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St. Laurentius: Balken-Chaos im Nordturm

Hohenhameln St. Laurentius: Balken-Chaos im Nordturm

„Wenn alles klappt, packen wir Ihnen die beiden Türme passend zu Weihnachten ein.“ Oliver Wolf vom Amt für Bau- und Kunstpflege der Landeskirche Hannover ist optimistisch: Die Sanierung der St.-Laurentius-Türme kann beginnen. Aber niemand weiß, was noch kommt.

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Blick in die Turmspitze der evangelischen St.-Laurentius-Kirche: Ein Gewirr von Holzbalken hält die Konstruktion bislang noch.

Quelle: Privat

Hohenhameln. Dunkel, brüchig, unbeghbar: Die Türme der evangelischen St.-Laurentius-Kirche hat vor etwa 50 Jahren zum letzten mal jemand von innen gesehen. So lange ist es her, dass das Wahrzeuchen des Ortes seine Kupferverkleidung bekommen hat. Und seitdem ist nichts in Sachen Instandhaltung geschehen.

Wasser drang an vielen Stellen ein setzte dem hölzernen Unterbau stark zu: Moderfäule, Holzwürmer, auseinandergezogene Holzverbindungen, weggegammelte Auflagepunkte – die Schadensliste, die die Experten des Hildesheimer Ingenieurbüros Götz & Ilsemann etwa 20 Interessierten in der Kirche vorstellten, ist lang.

Die Sache ist ernst, aber nicht hoffnungslos: Jürgen Götz und Cornelia Roeder haben sich mit Dacheckermeister Ulrich Dornbusch in die Türme hochgewagt, 45 Meter über dem Kirchenfundament. „Wir haben erst einmal Zwischenböden eingezogen“, sagte Dornbusch am Rande der Veranstaltung, „Licht installiert und den Aufstieg gesichert.“ Dann wurden die Schäden penibel aufgenommen, An- und Draufsichten gezeichnet, jeder Balken maßstabsgetreu aufs Papier der Sanierer übertragen.

„Hier ist echte Handwerksmeisterkunst gefragt“, sagte Roeder. „Erstmalig können wir nun den Fachleuten exakt sagen, was sie tun müssen.“ Eine Besonderheit am Rande: Die beiden Turmkonstruktionen sind in unterschiedlicher Bauweise erstellt worden. Götz ist sich sicher, dass vor etwa 200 Jahren „umherziehende Handwerksgesellen“ die Balker und Bretter so zusammenbauten, wie sie es für richtig hielten – und weiterzogen. „Im Nordturm herrscht ein Balken-Chaos“, sagte Roeder, „im Südturm wurde geordneter gearbeitet.“
„Die Türme sind instabil, wir müssen die Steifigkeit wieder herstellen und ein Abstürzen verhindern“, sind sich die Experten sicher.

Kirchtürme, so sie denn nicht felsenfest verankert sind, drehen sich mit dem Lauf der Sonne. Enorme Kräfte treten auf, das oft feucht eingebaute Holz schrumpft, Verbindungen ziehen sich auseinander, die Turmspitze dehnt sich unter der Sonneneinstrahlung, alles gerät aus dem Lot – „beim Läuten haben wir gesehen, wie sich der Turm bewegt“, sagte Pastor Hans Schweda.

990 000 Euro hat die Landeskirche für die Sanierung bereit gestellt, geplant sind zwei Bauabschnitte. Die Fachleute werden aber beide Türme gleichzeitig einrüsten und den Arbeitern in der Höhe eine Arbeitsplattform schaffen. „Das ewige Rauf- und Runterlaufen wollen wir sparen“, sagte Götz, „da geht viel zu viel Zeit verloren. Und bis minus zehn Grad arbeiten Zimmerer und Dachdecker ohnehin im Freien.“

Michael Schröder

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