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Tonschluchten abseits von Dur und Moll

Soßmar Tonschluchten abseits von Dur und Moll

„Im Radio würden Sie es ausschalten“, warnt Gerhard Hummer die etwa 80 Zuhörer beim Konzert des Musiker-Duos Alexander Osovitskiy (Cello) und Vladimir Gorup (Bajan/Akkordeon) im Kultursalon. Dabei hatten die beiden Musiker vorher Antonio Vivaldis „5. Sonate in e-Moll“ derart beseelt vorgetragen, dass ausgerechnet Musikenthusiast Hummer seine Emotionen schon nach dem ersten Satz nicht mehr zurückhalten konnte. Er unterbrach die Musiker mit styrmischem Applaus und verführte so auch das Publikum – wofür er sich verschmitzt lächelnd bei den Künstlern entschuldigte.

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Vladimir Gorup und Alexander Osovitsk.

Quelle: Isabell Massel

Hohenhameln-Soßmar. Doch ihre wahre Meisterschaft, ihr untrügliches Gefühl für Klanggebirge und Tonschluchten beweisen Osovitskiy und Gorup mit Sofia Gubaidulinas „In Croce“. In Anlehnung an die Kompositionsstile Alban Bergs, Krzysztof Pendereckis und Arnold Schönbergs folgt ihre Tondichtung keinen traditionellen Dur- und Moll-Linien, keinem herkömmlichen tonalen System.

So muss sich der Hörer auf Gubaidulinas Werk einlassen, es sich erhцren, darüber meditieren, es sich geradezu erarbeiten. Es ist eine Musik, die den speziellen emotionalen Schmerz der Karwoche bisweilen ins Unertrдgliche steigert, eine Musik, die zwar auch tröstliche Momente enthält, die sich aber wie im freien Fall in Depression und Hoffnungslosigkeit ergießen.

Das Duo scheint diese Komposition musizierend trotz der sichtlichen Anspannung zu leben – mal auf dem tonalen Gipfelkreuz, mal in der tiefsten Schlucht des Unentrinnbaren. Das Klanggemälde erinnert an ein zerrissenes und flammendes Hungertuch, mit dem in der Karwoche Altarkreuze verhüllt werden, um den Betrachter für das Gedenken des Leidens sensibel zu machen. So wirkt auch die tiefe Stille beim Ausklang geradezu befreiend – und wird viel zu schnell vom Applaus zerrissen.

Und dann sind sie zu dritt: Osovitskiy, sein Cello und Bach, die „Suite in G-Dur“. So entrьckt wie virtuos, so plastisch, so feingliedrig klingt Bach bei ihm – strahlend, aber niemals blendend. Gorup spielt Vladislav Zolotarevs „Spanische Rhapsodie“, die wohl russischste aller spanischen Rhapsodien. Er interpretiert sie, als lägen Andalusien, Katalonien und Galizien direkt am Uralgebirge. Über den Komponisten sagt Gorup: „Er ist der Chopin der Akkordeonisten.“

Enthusiastischen Beifall ernten die Musiker für das, was das Publikum kennt und liebt: Astor Piazzollas Tango-Hymnen in sowohl spannenden als auch kunstvollen Variationen. Ein unglaubliches Konzert!
Von Ulrich Jaschek

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