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Gegenseitige Hilfe statt Pflegeheim

Hohenhameln Gegenseitige Hilfe statt Pflegeheim

Hohenhameln. "Wir werden weniger, und wir werden immer älter", sagt Hohenhamelns Bürgermeister Lutz Erwig. Aufhalten lässt sich der demografische Wandel nicht mehr - aber seine Folgen lassen sich abfedern. Deshalb unterstützt Erwig das Generationenhilfe-Projekt "Hand in Hand", das am Donnerstag im Hohenhamelner Dorfgemeinschaftshaus seine Ideen vorgestellt hat - vor mehr als 100 interessierten Bürgern.

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Josef Martin erklärte im voll besetzten Dorfgemeinschaftshaus, wie die Seniorengenossenschaft in Riedlingen funktioniert.

Quelle: sur

Derzeit gibt es in Hohenhameln etwa genauso viele junge Menschen unter 20 wie Alte ab 65 Jahre. Das wird sich jedoch massiv ändern: Bereits im Jahr 2030 gibt es nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung doppelt so viele Alte wie Junge.

„Das wird nicht reichen, um die Versorgung sicherzustellen. Es gibt immer weniger junge Menschen, die in der Lage sind, sich um die alten zu kümmern“, sagte Josef Martin bei der Info-Veranstaltung am Donnerstagabend. Martin ist Vorsitzender der Seniorengenossenschaft Riedlingen, die bereits seit zwei Jahrzehnten existiert und dem Hohenhamelner Generationenhilfe-Projekt als Vorbild dient. Im Fernsehen hat die Clauenerin Marlis Söhlke von dem Verein im fernen Baden-Württemberg erfahren - „und ich dachte mir, es wäre doch toll, wenn wir so etwas hier auch auf die Beine stellen könnten“, sagt sie.

Ziel des Vereins ist es, dass alte Menschen bis zum Lebensende zu Hause wohnen können - und nicht ins Pflegeheim müssen. Möglich wird das mit gegenseitiger Hilfe: Rüstige Vereinsmitglieder helfen etwa bei der Gartenarbeit, im Haushalt oder bringen „Essen auf Rädern“ vorbei. Damit sorgen die Helfer selbst fürs Alter vor: „Das besondere an dem System: Für jede Stunde Hilfe, die jemand leistet, kann eine Stunde Hilfe zurückkommen“, erklärt Söhlke (siehe Kasten).

Laut Martin profitieren auch die Gemeinden von dieser Bürgerhilfe, weil sie langfristig weniger Geld für Sozialhilfe ausgeben müssen. „Schon heute ist die durchschnittliche Rente niedriger als die Kosten fürs Pflegeheim“, sagt er. „Viele Pflegeheim-Bewohner leben deshalb von Sozialhilfe.“ Das ist sicher einer der Gründe, warum Erwig das Projekt unterstützt. „In Hohenhameln nimmt es seinen Anfang - und wenn es gut läuft, soll es auf die ganze Börderegion ausgeweitet werden“, sagt er. sur

Fragen & Antworten

Wobei hilft der Verein?

Bei allem, was im Alltag anfällt und was Senioren allein nicht mehr schaffen: Beim Putzen und Kochen, im Garten, beim Einkaufen, beim Arztbesuch und beim Umgang mit dem Computer. Oder sie leisten einfach Gesellschaft.

Kann Nachbarschaftshilfe wirklich verhindern, dass jemand ins Heim muss?

„Schätzungsweise 95 Prozent unserer Mitglieder können bis zum Lebensende zu Hause bleiben“, sagt Martin. Oft sei es mit ein wenig Hilfe im Alltag getan – professionelle Pflege leistet der Verein allerdings nicht. „Wir sind keine Konkurrenz zu Pflegeheimen, wir ergänzen uns“, sagt Martin.

Müssen sowohl Helfer als auch Hilfsbedürftige Mitglieder im Verein sein?

Ja. Der Verein finanziert sich unter anderem aus Mitgliedsbeiträge (voraussichtlich 3 Euro pro Monat).

Wie viel kostet es, Hilfe in Anspruch zu nehmen?

Angedacht sind 8 Euro pro Stunde, die endgültige Höhe wird später von der Mitgliederversammlung beschlossen. Die Helfer bekommen voraussichtlich 6 Euro pro Stunde. Von der Differenz und mit den Mitgliedsbeiträgen finanziert der Verein beispielsweise Versicherungen für alle Helfer.

Warum kosten die Hilfen überhaupt Geld?

Zum einen, damit sich diejenigen, die Hilfe brauchen, nicht wie Bittsteller fühlen müssen – sondern selbstbewusst als Kunden auftreten können. Zum anderen, damit genug Helfer gefunden werden, die regelmäßig und verlässlich ihre Aufgaben erfüllen. Das Geld können sie sich entweder auszahlen lassen und damit ihre Rente aufbessern – oder sie sparen die Stunden auf einem „Zeitkonto“ an, um später selbst kostenlos Hilfe in Anspruch nehmen zu können.

Was, wenn es nicht genug Helfer gibt?

„Damit hatten wir noch nie ein Problem“, sagt Martin. „Wir haben immer mehr Menschen, die bereit sind zu helfen, als wir brauchen.“ Auch für den Hohenhamelner Verein haben sich schon etliche Freiwillige gemeldet.

Wie wird die Hilfe organisiert?

Die Helfer werden in einer Kartei erfasst und bei Bedarf angerufen. Jeder entscheidet selbst, wie viel und wann er arbeiten möchte und welche Aufgaben er übernimmt.

Wie kann ich mitmachen?

Die Gründungsversammlung des Vereins findet am Dienstag, 13. November, ab 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Hohenhameln statt. Infos gibt es zudem bei Marlis Söhlke unter Telefon 05128/291 und unter www.generationenhilfe.de im Internet.

sur

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