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Mehrum: Ein Dorf zwischen Industrie und Idyll

Dorfserie Mehrum: Ein Dorf zwischen Industrie und Idyll

Mehrum. Mehrum ist ein Dorf mit zwei Seiten, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Im Norden liegt das einzige Industriegebiet der Gemeinde Hohenhameln, im Süden können Spaziergänger alte Gutshöfe und einen idyllischen Dorfteich entdecken.

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Ein Dorf, zwei Gesichter: An der „Schlüte“ treffen sich Erika Aumann (v.l.), Monika Bolski, Erna Reimers, Ursula Riegelmeier und Ursel Dippner zum Spazierengehen. ...

Quelle: rb

Zwischen Industrie und Idyll liegt der Mittellandkanal. Auf dessen nördlicher Seite rauchen die Schlote des Kohlekraftwerks, werden die Lastwagen eines Getränkegroßhändlers beladen und Europaletten gezimmert, hier wird Beton gemischt und Stahl verzinkt.

Mehrum ist die einzige Ortschaft in Hohenhameln, wo es nicht nur Geschäfte und Handwerksbetriebe gibt, sondern auch mehrere Fabriken. Vor 20 Jahren wurde das erste Grundstück im Industriegebiet „Ackerköpfe“ verkauft. Seitdem haben sich dort rund 25 Firmen angesiedelt und hunderte von Arbeitsplätzen geschaffen.

Oft schimpfen die Mehrumer über Verkehrslärm und Gestank, doch das Industriegebiet hat auch seine guten Seiten. Mehrum ist eben kein „Schlafdorf“, hier können selbst die Ingenieurin und der Anlagenmechaniker mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.

Zudem hat Mehrum eine Infrastruktur, von der man in anderen Dörfern der Gemeinde Hohenhameln nur träumen kann. Hier fährt ein Bus direkt nach Hannover, und in fünf Minuten ist man auf der Autobahn oder am Bahnhof in Hämelerwald.

Besonders wichtig fürs Industriegebiet ist zudem der Mittellandkanal. Für die Firma Raiffeisen war er der Grund, sich in Mehrum anzusiedeln: „Per Schiff können wir unser Getreide viel günstiger und umweltfreundlicher transportieren als per Lastwagen“, sagt Jürgen Frühling, der bei der Raiffeisen für die Kanal-Abwicklung zuständig ist.

Bis zu 100 Schiffe pro Jahr fahren das Lager in Mehrum an, sie liefern Dünger oder werden mit Weizen, Gerste und Raps beladen, den Bauern aus dem Peiner Land geerntet haben und der jetzt nach Holland, Belgien oder sogar nach Übersee verkauft wird. Die Lagerhallen und Silos stehen in Mehrum direkt am Kanal: „Der Silomeister kann aus dem Fenster zugucken, wie die Schiffe beladen werden“, sagt Frühling. „Das ist optimal, weil es uns lange Wege spart.“

1988 hat die Raiffeisen in Mehrum gebaut, damals noch auf der grünen Wiese. „Da war das Kraftwerk und da waren wir - und sonst niemand“, sagt Frühling. Seitdem sind fast 25 Jahre vergangen - und Mehrum hat sich gewaltig verändert.

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HINTERGRUND

Der Dorfteich dient als Treffpunkt

Mehrum hat mehr zu bieten als nur rauchende Fabriktürme und polternde Lastwagen. Dass das Industriegebiet den Ort zwar prägt, aber nicht dominiert, zeigt schon ein Blick auf die Zahlen: Mit knapp elf Quadratkilometern ist Mehrum das flächenmäßig größte Dorf in der Gemeinde Hohenhameln. Das Industriegebiet mit seinen 54 Hektar nimmt nicht einmal fünf Prozent dieser Fläche ein. Abseits der Hauptstraßen gibt es noch das andere Mehrum: Dort findet man alte Gutshöfe, idyllische Bauerngärten, einen Reiterhof und einen Rundwanderweg, der um die Streuobstwiese herum und am Kanal vorbei führt. Beliebt bei Spaziergängern ist auch die „Schlüte“: Der Dorfteich wird von alten Weiden gesäumt, es gibt Bänke zum Ausruhen, im Wasser schwimmen Fische. Eigentlich ist die „Schlüte“ ein Feuerlöschteich, doch sie dient vielen Mehrumern auch als Treffpunkt und Naherholungsgebiet, im Winter drehen dort Schlittschuhläufer ihre Runden. Gepflegt wird der Teich von ehrenamtlichen Helfern aus dem Dorf. sur

1844 gegründet: Hohenhamelns ältester Verein

Mehrum. Der älteste Verein in der Gemeinde Hohenhameln, der noch heute existiert, ist Mehrums Junggesellschaft. Vor 168 Jahren wurde sie gegründet – und schon damals wussten die jungen Männer, wie man feiert.

Die Junggesellschaft ist im Vorfeld der Deutsche Revolution von 1848 entstanden. „Das Gründungsjahr von 1844 geht aus einer gefundenen Obristenrede hervor, die Friedrich Busch senior unter alten Unterlagen seines Urgroßvaters Heinrich Busch fand und der Junggesellschaft zur Verfügung stellte“ – so steht es in der Chronik, die der Verein zu seinem 150-jährigen Bestehen herausgegeben hat.

„Diese Rede bestätigt, dass die Junggesellen auch vor 150 Jahren schon zu feiern wussten“, heißt es. „Man warnte darin vor übermäßigem Alkoholgenuss und kündigte die weiteren Konsequenzen an“ – zum Beispiel die Ausnüchterung im Spritzenhaus.

Bereits vor mehr als 100 Jahren ermittelten die Junggesellen ihren König, indem sie mit Bleikugeln auf die Schützenscheibe schossen. „Der älteste uns bekannte Junggesellenkönig war Heinrich Flohr im Jahr 1904“, heißt es in der Chronik.

Beim Schützenfest trank man damals offenbar lieber Wein als Bier – auch das geht aus alten Unterlagen der Junggesellschaft hervor. Viele Traditionen aus jener Zeit pflegen die jungen Männer aber bis heute: „Unter anderem die Aufnahmezeremonie der neu eingetretenen Junggesellen, das sogenannte Putzen, sowie das darauffolgende, seinerzeit noch zweitägige Faschingsvergnügen ‚Fuen‘, welches mit Musik und Tanz in den Gastwirtschaften gefeiert wurde.“ In den seltensten Fällen wurden diese Bräuche schriftlich niederlegt, sondern sie wurden mündlich von einer Junggesellengeneration zur nächsten überliefert.

Auch weitere Traditionen kamen im Laufe der Jahrzehnte hinzu: So richtet die Junggesellschaft Mehrum seit Anfang der 1980er-Jahre auch das Osterfeuer aus – und bereichert damit das Dorfleben bis heute, nicht nur beim Schützenfest.

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HINTERGRUND

Zahlen, Daten, Fakten

Einwohner: 1136 *

Davon bis 20 Jahre: 221 * (19,5 Prozent, Gemeinde-Durchschnitt: 20,3 Prozent)

Ab 60 Jahre: 264 * (23,2 Prozent, Gemeinde-Durchschnitt: 26,7 Prozent)

Alter des Ortes: 833 Jahre (erste urkundliche Erwähnung: 1179)

Größe in Quadratkilometern: 10,86 (flächenmäßig größte Ortschaft)

Anzahl der Vereine: 15

* Die Einwohnerzahlen stammen vom 18. Juli 2012, mit Haupt- und Nebenwohnsitz

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