“

Hohenhameln. Kann eine Glücksburgerin unter Depressionen leiden? Ja, sie könne, bestätigt Anke (54). Sie ist derzeit mit dem Aktionsprogramm „Mood-Tour“ unterwegs und radelt, wie 64 andere von Depression betroffenen und beteiligten Menschen, auf unterschiedlichen Touren drei Monate insgesamt 7000 Kilometer durch die Republik. „Wir wollen nicht nur einen Beitrag zur Ent-stigmatisierung der Depression als Krankheit leisten, sondern auch für unsere Inklusion werben“, erklärt sie, und dass jeder jederzeit betroffen sein könnte.

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Die „Mood-Tour“- Radler machten Halt in Hohenhameln. Die Teilnehmer radeln quer durch Deutschland - und wollen ein Zeichen gegen die Stigmatisierung von Depression setzen.

Zur Mittagszeit pausierte sie mit ihren fünf Mitradlern am Rathaus in Hohenhameln und wurde von Mitgliedern des „Bündnis gegen Depression Hildesheim, Peine, Gifhorn“ mit Erfrischungen versorgt.

Darunter ist auch die 40-jährige Katrin aus Freiburg. Soeben hat sie für den PAZ-Fotografen gelächelt „als wäre sie Lottogewinnerin“. Stellt man sich so einen depressiven Menschen vor? Die sportliche junge Frau lacht noch einmal und beschreibt sich als zunächst glückliches. hörbehindertes Kind, das erst als Erwachsene erstmals unter Depressionen litt. „Ausgelöst vermutlich durch Schicksalsschläge“, formt sie mit den Lippen und greift nur selten auf die Unterstützung einer mitradelnden Gebärden-Dolmetscherin zurück.

Was Anke und Katrin mit ihren Mitradlern auf der Tour durch Deutschland verbindet, ist die gemeinsam zu bestehende sportliche Herausforderung - und die Aufklärung über ihre Krankheit. Bewegung und Sport wirken beispielsweise antidepressiv. Ein Heilmittel sei es jedoch nicht, schon gar nicht, wenn bei einer depressiven Attacke nach dem „Point of no Return“, die lebensbedrohliche Trostlosigkeit voll durchschlage. „Denken sie an die Sportler, die in ihrer Depression durch eigene Hand ums Leben kamen. ‚Trost in Trostlosigkeit ist Spott‘“, zitiert Anke den russischen Romancier Leo Tolstoi. Die 54-Jährige habe bereits in der Schule und im Studium an der bis dahin nicht diagnostizierten Depression gelitten.

Anke ist auch beruflich spezialisiert: Fachärztin für Neurologie, aber inzwischen in Rente. „Die Krankheit raubt statistisch neun Lebensjahre und fördert unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die das Leben weiter verkürzen wie die Furcht vor der nächsten Erkrankung“, zählt sie auf. „Achtsamer Umgang mit sich selbst ist Pflicht“, wozu unbedingt ausreichender Schlaf gehöre.

Die sechs Radler sind auf Tandems unterwegs. Die gehörlose Katrin teilt sich ein Tandem-Liegerad mit Jochen. „Unsere Kommunikation war zunächst schwierig“ sagt sie und lacht schon wieder ihr Lottogewinn-Lachen. Inzwischen seien sie eingespielt - und noch eine Woche gemeinsam unterwegs.

Apropos unterwegs: Mitradler, ob betroffen oder nicht, sind stets herzlich willkommen. Infos dazu gibt es im Internet auf der Seite www.mood-tour.de/mitmachen/mitfahr-aktionen

von Ulrich Jaschek

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