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Gülle und Kompost: Den Mehrumern stinkts

Mehrum Gülle und Kompost: Den Mehrumern stinkts

Mehrum. "Hier stinkt es inzwischen fast jeden zweiten Tag nach irgendetwas ekeligem", sagt Anke Müller aus Mehrum. Auch andere Dorfbewohner haben sich in letzter Zeit bei der PAZ beschwert.

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Genervt vom Gestank (v.l.): Silke Ruppert, Anke Müller, Friedrich Wilhelm Fratzscher und Denise Müller aus Mehrum.

Quelle: sur

Mal riecht es scharf nach Hühnermist, mal faulig nach Kompost. „Wir können kaum die Fenster öffnen und die Wäsche nicht raus hängen“, beklagt Müller. Einmal habe es drei Tage in Folge gestunken, weil anscheinend ein Landwirt seinen Dünger nicht richtig untergepflügt hatte und der Wind ungünstig stand.

Betroffen sind aber nicht nur jene Mehrumer, die wie Müller am Ortsrand wohnen: „Der Geruch zieht bis zu uns in den Ratsweg - dermaßen stark, dass wir nicht in den Garten gehen können“, sagt Friedrich Wilhelm Fratzscher. Jörg Plagemann hat schon Landwirte beobachtet, die - beladen mit „extrem stinkender Vergärungsmasse“ - direkt an seinem Haus vorbeigefahren sind. Dabei gäbe es Auflagen, nicht durchs Dorf zu fahren.

Beim Landkreis ist das Problem bekannt. „Ich kann die Mehrumer verstehen“, sagt Jörg Hahn vom Fachdienst Umwelt. Aber für eine Lösung fehlen offenbar Geld und Personal. Denn gegen ein wenig „Landluft“ ist grundsätzlich nichts einzuwenden, so lange es nicht zu häufig stinkt (siehe unten). Um den Gestank zu messen, müssten jedoch Probanden losgeschickt werden, die vor Ort den „Schnüffeltest“ machen oder Luftproben mit ins Labor nehmen. „Ein solches Gutachten ist extrem aufwendig und teuer“, sagt Hahn.

Er rät den Mehrumern deshalb, zunächst die Gerüche zu dokumentieren - also im Kalender zu notieren, von wann bis wann es stinkt. Ergeben sich daraus erste Beweise für eine zu starke Belästigung, könnten die Behörden einschreiten, ein Gutachten in Auftrag geben und dann gegen die Verursacher vorgehen.

So lange will Müller aber nicht warten. „Bis so ein Gutachten fertig ist, dauert es doch ewig“, sagt sie. Sie und ihre Mitstreiter wünschen sich eine schnelle Lösung: Wenn die Bauern ihren Dünger sofort unterpflügen würden und das Kompostwerk eine „anständige Filteranlage“ einbauen würde, wäre schon viel geholfen, sagen sie.

Fratzscher will sich sogar an den Petitionsausschuss des Landtages wenden, um Druck zu machen. Sein Verdacht: „Das Kompostwerk zahlt Steuern an die Gemeinde - also können die machen, was sie wollen. Am Ende geht es doch immer nur um Geld.“

sur

Fragen und Antworten: Wie viel „Landluft“ ist erlaubt?

Wie viel Gestank müssen Dorfbewohner ertragen?

Geregelt ist das in der Geruchsimmissions-Richtlinie (GIRL) und in der TA Luft. Laut Jörg Hahn vom Fachdienst Umwelt des Landkreises Peine muss man in Wohn- und Mischgebieten an zehn Prozent der Jahresstunden schlechten Geruch ertragen. Das heißt, dass es dort beispielsweise zweimal pro Woche für je acht Stunden stinken darf. Höher liegt der Grenzwert in Dorfgebieten (15 Prozent der Jahresstunden) und im Außenbereich (20 Prozent).

Wann dürfen Landwirte düngen?

„Nicht gedüngt werden darf vom 15. November bis 15. Februar, weil in der Zeit sehr viele Niederschläge runterkommen und der Dünger schnell ins Grundwasser eingespült würde“, erklärt Hahn. „Am besten ist es für den Boden, wenn der flüssige Dünger aufgebracht wird und abtrocknet.“ Die Windrichtung müssen Bauern übrigens nicht beachten: „Da gibt es keine Vorschriften.“

Muss der Dünger sofort untergepflügt werden?

„Hühnertrockenkot muss innerhalb von vier Stunden eingearbeitet sein“, sagt Ulrich Göttlicher von der Landwirtschaftskammer. „Danach stinkt er weniger, allerdings kann man den Geruch noch zwei, drei Tage wahrnehmen.“ Kompost müsse meist nicht eingearbeitet werden – „aber wenn der richtig ausgegoren ist, stinkt er auch kaum.“

Warum unternimmt die Gemeinde nichts?

„Es gibt immer wieder mal Beschwerden über das Kompostwerk oder über Landwirte“, sagt Hohenhamelns Bürgermeister Lutz Erwig. „Das Problem ist: Wir sind nicht Genehmigungsbehörde, wir dürfen nichts machen. Wir können die Beschwerden auch nur weitergeben.“

Wo beschwere ich mich, wenns mir stinkt?

Bei Firmen ist das Gewerbeaufsichtsamt in Braunschweig zuständig. Wenn Landwirte gegen die Düngeverordnung verstoßen – also beispielsweise den Dünger nicht rechtzeitig einarbeiten – kann die Landwirtschaftskammer das prüfen und gegebenenfalls Bußgelder verhängen. Ansprechpartner ist Andreas Corleis, Leiter der Prüfdienste bei der Landwirtschaftskammer in Oldenburg, Telefon 0441/801305 .

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