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"Das letzte Wort hat der Richter"

Hohenhameln "Das letzte Wort hat der Richter"

Hohenhameln. Jahrzehntelang arbeitete Ulrich Pohl als Strafrichter am Landgericht Hildesheim, auf seinem Schreibtisch landeten die Akten von Vergewaltigungen oder Drogendelikten. Auch das Urteil im Ilseder Kindermord hat er gesprochen. Jetzt geht der Hohenhamelner in den Ruhestand - und sprach mit der PAZ darüber, wie ihn sein Beruf verändert hat.

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An den Ruhestand muss er sich erst gewöhnen: „Ich habe immer gern und viel gearbeitet“, sagt Ulrich Pohl aus Hohenhameln.

Quelle: sur

„Ich bin misstrauisch geworden“, sagt Ulrich Pohl. „Als Richter wird man von Angeklagten angelogen, man wird von Zeugen angelogen. Ich glaube fast niemandem mehr - außer meiner Frau.“

In den vergangenen zehn Jahren war der Hohenhamelner Vorsitzender des Schwurgerichts, das sich fast ausschließlich mit Mord und Totschlag beschäftigt. Dort landen die schlimmsten Fälle: Pohl erinnert sich beispielsweise noch an die Sozialpädagogik-Studentin, die ihre beiden Kinder direkt nach der Geburt erstickt und in die Mülltonne geworfen hatte. „Wir hatten nicht einmal Leichen, weil die in der Müllverbrennungsanlage gelandet waren“, sagt Pohl. Die Angeklagte sei eine hübsche, kluge Frau gewesen, erinnert er sich: „Da fragt man sich schon: Wie ist das möglich?“

Wer jahrelang Schwerverbrechern gegenübersitzt, den verändert sein Beruf unweigerlich. „Ich will nicht sagen, dass man abstumpft. Aber die Bilder verlieren ihren Schrecken, wenn man sie immer wieder sieht“, sagt Pohl. „Ich habe das immer mit nach Hause genommen, richtig abschalten konnte ich nie.“ Nachts lag er mitunter wach und dachte er über die Fälle nach.

Obwohl sein Beruf kraftraubend war: Pohl war mit Leib und Seele Richter. Schon im Referendariat war ihm klar, dass er Urteile fällen wollte. „Ich mag es, unabhängig zu sein und vollkommen frei in meinen Entscheidungen“, sagt er. „Zwar hat laut Gesetz der Angeklagte das letzte Wort - aber das allerletzte Wort haben wir Richter.“

Strafrichter wollte Pohl aber eigentlich nicht werden. „Zivilrecht hat mir mehr Spaß gemacht“, sagt er. „Das blutige war überhaupt nicht mein Ding.“ Als junger Richter kümmerte er sich um Handelsrecht und Strafsachen gleichzeitig, irgendwann sagte er seinem Chef, er würde sich lieber auf eines von beiden konzentrieren - und hatte natürlich Zivilrecht im Sinn. Angeboten wurde ihm eine Strafkammer. „Anfangs war ich ein bisschen unglücklich, aber die Arbeit war doch befriedigend und hat Spaß gemacht“, blickt er zurück.

Der Abschied vom Job fällt ihm nicht leicht: „Ich habe immer viel und gern gearbeitet“, sagt er. Sogar im Urlaub suchte sich Pohl irgendeine Beschäftigung. „Meine Frau nervt das, sie sagt dann: Du musst nicht immer arbeiten!“, erzählt er. Auch für den Ruhestand hat er schon viele Pläne: Er will sich öfter um seine sechs Enkel kümmern, mehr Sport treiben und sich noch stärker für den Förderkreis der Kirchenstiftung engagieren, dessen Vorsitzender er ist. Einfach mal im Sessel sitzen und lesen - das muss Ulrich Pohl noch üben.

sur

Lebenslauf

Seit 1973 im Dienst der Justiz

Geboren wurde Ulrich Pohl am 21. Dezember 1947 in Göttingen. Dort wuchs er auch auf, machte Abitur und studierte Jura. 1973 ging er zum Referendariat ans Landgericht Hildesheim. Dort blieb er fast sein gesamtes Berufsleben – von einigen kurzen Ausflüge abgesehen, etwa ans Oberlandesgericht Celle. Als Richter auf Probe arbeitete Pohl auch ein Jahr lang am Amtsgericht Peine, das zum Bezirk des Landgerichts Hildesheim gehört. Seit 1977 Jahren lebt er mit seiner Familie in Hohenhameln. 1994 übernahm Pohl eine große Strafkammer des Landgerichts Hildesheim, 2002 wurde er Vorsitzender des Schwurgerichts. In den Ruhestand geht er offiziell am 31. Januar, derzeit hat er noch Urlaub. Sein letzter Arbeitstag war aber schon am 21. Dezember, exakt an seinem 65. Geburtstag – und Pohl gab eine große Abschiedsparty im Gerichtssaal.

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