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Schuldenfalle Tagesmutter: Alleinerziehender Vater muss nachträglich 3500 Euro bezahlen

Hohenhameln Schuldenfalle Tagesmutter: Alleinerziehender Vater muss nachträglich 3500 Euro bezahlen

Hohenhameln. 3500 Euro soll Henning Wiese* an den Landkreis Peine zahlen - für die Tagesmutter, die seinen Sohn Max* betreut hat. Das Problem: Der alleinerziehende Vater von fünf Kindern lebt am Existenzminimum - und die Rechnung kommt fast zwei Jahre zu spät.

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Henning Wiese* mit der Rechnung vom Familienservicebüro.

Quelle: sur

Für Wiese war der Brief ein Schock: „Mir hat vorher keiner gesagt, dass ich für die Tagesmutter etwas zuzahlen muss und in welcher Höhe“, sagt der Hohenhamelner. Gut 200 Euro pro Monat soll er an den Landkreis zahlen, rückwirkend für Oktober 2010 bis März 2012. Die Nachricht kam allerdings erst im August 2012, fast zwei Jahre, nachdem er den Antrag gestellt hatte. „Hätte ich das gewusst, hätte ich Max von Freunden betreuen lassen“, sagt Wiese.

Statt dessen hat er plötzlich 3500 Euro Schulden - und weiß nicht, wie er sie bezahlen soll. Dabei verdient Wiese gar nicht schlecht, rund 1900 Euro netto plus Kindergeld hat er im Monat. Trotzdem lebt er am Existenzminimum: „Die Caritas hat mir mal ausgerechnet, dass ich nur 40 Euro mehr verdiene, als ich durch Sozialleistungen bekommen könnte“, sagt er.

Als seine erste Frau ihn sitzen ließ, hinterließ sie hohe Schulden und vier Kinder. Zwei sind inzwischen erwachsen, die beiden Teenager wohnen noch bei ihm. Und dann ist da noch der knapp dreijährige Max, dessen Mutter sich wegen schwerer Depressionen nicht um die Familie kümmern kann. Seit er sieben Monate alt ist, wird er von Tagesmüttern betreut. Wiese ging davon aus, dass das Familienservicebüro die Kosten trägt: „Was soll ich denn machen? Ich muss doch arbeiten und Geld verdienen“, sagt er.

Der Landkreis hat sich inzwischen dafür entschuldigt, dass der Antrag so lange liegen geblieben ist. Grund für „die ungewöhnlich lange Bearbeitungsdauer“ war laut Landkreis-Sprecher Henrik Kühn die hohe Arbeitsbelastung im Familienservicebüro: Ab Oktober 2010 hätten sich die Fallzahlen verdoppelt, zudem war das Büro wegen langer Krankheit nur mit der Hälfte der Mitarbeiter besetzt. „Die Aufarbeitung der immensen Arbeitsrückstände dauerte tatsächlich bis Anfang 2012 an“, so Kühn. „Wir bedauern das.“ Allerdings hätte Wiese wissen können, dass er etwas zuzahlen muss - schließlich habe er „bereits im März 2010 Tagespflege für sein Kind in Anspruch genommen und wurde damals zu Kostenbeiträgen herangezogen.“ Wiese bestreitet das: „Dafür habe ich nie eine Rechnung bekommen.“

Der Landkreis bietet ihm jetzt an, die 3500 Euro in Raten zu bezahlen. Nach einer Lösung sucht auch Martina Orwat, die Leiterin des evangelischen Kindergartens, den Max inzwischen besucht. Konkret versprechen kann sie zwar noch nichts - „aber ich werde den Fall dem Kirchenvorstand melden und wir schauen, wie wir helfen können.“

sur

* Namen geändert

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