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Demenz: „Wer keine Angst hat, läuft auch nicht weg“

Hohenhameln Demenz: „Wer keine Angst hat, läuft auch nicht weg“

Hohenhameln. Als Erwin Böhm noch österreichischer Diplomkrankenpfleger war und noch kein Pflegewissenschaftler und Professor, ertrug er kaum seinen Frust über die „verheerenden Zustände“ in seinem Metier. Nachdem er „ein bissel studiert“ hatte, entwickelte er das nach ihm benannte „psychobiografische Pflegemodell“ und dadurch ein neues Verständnis im Umgang mit Patienten. Am Mittwochabend begeisterte der Pflegeexperte auf Einladung des Hohenhamelner Generationenhilfevereins „Hand in Hand“ bei einem Vortrag im Dorfgemeinschaftshaus. Vorab sprach er mit PAZ-Mitarbeiter Ulrich Jaschek.

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Pflegeexperte Professor Erwin Böhm im Gespräch

Quelle: cb

Körper, Geist, Seele, soziales Umfeld und die Biografie wirken nach Böhms Erkenntnissen untrennbar und dauerhaft auf- und miteinander. Auf dieser Basis fordert der österreichische Pflegewissenschaftler eine „verstehende statt verständliche“ Pflege.

Beispiel Demenz: Schon die Verwendung dieses Begriffs hält Böhm für schädlich. „Schon wer das Worte Demenz verwendet, hat die Verblödung unbewusst längst akzeptiert und muss folglich noch verbliebene Fähigkeiten, die es zu erhalten und zu fördern gilt, übersehen“. Denn Maßnahmen zur Rehabilitation und Teilhabe seien heute für Betroffene mit „allen möglichen“ Erkrankungen vorgesehen: „Nur eben für alte Leute nicht.“

Würde der betroffene Mensch also verhaltenseigenartig, ziehe er sich geistig in seine „Prägungszeit“, also in den sicheren Ort seiner Erinnerung an Kindheit und Jugend zurück, und begegne sich in diesem Abstieg selbst. „Demenz versteht nur der Demenzkranke“ sagt Böhm und hält den üblichen Umgang mit „Verhaltenseigenartigen“, wie er Betroffene nennt, für falsch.

Der Erfolg seines Pflegemodells gibt dem Pflegeexperten offenbar recht. Werde nämlich dem Betroffenen eine Umgebung gestaltet, die dem Zuhause seiner Prägungszeit so nahe wie möglich komme, habe sich das Pflegepersonal in seine Biografie eingearbeitet und verstehe ihn deswegen in seiner Verhaltenseigenart, liege die gefürchtete Weglauftendenz gegen Null.

„Einsperren“ oder „beschützte Bereiche“ seien nach Böhms Modell nicht erforderlich: „Wer sich Daheim fühlt, hat keine Angst und läuft auch nicht weg, braucht keine Psychopharmaka und ist gut gelaunt, weil er sich wohl fühlt“, zählt er auf und beruft sich auf die hervorragende Erfahrungen jener Einrichtungen, die sein Pflegemodell anwenden.

Das erleichtere nicht nur die Pflege und halte sie deswegen kostengünstig sondern führe automatisch zu einem guten Miteinander von Verhaltenseigenartigen und deren Pflegepersonal, davon ist der Pflegewissenschaftler überzeugt.

uj

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