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"Der Demenzkranke hat immer Recht"

Hohenhameln "Der Demenzkranke hat immer Recht"

Wie geht man mit verwirrten Menschen richtig um? Strategien dafür hat Nicole Karkoska in Hohenhameln erklärt - auf Einladung des Generationenhilfevereins.

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Demonstrierten die „Ritualisierte Begegnung“ im Umgang mit Demenzkranken: Udo Kabisch und Nicole Karkoska.

Quelle: sur

Hohenhameln. Herr Nedderfeld will zur Arbeit. Pünktlich um sieben verlässt er sein Zimmer, in der Hand einen Kochlöffel – damit will er den Laden aufschließen. Weit kommt er nicht. Auf dem Flur des Altenheims fängt ihn die Pflegerin ab: „Wo wollen Sie denn schon wieder hin?“, fragt sie. „Sie haben doch gar keine Arbeit mehr. Gehen Sie zurück in Ihr Zimmer.“

Herr Nedderfeld ist dement. Dass er Rentner ist, hat er vergessen. Er lebt in seiner eigenen Welt, und in dieser Welt muss er sofort zur Arbeit. Wer ihn davon abhält, den beschimpft er – nicht nur die Pflegerin, auch seine Familie hat darunter zu leiden. „Die Angehörigen kann das an den Rand des Nervenzusammenbruchs treiben“, sagt Nicole Karkoska.

Es ist schwer, mit Demenzkranken so zu kommunizieren, dass sie sich verstanden fühlen – aber man kann es lernen. Die Grundregeln dafür erläuterte Karkoska bei der Vortragsreihe „Demenz in der Kommune“ in Hohenhameln (siehe Kasten). Udo Kabisch vom Generationenhilfeverein schlüpfte dafür in die Rolle des Herrn Nedderfeld – und Karkoska demonstrierte, wie man so mit ihm spricht, dass er sich nicht aufregt. „Verwirrt nicht die Verwirrten“ ist dabei ihr Leitsatz, so heißt ein Buch des Pflegewissenschaftlers Erwin Böhm. „Man sollte Menschen mit Demenz in ihrer eigenen Welt lassen“, rät sie.

Jedes Verhalten habe einen Grund – auch wenn es noch so verrückt erscheint. „Man muss immer schauen, was dahinter steckt“, sagt Karkoska. Dem fiktiven Herrn Nedderfeld war es sein Leben lang wichtig, pünktlich und verlässlich zu sein – deshalb frustriert es ihn, wenn man ihn davon abhält, zur Arbeit zu gehen. „Wenn man sagt: Quatsch, Sie sind doch in Rente, fühlt er sich unverstanden“, sagt Karkoska. Stattdessen lobt sie seine positiven Eigenschaften – „Sie sind aber fleißig. Auf Sie kann man sich verlassen!“ – und Herr Nedderfeld fühlt sich wertgeschätzt.

In ihrem kleinen Theaterstück mit Udo Kabisch demonstrierte Karkoska die sogenannte „Ritualisierte Begegnung“, eine Methode, die die Wissenschaftlerin Nicole Richard entwickelt hat. In dem kurzen Gespräch spricht sie ihr Gegenüber mehrfach mit vollem Namen und Beruf an: Herbert Nedderfeld, der Kaufmann aus Hohenhameln. „Das klingt erst mal komisch, aber die Dementen brauchen die Wiederholung“, erklärt sie. „Im fortgeschrittenen Stadium vergessen sie, wer sie selbst sind. Die Identität zerbricht.“

Mit Herrn Nedderfeld spricht Karkoska in möglichst kurzen Sätzen – zu viele Informationen auf einmal können Demenzkranke nicht mehr verarbeiten. Auch das Zeitgefühl geht verloren. Zur Begrüßung sagt Karkoska deshalb nicht „Hallo“, sondern „Guten Abend“ – das gibt zeitliche Orientierung.

Besonders wichtig: „Der Demenzkranke hat immer Recht. Was er sagt, stimmt.“ Egal, ob er zur Arbeit will, ob er ein Stofftier Gassi führt oder behauptet, die Pflegerin hätte sein Geld versteckt: „Widersprechen bringt überhaupt nichts“, sagt Karkoska. „Lassen Sie ihn in seiner eigenen Welt – und zeigen sie ihm, dass sie ihn so akzeptieren, wie er ist.“ Dann könnten sich Menschen mit Demenz trotz der Krankheit wohlfühlen. sur

INFO

Verein plant weitere Vorträge

Dass Menschen mit Demenz nicht aus der Gesellschaft ausgeschlossen, sondern ins Dorf integriert werden, wünschen sich die Mitglieder des Hohenhamelner Generationenhilfevereins „Hand in Hand im Bördeland“. Sie haben deshalb eine Vortragsreihe ins Leben gerufen, um über Demenz aufzuklären. Zwei weitere Veranstaltungen sind in den kommenden Wochen noch geplant, alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen zum Verein gibt es im Internet unter www.generationenhilfe.de.

Am kommenden Dienstag, 4. Juni, geht es um finanzielle Hilfen, Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten für Demenzkranke und ihre Angehörigen. Als Referentin zu Gast ist Anke Bode, Sozialmanagerin vom Landkreis Peine. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im katholischen Pfarrheim in Hohenhameln.

„Selbstbestimmung und Demenz – wie geht das?“ Diese Frage beantwortet die Rechtsanwältin Petra Sadjadi Laridjani am Dienstag, 25. Juni, ab 19 Uhr im katholischen Pfarrheim. In ihrem Vortrag geht es um juristische Fragen rund um das Betreuungsrecht, die Vorsorgevollmacht und die Patientenverfügung.

sur

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