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Der lange Weg vom Feld in die Gasleitung

Mehrum Der lange Weg vom Feld in die Gasleitung

Mehrum. Was heute noch auf dem Acker wächst, versorgt bald Fernseher und Kühlschrank mit Strom und Wohnungen mit Wärme. Doch bis Mais und Getreide zu Biogas werden, vergehen Monate. In der neuen Biogas-Anlage in Mehrum lässt sich beobachten, wie aus einem Haufen gehäckselter Pflanzen irgendwann Methan in Erdgas-Qualität wird.

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Blick auf die Biogas-Anlage in Mehrum: Auch wenn es hier noch ein wenig nach Baustelle aussieht, wird schon Gas erzeugt.

Quelle: im

Noch sieht es auf dem Grundstück im Industriegebiet Ackerköpfe ein wenig nach Baustelle aus - aber die Gasproduktion hat schon begonnen. Bereits seit Sommer wird die Anlage regelmäßig „gefüttert“. Derzeit schluckt sie jeden Tag 130 Tonnen Pflanzen. „Tendenz steigend“, sagt Betriebsleiter Jens Reimann. „Ab November werden es 150 Tonnen pro Tag sein.“

Reimann arbeitet für die Firma Agricapital, die die Anlage für mehr als 15 Millionen Euro von der Firma Schmack gekauft hat und jetzt betreibt. Wenn die Anlage ab November auf voller Leistung läuft, kann sie 5500 Haushalte mit Strom und teilweise auch mit Wärme versorgen. Das spart eine Menge Erdgas ein - aber verlustfrei Energie erzeugen lässt sich aber auch mit einer Biogas-Anlage nicht.

Zwar wird sie komplett mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben, und beim Verbrennen des Biogases wird nur so viel Kohlendioxid frei, wie die Pflanzen zuvor aufgenommen haben. Doch um die „grüne Energie“ zu erzeugen, muss man erst einmal Energie einsetzen: Der Trecker, der den Mais erntet, häckselt und liefert, braucht Sprit. Die Rührwelle, die den Pflanzenbrei ständig durchmischt, braucht Strom. Und die Bakterien im Fermenter fühlen sich bei 42 Grad am wohlsten - beheizt werden muss die Anlage also auch. Ungefähr ein Fünftel bis ein Viertel der Energie, die die Anlage erzeugt, geht auf diese Weise wieder verloren, schätzt Leonhard Scheuerecker von der bayerischen Firma Schmack, die die Anlage in Mehrum gebaut hat. sur

Biogas-Anlage „frisst“ den Ertrag von 1000 Hektar

Rund 1000 Hektar Ackerland sind nötig, um 5500 Haushalte ein Jahr lang mit Strom aus Biogas zu versorgen. Auf dieser Fläche wachsen 55000 Tonnen Rohstoffe als „Futter“ für die Anlage – hauptsächlich Mais, aber auch Rüben, Gras und Getreide. Die Maisernte (Foto) wird von Lohnunternehmern aus der Region erledigt und ist für dieses Jahr so gut wie abgeschlossen. Gehäckselt wird der Mais gleich bei der Ernte, die Pflanzenschnipsel werden dann per Trecker oder Lastwagen zur Biogas-Anlage gebracht. sur

In Silos lagert der Jahresvorrat an Rohstoffen

Geerntet wird nur einige Monate im Jahr, die Biogasanlage läuft aber ständig. In riesigen Silos auf dem Gelände ist deshalb genug Platz für den kompletten Jahresvorrat an Rohstoffen. Eine umgebaute Pistenraupe (Foto) türmt gehäckselten Mais, Rübenschnitzel, Gras- und Getreide-Silage zu Bergen auf und schiebt sie dicht zusammen: „Das ist ein Mitbringsel aus Bayern“, erklärt Scheuerecker. Neben den Silos riecht es ein wenig nach Komposthaufen: „Was an Biogas-Anlagen stinkt, sind die Rohstoffe“, sagt Betriebsleiter Jens Reimann. „Das Gas selbst ist völlig geruchlos.“

sur

„Eiserne Kuh“ macht aus Pflanzen Energie

Eine Biogas-Anlage braucht ständig Futter: Dreimal am Tag füllen die Mitarbeiter den Automaten nach, der die Anlage stündlich mit Nachschub versorgt. Als erstes gelangen die Pflanzen in den sogenannten liegenden Fermenter (Foto). Unter der Luke wabert ein Pflanzen-Brei, der von Bakterien zersetzt wird. Dabei entsteht Gas. „Hier geschieht nichts anderes als im Pansen einer Kuh“, erklärt Scheuerecker. 90 bis 100 Tage lang gären die Rohstoffe in der Anlage und wandern dabei durch mehrere „Kuhmägen“, nämlich durch insgesamt fünf Fermenter. „Dadurch haben wir eine sehr gute Gas-Ausbeute“, so Scheuerecker. Die runden Behälter mit der schwarzen Kuppel sind die letzten „Mägen“ in dieser Kette: Unter dem gewölbten Dach sammelt sich das Gas. sur

Biomethan in Erdgas-Qualität

Direkt in die Erdgas-Leitung darf das Biogas zunächst nicht – schließlich besteht es nur zu 52 Prozent aus Methan, der Rest ist Kohlendioxid und Schwefeldioxid. Diese Mischung könnte man jetzt in einem Blockheizkraftwerk verbrennen, um damit Strom zu erzeugen. So wird das auch im weit überwiegenden Teil der rund 7500 deutschen Biogas-Anlagen gemacht. Die Anlage in Mehrum ist eine von bisher knapp 100 sogenannten Biomethan-Anlagen. Dort wird das Biogas nicht „verstromt“, sondern so gründlich gereinigt, bis es zu 98 Prozent aus Methan besteht. In der Gasaufbereitung (Foto) strömt das Biogas durch Kohlefilter, die es vom Schwefel reinigen. Auch das Kohlendioxid wird abgespalten. Anschließend ist das Biomethan von herkömmlichem Erdgas kaum zu unterscheiden und darf in die Leitung eingespeist werden. Irgendwo in Deutschland werden dann Gasheizungen damit betrieben. Oder das Biomethan wird in Blockheizkraftwerken verbrannt – „das ist der sinnvollere Weg“, sagt Scheuerecker. „So wird Strom erzeugt und man kann die Abwärme mitnutzen.“ Der sogenannte Gärrest – der Pflanzenbrei, der nach der Gaserzeugung übrig bleibt – wird auf der Anlage gelagert. Im Frühjahr düngen die Landwirte dann damit ihre Felder, und viele Nährstoffe gelangen zurück auf den Acker.

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