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Krebsfälle in Equord häufen sich - liegt es am Trinkwasser?

Equord Krebsfälle in Equord häufen sich - liegt es am Trinkwasser?

Equord. In Equord gibt es ungewöhnlich viele Krebsfälle - 30 Erkrankte hat allein Rüdiger Heinrici in seinem Bekanntenkreis gezählt. Er glaubt, verseuchtes Trinkwasser sei die Ursache. Die Behörden halten die Zahlen jedoch nicht für auffällig: "Krebs ist viel häufiger, als man denkt", sagt Elke Bruns-Phillipps vom epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen.

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Drei von mindestens 30 Betroffenen (von links): Karl-Heinz Hilbig und Helga Hübbe aus Equord sind an Krebs erkrankt, ebenso Rüdiger Heinricis Frau Erika.

Quelle: sur

45 Krebsfälle in zehn Jahren seien selbst für so ein kleines Dorf wie Equord nicht ungewöhnlich, sagt Bruns-Phillipps (siehe Interview unten). Heinrici ist da skeptisch: „Das ist doch nicht normal!“, meint er.

Heinrici hat sich im Dorf umgehört, als erst sein Schwager an Krebs starb und dann auch noch seine Frau erkrankte. Auf 30 Fälle kam er allein in seinem Bekanntenkreis - „und das sind noch längst nicht alle.“ Ob die Personen auf seiner Liste innerhalb von fünf Jahren oder zehn Jahren erkrankten, kann er allerdings nicht sagen.

Genaue Zahlen sind auch von Behörden nicht zu bekommen. In den Krebsstatistiken wird das kleine Equord nicht erfasst. Ortsbürgermeister Peter Goor hat sich bis zum Landesgesundheitsamt durchgefragt: Zahlen bekam er nur auf ganz Hohenhameln bezogen, und die waren unauffällig.

Trotzdem machen sich die Equorder Sorgen. Heinrici wohnt nur 800 Meter von einer Mülldeponie entfernt und glaubt, der Abfall dort habe möglicherweise Equords Wasser verseucht. Das hält auch Hanne Porath für möglich: Sie betreibt ein Wellness-Studio im benachbarten Stedum und hat Heinricis Brunnenwasser untersuchen lassen. „Ganz schlimm ist der Nitrat-Gehalt“, sagt sie. Der lag bei 129 Milligramm pro Liter - erlaubt sind in Deutschland 50 Milligramm, für Kleinkinder sogar nur 10. „Nitrat wird im Körper zu Nitrit - und das ist Gift“, sagt Porath. „Und mit solchem Wasser gießen wir unsere Tomaten.“

Wenn man Porath glaubt, ist auch das Leitungswasser Gift. Mit elektrischem Strom macht sie die Schwebstoffe sichtbar, die sich im Leitungswasser befinden: Das Ergebnis ist eine bräunliche Brühe. Aber sind diese Schwebstoffe wirklich schädlich?

Der Wasserverband Peine widerspricht: Er untersucht das Trinkwasser regelmäßig und misst unter anderem, wie viel Schwermetalle, Quecksilber, Nitrat und Uran darin enthalten sind. Die Werte liegen unterhalb der Grenzwerte, und die sind laut Verbands-Sprecherin Sandra Ramdohr per Gesetz so streng festgelegt, dass man sein ganzes Leben lang Leitungswasser trinken könnte, ohne Schaden zu nehmen. „Eine negative gesundheitliche Beeinträchtigung durch das Trinkwasser in Deutschland ist auszuschließen“, sagt Ramdohr.

Porath und Heinrici glauben das jedoch nicht. Sie wollen vor allem eines: Aufklärung von unabhängiger Stelle. „Wir wollen wissen, woher die Krebsfälle kommen. An irgendetwas muss es liegen“, sagt Heinrici. Er fordert, Experten sollten das Grundwasser testen und Bodenproben nehmen. „Das muss mal richtig untersucht werden, im Speziallabor.“ sur

INTERVIEW

„Wir können nicht ausschließen, dass das reiner Zufall ist“

Mit Überalterung oder mit Zufall könne man die vielen Krebserkrankungen in Equord erklären, sagt Elke Bruns-Phillipps vom EKN, dem Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen. Eine Statistik nur für das Dorf gibt es aber nicht.

Wie häufig kommt Krebs vor?

Das ist eine relativ häufige Erkrankung. Jeder Dritte erkrankt irgendwann im Laufe seines Lebens daran – und das Risiko steigt, je älter man wird.

30 Fälle zugleich in einem Dorf wie Equord – ist das nicht trotzdem zu viel?

Deutschlandweit treten jährlich etwa 500 neue Fälle pro 100000 Einwohner auf. Für Equord mit seinen 900 Einwohnern kann man also 45 Neuerkrankungen in zehn Jahren erwarten – sofern die Altersstruktur etwa dem Landesdurchschnitt entspricht. Sind die Bewohner im Schnitt älter, können es auch mehr sein. Hinzu kommt: Je kleiner der Ort ist, desto größer sind die statistischen Schwankungen. Wir können nicht ausschließen, dass die Häufung reiner Zufall ist.

Warum gibt es keine Statistik nur für Equord?

Es ist einfach zu klein. Wir speichern die meldepflichtigen Daten anonymisiert und ohne konkreten Wohnort ab, sie beziehen sich auf Gebiete mit mindestens 5000 Personen. Für ein 900-Einwohner-Dorf können wir das deshalb nicht so kleinräumig auswerten.

Aber wenn so ein Verdacht besteht, kann man die Daten dann nicht detaillierter erfassen?

Man kann zum Beispiel wohnortnah schauen, wie viele Menschen an Krebs sterben. Das Gesundheitsamt in Peine hat bereits die Todesbescheinigungen ausgewertet, aber keine erhöhte Krebssterblichkeit festgestellt.

Dass Rauchen Krebs auslösen kann, ist bekannt. Wie ist es mit Umweltfaktoren, etwa Nitrat oder Uran im Trinkwasser?

Wenn sich ganz spezifische Krebs-Erkrankungen häufen, dann könnte das ein Hinweis darauf sein, dass es umweltbedingt ist. In Equord treten aber ganz verschiedene Krebs-Arten auf.

Interview: Susann Reichert

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