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Seit einem Jahr ohne Pastorin

Clauen Seit einem Jahr ohne Pastorin

Clauen. Die Ortschaft Clauen hat keine Pastorin mehr. Vor über einem Jahr wurde die Stelle von Anja Jäkel gestrichen, drei Pastoren aus den umliegenden Dörfern haben sich die Arbeit untereinander aufgeteilt. Doch nicht nur sie sind seitdem im Stress: Auch die Ehrenamtlichen haben mehr denn je zu tun.

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Ohne Ehrenamtliche geht in der Clauener Kirche fast nichts mehr. Von links: Dirk Oelkers, Petra Hochschild, Herbert Seemann und Renate Ebel. Die rote Rose ist das Abschiedsgeschenk von Pastorin Anja Jäkel.

Quelle: sur

Das Gemeindeleben in Clauen sollte genau so weitergehen wie bisher - mit oder ohne Pastorin. Das hatte sich der Kirchenvorstand vor einem Jahr zum Ziel gesetzt, und er hat es geschafft. Nur: Wie viel Arbeit das bedeutet, das war den Ehrenamtlichen vorher nicht klar.

„Am Anfang war das eine ganz schöne Umstellung - da lief nichts glatt“, erzählt Dirk Oelkers, der Vorsitzende des Kirchenvorstands. „Aber wir haben uns langsam eingearbeitet.“ Viele Aufgaben, die früher Pastorin Jäkel erledigt hat, übernehmen jetzt Ehrenamtliche: Sie gestalten den Gemeindebrief, organisieren die Treffen der Frauenhilfe und den lebendigen Adventskalender. Allein Oelkers arbeitet jetzt fünf bis acht Stunden pro Woche ehrenamtlich für die Kirche.

Aber nicht nur der Kirchenvorstand engagiert sich: So führen etwa drei Frauen aus dem Dorf den Mini-Gottesdienst weiter, den Jäkel einst ins Leben gerufen hatte. „Den hatte ich schon fast abgeschrieben - toll, dass es den noch gibt“, sagt Oelkers.

Zwar hat Clauen jetzt sogar drei Pastoren, die Jäkels Arbeit untereinander aufgeteilt haben. Pastor Hans Schweda etwa fährt jeden Sonntag nach Clauen zum Gottesdienst - direkt nach seiner Predigt in Hohenhameln. „Das klappt meistens sehr gut - nur manchmal mussten wir ein paar Minuten länger läuten, weil er es nicht pünktlich geschafft hat“, sagt Renate Ebel und lacht.

Eng wird es vor allem an Feiertagen. „Die Pastoren können sich ja nicht zerteilen“, sagt Ebel. „Die Christvesper für Kinder haben wir deshalb letztes Jahr allein gemacht, ohne Pastor.“

Auch um Reparaturen an der Kirche oder am Pfarrhaus kümmert sich jetzt der Kirchenvorstand - aber das ist nicht einfach, weil die Mitglieder alle berufstätig sind. „Wenn das Dach kaputt ist, will der Dachdecker ja nicht erst abends um acht kommen“, sagt Herbert Seemann. Er ist einer der größten Kritiker der Stellenstreichung. „Ich sehe nicht ein, dass die Kirche sich immer weiter aus ihrer Verantwortung zurückzieht und das Personal so kürzt, dass die Pastoren ihre Arbeit nicht mehr schaffen können“, sagt er. Als kürzlich der Kirchenvorstand neu gewählt wurde, hat er sich nicht wieder zur Wahl gestellt - aus Protest.

Doch ohne die Aufopferung vieler Ehrenamtlichen müsste die Clauener Kirchengemeinde jetzt auf vieles verzichten - etwa auf das Gemeindefest. Am 8. Juli wird gefeiert. „Wenn wir das auch noch allein hinkriegen, dann haben wir alles einmal durch“, sagt Ebel stolz. Das Gemeindeleben in Clauen bleibt, wie es war. Ohne Pastorin - aber mit sehr viel Engagement.

sur

Pastoren teilen Arbeit neu auf

Um die Kirchengemeinde in Clauen kümmern sich jetzt gleich drei Pastoren. Hans ?Schweda hält die Predigten und gibt Konfirmanden-Unterricht, Eberhard Sabrowski kümmert sich um die Beerdigungen und Werner Bähr um die Verwaltung und das Gemeindeleben. Optimal ist diese Lösung freilich nicht: „Die Gemeinde hat keinen festen Ansprechpartner mehr“, sagt Herbert Seemann. „Und Pastor Sabrowski macht die Beerdigungen zwar gut – aber er kennt die Leute, die er beerdigt, ja gar nicht aus den Gottesdiensten.“ Die beste Lösung ist es nicht – aber die am wenigsten schlechte. Für die Pastoren ist die zusätzliche Arbeit eine große Belastung. Und schließlich leiden auch jene Gemeinden unter der Stellenkürzung, die gar nicht direkt betroffen sind. „Die Zeit, die ich in Clauen verbringe, muss ich woanders abstreichen – ich kann ja nicht gleichzeitig in Mehrum sein“, sagt Werner Bähr. „Die Zeit wird ja nicht mehr, sondern nur die Arbeit.“ Stellenkürzungen sind für die Kirche kein neues Phänomen. Als Bähr vor 30 Jahren anfing, konnte er ganz für die Kirchengemeinde Mehrum/Equord da sein, irgendwann kam Harber dazu, jetzt Clauen. Sabrowski kümmert sich neben Clauen um die Kirchengemeinden Bierbergen/Soßmar und Adenstedt. Und nicht nur die Arbeit wird mehr: „Die Fahrtzeit kommt ja noch hinzu“, sagt Sabrowski. Einen festen Ansprechpartner haben die Clauener immerhin: „Seit Frau Jäkel weg ist, haben wir für zweieinhalb Stunden pro Woche eine Pfarrsekretärin“, erzählt Oelkers. Ihr Gehalt finanzieren die Clauener zum Teil selbst – aus Spenden von Gemeindemitgliedern.

sur

NACHGEFRAGT

„Ich denke oft an Clauen zurück“

Frau Jäkel, haben Sie sich in Peine gut eingelebt?

Ja, wir als Familie haben uns gut eingelebt. Meine Kinder haben jetzt einen kurzen Schulweg. Und dass ich mir die Arbeit mit Frau Kuschmann teilen kann, erlebe ich als sehr angenehm.

Vermissen Sie Clauen trotzdem ein wenig?

Vermissen ist nicht das richtige Wort. Ich denke oft an Clauen zurück – schließlich war ich dort 17 Jahre lang Pastorin. Aber jetzt bin ich ganz hier. Für die Clauener ist es nicht einfach, dass Ihre Stelle gestrichen wurde. Für mich ist es sicher leichter als für die Gemeinde – ich habe hier eine neue Aufgabe, während die Clauener sehen müssen, wie sie die alten Aufgaben neu organisieren.

Sind sie noch oft in Clauen?

In der Clauener Kirche war ich das letzte Mal im Mai beim Jubiläum der Rasselbande. Aber ich bin oft in Hohenhameln und treffe dort immer viele Leute. Die Clauener halten Kontakt – das finde ich sehr schön.

Interview: Susann Reichert

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