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Die Zuckerfabrik prägt Clauen seit 150 Jahren

Hohenhameln - Dorfserie Die Zuckerfabrik prägt Clauen seit 150 Jahren

Clauen. Hohenhamelns Dörfer: In einer neuen Serie stellt die PAZ alle Ortschaften der Gemeinde mit ihren Eigenarten und Besonderheiten vor. Folge 3: Clauen.

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Schon von weitem sichtbar: Die Clauener Zuckerfabrik ist seit ihrer Gründung im Jahr 1869 gewaltig gewachsen.

Quelle: cb

Seit fast 150 Jahren prägt die Zuckerfabrik das Ortsbild von Clauen. Damals war sie nur eine von vielen solchen Fabriken - heute ist sie der größte Gewerbesteuerzahler in der Gemeinde Hohenhameln und einer der wichtigsten Arbeitgeber.

Gegründet wurde die Zuckerfabrik im Frühjahr 1869 von einigen Bauern aus Clauen und Umgebung, die sich dadurch höhere Einnahmen erhofften - mit Erfolg. Der Boden in der Hildesheimer Börde eignete sich gut für den Rübenanbau, und Zucker war wertvoll.

„Die Zuckerfabrik hat die Landwirtschaft in Clauen wesentlich verändert - sehr zum wirtschaftlichen Vorteil der Landwirte“, sagt Heimatforscher Karl-Wilhelm Loges, der ein Buch über die Geschichte der Landwirtschaft in Clauen geschrieben hat.

Allerdings mussten die Landwirte auch in die Technik investieren: Der Boden musste tiefer umgepflügt werden, man brauchte Maschinen, um Rüben zu drillen und zu roden, und eine Fabrik in der Nähe musste her - schließlich gab es vor 150 Jahren weder geteerte Straßen noch Lastwagen, und mit Pferde- oder Ochsengespann konnten die Bauern die Rüben nicht über lange Strecken transportieren. „Zuckerfabriken gab es seinerzeit in jedem zweiten Dorf“, sagt Loges. Und schon damals sorgten die Rübentransporter für Ärger: „Den Rübenfahrzeugen schrieb man die Beschädigung der Chausseen zu, und die Zuckerfabriken wurden zu Vorleistungen für den Wegebau herangezogen“, heißt es in einer Chronik der Zuckerfabrik, die 1995 zum 125-jährigen Bestehen erschienen ist.

Während der ersten Kampagne im Jahr 1869 wurden rund 80000 Zentner Rüben verarbeitet, das sind 4000 Tonnen. Kein Vergleich zu den Zahlen von heute: mehr als eine Million Tonnen waren es in der Kampagne im vergangenen Jahr.

Während alle anderen Zuckerfabriken im Peiner Land nach und nach schließen mussten, ist das Werk in Clauen stetig gewachsen. Weißer, raffinierter Zucker wird dort allerdings erst seit 1998 hergestellt: Fast 130 Jahre lang lieferte die Fabrik lediglich Rohzucker.

Heute gehört die Clauener Zuckerfabrik zur Nordzucker AG und ist einer der größten Arbeitgeber in der Gemeinde Hohenhameln. Etwa 150 Menschen sind hier fest angestellt, hinzu kommen Saisonkräfte, Lohnunternehmer und natürlich die Bauern, die die Rüben anbauen.

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Im Krieg wurden hier Bomben gebaut

Im zweiten Weltkrieg wurden auf dem Gelände der Zuckerfabrik Bomben und Granaten mit Sprengstoff gefüllt. Nach Ende der Rübenkampagne 1939 wurde dort eine Heeresmunitionsanstalt (Muna) eingerichtet. Weil die Kesselanlage der Fabrik die Muna mit Dampf versorgen musste, konnte jahrelang kein Zucker hergestellt werden. Die Arbeiter aus der Fabrik wurden zum Bombenbauen zwangsverpflichtet, später wurde „eine Strafkompanie der Wehrmacht in einem mit Stacheldraht umzäunten Barackenlager einquartiert“, heißt es in der Chronik der Zuckerfabrik. Im Mai 1942 erschütterte eine gewaltige Explosion das Gelände, 17 Menschen wurden getötet und die Fabrik erheblich beschädigt. „Mit dem Wiederaufbau der zerstörten Anlagen begannen auch Vorbereitungen für die Wiederaufnahme der Rübenverarbeitung. Da inzwischen Zuckerknappheit herrschte, erging im Juli 1942 der Befehl, die Zuckererzeugung wieder aufzunehmen“, heißt es in der Chronik.

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Clauens Orgel stand einst in der Schlosskirche

Clauen. Die Orgel in der Clauener Kirche ist einzigartig – weil sie noch genauso klingt wie zu Bachs Zeiten. Damals stand sie in der Wolfenbütteler Schlosskirche, nach Clauen zog sie Ende des 18. Jahrhunderts um.

Teile der Orgel sind fast 400 Jahre alt. Als der Orgelbaumeister Johann Andreas Graffe das Instrument im Jahr 1725 für die Wolfenbütteler Schlosskirche anfertigte, verwendete er auch Elemente aus der Vorgänger-Orgel, die der berühmte Baumeister Gottfried Fritsche 100 Jahre zuvor gezimmert hatte. 1796 kam die Orgel dann nach Clauen. Die Schlosskirche war gerade abgerissen worden, sie wurde kaum noch benutzt: der Herzog mit seinem Hofstaat war nämlich längst nach Braunschweig umgezogen.

250 Thaler zahlte die Gemeinde Clauen damals für die Orgel samt Empore – das gebrauchte Instrument war damals von Holzwürmern zerfressen und musste in den kommenden Jahren immer wieder repariert werden. Aus heutiger Sicht ist die Kirchenorgel aber ein echtes Schmuckstück. Schon rein äußerlich wirkt sie luxuriös, mit all den prunkvollen Verzierungen und Vergoldungen. Zudem ist sie „von einer unerhörten Klangschönheit“, schwärmt der Clauener Heimatforscher Karl-Wilhelm Loges in seiner Kirchenchronik. „Das Glockenspiel in unserer Orgel überrascht Besucher, die es nicht kennen, immer wieder“, schreibt er darin.

Der besondere Orgelklang aus Bachs Zeiten ist bis heute erhalten geblieben. Vor 20 Jahren wurde das Instrument für rund 600000 Mark komplett restauriert, und der Restaurator setzte sich dafür ein, „dass alles wieder so wird wie 1725“, erzählt Loges. „Es durften nur Materialien verwendet werden, die es damals schon gegeben hat“ – also kein Kunststoff, kein Alu, kein Sperrholz und auch kein moderner Klebstoff.

Zudem wurde die Orgel so gestimmt, dass sie auch klingt wie vor 300 Jahren. Orgelkonzerte mit moderner Begleitung sind in Clauen deshalb kaum möglich. Aber für Barockkonzerte ist die Orgel ideal – eben wie zu Zeiten Johann Sebastian Bachs.

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Wie der Löwe zum Wappentier wurde

Clauen . Clauens Wappentier ist der Löwe, er begrüßt die Besucher schon am Ortseingang auf der holzgeschnitzten Ortstafel. Was die wenigsten wissen: Das Wappen ist erst 50 Jahre alt – die Löwenfigur mit dem Kreuz in den Pranken existiert dagegen schon viel länger. Früher zierte sie als Wetterfahne das Kirchdach. Als vor etwa 100 Jahren das Dach renoviert wurde, hat sie der örtliche Schlossermeister Carl Ahrens abgenommen und in den Kirchturm gestellt – vermutlich hat er sie so vor der Vernichtung gerettet.

Viele Jahrzehnte wurde die Fahne kaum beachtet, bis der gelernte Schmiedemeister Karl-Wilhelm Loges das Kupferblech restaurierte. Jetzt hängt die alte Fahne im Kirchenschiff unter der Empore.

1961 beschloss der Clauener Gemeinderat, ein Wappen anzuschaffen. Die Wetterfahne diente dafür als Vorbild, auch wenn der Löwe auf dem Wappen etwas aufrechter steht.

Ein Nachbau der Fahne ist heute auf der Spitze des Schilderbaums zu sehen, der seit kurzem den Dorfplatz am Witwenberg schmückt. sur

Zahlen, Daten, Fakten

Einwohner : 1092 *
Davon bis 20 Jahre: 244 * (22,3 Prozent, Gemeinde-Durchschnitt: 20,3 Prozent)
Ab 60 Jahre: 240 * (22,0 Prozent, Gemeinde-Durchschnitt: 26,7 Prozent)

Anzahl der Vereine : 18

Alter des Ortes: 861 Jahre (erste urkundliche Erwähnung: 1151)

Größe in Quadratkilometern: 7,25

* Zahlen vom 18. Juli 2012, mit Haupt- und Nebenwohnsitz

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