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Rhythmische Wolkenbrüche

Hohenhamelner Kultur-Dachstube Rhythmische Wolkenbrüche

Schwarze Fantasie, Black Fantasy - unter diesem Titel stand der Auftritt des Pianisten Frank Muschalle in Hummers Salon, und der war ausverkauft. Und was passiert, wenn ein Klasse-Pianist Hummers Blüthner-Flügel „bearbeitet“? Das Publikum ist begeistert und tobt.

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Frank Muschalle – ein meisterhafter Boogie-Pianist.

Quelle: Christian Bierwagen

Hohenhameln-Soßmar. Er ist ja einiges gewohnt und hat inzwischen klanglich allerlei transportiert, der 1895 hergestellte Blüthner-Flügel unter Hummers Kultursalon-Dach. Deutlich zum rhythmischen Beben und Vibrieren bis unter die Spitze seines geöffneten Deckels brachte ihn bisher aber ausschließlich der Boogie-Pianist Frank Muschalle. Am Wochenende war er wieder im komplett ausgebuchten Salon zu Gast und mit dem Publikum schon nach den allerersten Takten ein Herz und eine Seele.

Experten handeln den Mann als einen der prominentesten Boogie-Woogie-Pianisten Europas – zu Recht, wie er auch in Soßmar wiederum bewies und es die Zuhörer sofort spürten.

Muschalle spielt Boogie nicht nur, weil er davon, sondern auch, weil er dafür lebt. Und wie er lebte, bei Hummer im Salon! Geradezu explosionsartig entflammte er damit sowohl das musikalisch-rhythmische Empfinden als auch das Entzücken seiner Zuhörer über sein geradezu schwindelerregendes Tastenspiel. Vor etwa hundert Jahren übertrugen schwarze Bluesmusiker in den USA diesen unglaublich quirligen und eingängigen Musikstil von der Gitarre aufs Piano – oft übrigens ohne die geringsten Notenkenntnisse.

Muschalle pflegt liebevoll diese Musikrichtung, von denen viele Titel, eben wegen fehlender Noten, lediglich durch historische Plattenaufnahmen und Neueinspielungen belegt sind. Muschalle hingegen kommt als Hüter dieser Musik aus dem klassischen Fach und entfacht gleich zu Beginn einen rhythmischen Wolkenbruch auf dieser urgemütlichen, von Stuben-Stehlampen beleuchteten Wohnzimmer-Bühne.

Das Publikum kommt mit dem Fußwippen überhaupt nicht nach und der Pianist heimst nach jeder Nummer euphorischen Beifall ein. Was diesen Musikstil so mitreißend macht, sind die mit links gespielten eigentümlich rollenden Bass-Strukturen während gleichzeitig mit rechts tremolierend getrillert, geklingelt und geradezu gesummt wird. Absolut exakt und technisch perfekt, so dass er spielen kann was er will: jedes Stück begeistert.
Es scheint, als bringe Muschalle den Flügel mal zum Kichern, Stampfen und Vibrieren. Aber er lässt ihn auch singen, krault ihm bei langsamen Nummern via Klaviatur die Seele und lacht ins Publikum.

Aber der Meister musiziert nicht nur, charmant moderiert sein Programm, erklärt Stile erzählt Anekdoten über die längst verstorbenen Ur-Väter dieser Musik. Rhythmus und Improvisationen finden mit Leichtigkeit Eingang ins musikalische Empfinden. So lässt er Lokomotiven klanglich über die Bühne stampfen, betört mit der Black Fantasy“, schmust mit der Penthouse Serenade“ und nach Albert Ammons Boogie Woogie Stomp“ tropft ihm der Schweiß von der Stirn, während der geöffnete Flügeldeckel unter harten Anschlägen immer wieder spürbar bebt. Das Publikum tobt. Zu Recht! Bravo!

Ulrich Jaschek

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