Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Im Schreibtisch lag noch Kohlepapier

Hohenhameln Im Schreibtisch lag noch Kohlepapier

Hohenhameln. So richtig weiß Rolf Bettels noch nicht, wie ihm geschieht. Kein Wunder, der 65-Jährige arbeitet seit dem 15. Lebensjahr im Verwaltungswesen. Jetzt steht der Ruhestand kurz bevor, heute ist der letzte Arbeitstag des Fachbereichsleiters „Bürgerbüro und gemeindliche Einrichtungen“ der Gemeinde.

Voriger Artikel
Drei Einbrüche und Tausende Euro Schaden
Nächster Artikel
Theater, Tee und Baumstammwerfen

Rolf Bettels am Schreibtisch in seinem Büro im Erdgeschoss des Rathauses.

Quelle: im

Von JONAS SZEMKUS

Der Schreibtisch ist schon ausgeräumt, viele Bilder hängen nicht mehr an den Wänden des Büros im Rathaus. Rolf Bettels hat die Aufräumarbeiten vor einigen Tagen begonnen. Offiziell ist zwar erst am 1. Januar der Eintritt in den Ruhestand angesagt, doch schon ab morgen hat er Urlaub. „Wenn ich aufhöre, habe ich 49 Jahre und neun Monate gearbeitet“, sagt Bettels und legt die Stirn in Falten. Dann lacht er. „Als ich den Schreibtisch aufgeräumt habe, lag in einer Schublade, in der links unten, noch Kohlepapier.“ Wann er das zum letzten Mal benutzt habe? „Puh. Das dürfte in den 70ern gewesen sein“, sagt Bettels und lacht erneut. Er ist ein Verwaltungsmann vom alten Schlag. Im positiven Sinne.

Bettels ist geradlinig, aufrichtig, ein Menschenfreund. Er habe immer versucht, fair zu sein, sagt der Ruheständler in spe. Klare Ansagen gehören natürlich auch dazu. „In diesem Beruf ist Fingerspitzengefühl wichtig.“ Und, dass man auf Menschen zugehen kann. „Mich ins hinterletzte Büro zu setzen und einfach selbst verwalten, das war nie mein Ding.“ Der Abschied aus dem Berufsleben fällt ihm schwer. „Ich hatte so viele Erfolgserlebnisse durch den Beruf. Die fallen natürlich weg. Und ich bin so vielen Menschen begegnet, die ich mag.“

Mit Menschen in Kontakt zu kommen, das sei vor rund 50 Jahren auch der Grund gewesen, weshalb Bettels eine Ausbildung zum Verwaltungsangestellten bei der Gemeinde Algermissen begann. Danach bewarb er sich: bei der Stadt Hildesheim, in Lehrte - und eben in Hohenhameln. „Hier hatte ich das erste Bewerbungsgespräch“, erinnert sich Bettels. Er blieb der Gemeinde mehr als 46 Jahre treu.

In dieser Zeit hat Rolf Bettels viel erlebt, viele Menschen kommen und gehen sehen, vier Verwaltungsoberhäupter über sich gehabt, die Gebietsreform mit abgewickelt, vieles mehr. Einige Dinge sind ihm jedoch mehr im Gedächtnis geblieben als andere. Die Einrichtung des Wochenmarktes zum Beispiel. Vor 35 Jahren boten Händler erstmals ihre Waren an. Bettels hatte den Markt initiiert, hat ihn bis heute begleitet. Auch die Arbeit mit den Feuerwehren habe ihm immer viel Spaß bereitet. Und die größte Herausforderung? Bettels legt die Stirn wieder in Falten. „Die erste Unterbringungswelle von Asylbewerbern“, sagt er nach einigem Zögern. „Ich bin damals losgezogen, dachte das wird ganz einfach. Ich wusste ja, wo es freie Wohnungen gibt. Aber an vielen Fronten gab es Ressentiments.“ Aufgeben kam aber nie in Frage. Schon gar nicht, weil es damals um das Schicksal von Menschen ging.

Nächstenliebe ist ein biblisches Gebot, Glauben nimmt im Leben von Rolf Bettels seit frühauf eine große Rolle ein. Er war Messdiener, blieb der katholischen Kirche seitdem verbunden. „Diese Gemeinschaftserfahrung war und ist etwas ganz besonderes“, sagt der 65-Jährige. Passend, dass Bettels gleichzeitig auch dienstältester Standesbeamter Niedersachsens ist. „Da konnte ich mein Gespür, mit Menschen umzugehen, besonders gut einbringen“, sagt er.

Auch beim Blick in die Zukunft nimmt Kirche für ihn eine besondere Rolle ein. In Algermissen, wo Bettels mit seiner Frau Annegret wohnt, engagiert er sich in der Kirchenstiftung. Und er möchte in den Kirchenvorstand gewählt werden. Ehrenamt, das stifte Sinn und gebe Motivation. Familie natürlich auch. „Es ist wichtig, immer noch Ziele zu haben“, sagt Bettels und hält kurz inne. „Wenn man keine Ziele mehr hat, läuft die eigene Uhr doch schon langsam runter.“ Es dürfen ruhig auch kleine Ziele sein, findet Bettels. Bratkartoffeln machen für Tochter Ann-Christin oder die Söhne Andre und Alexander zum Beispiel. Ganz ruhig wird es eben auch im Ruhestand nicht. Zum Glück.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hohenhameln

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

Bombendrohnung in der Peiner City
Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung