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Bei Kühen und Pferden ist Bierbergen Spitze

Dorfserie Bei Kühen und Pferden ist Bierbergen Spitze

Hohenhamelns Dörfer: In einer neuen Serie stellt die PAZ alle Ortschaften der Gemeinde mit ihren Eigenarten und Besonderheiten vor. Folge 1: Bierbergen.

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Verantwortlich für 200 Milichkühe: Familie Decker und ihr Team im Stall.

Quelle: cb

Bierbergen hat gleich zwei Exportschlager: Turnierpferde – und Milch. An der Kreisstraße nach Stedum steht der größte Kuhstall im ganzen Landkreis, 6000 Liter Milch werden dort täglich produziert. Und die Fohlen, die in Bierbergen das Licht der Welt erblicken, schaffen es manchmal bis nach Olympia.

Karl-Otto Jacobs und seine Tochter Bonny verkaufen ihre Turnierpferde in die ganze Welt, die Kunden kommen aus den USA, Australien und Europa, aus Puerto Rico, Kuweit, Russland und China. 80 bis 90 Pferde stehen derzeit auf ihrem Hof in Bierbergen – 30 Zuchtstuten und ihr Nachwuchs, der vor allem bei Springreitern sehr begehrt ist.

Vier Jahre werden die Pferde aufgezogen, ein angestellter Reiter stellt die Tiere bei Turnieren vor – und nach den ersten Erfolgen findet sich meist schnell ein Käufer. Die Kunden sind Turnierreiter aus der ganzen Welt, Amateure, aber auch viele Profis: „Ein Pferd, das wir gezogen haben, ist jetzt bei der Olympiade angetreten“, erzählt Bonny Jacobs stolz. Beim Vielseitigkeitsreiten gehörte es zum japanischen Team.

Doch nicht nur bei Turnierpferden ist Bierbergen Spitze, sondern auch bei Milchkühen. Am Ortsrand steht der größte Kuhstall des Landkreises Peine, 200 Tiere geben jeden Tag rund 6000 Liter Milch, die dann an die großen Molkereien von Kraft oder Dr. Oetker geliefert werden.

Die Deckers, die den Stall betreiben, sind eine alteingesessene Bierberger Bauernfamilie: Die Wurzeln ihres landwirtschaftlichen Betriebs reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Der große Kuhstall an der Landstraße nach Bierbergen wurde allerdings erst vor fünf Jahren gebaut. „Vorher hatten wir etwa 100 Milchkühe hier im Dorf“, erzählt Anke Decker. Als es dort zu eng wurde, musste der Neubau her.

Von Hand gemolken werden die Kühe übrigens längst nicht mehr: Heute erledigt das eine Hightech-Maschine, die nebenbei automatisch überwacht, wie viel Milch jede einzelne Kuh gibt.

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Baujahr 1180: Kein Kirchturm in ganz Hohenhameln ist älter

Bierbergens Kirche ist die älteste in der gesamten Gemeinde Hohenhameln: Der Turm stammt aus dem Jahr 1180, ist also stolze 832 Jahre alt. Über die Jahrhunderte wurde allerdings immer wieder angebaut.

„Die über 900-jährige Geschichte unseres Dorfes ist unlösbar mit der Geschichte seiner Kirchengemeinde verbunden“, schrieb Karl Sundermeyer in der Bierberger Chronik, die 1993 zum 925. Dorfgeburtstag erschien. Sundermeyer war fast 30 Jahre lang Pastor in Bierbergen – von 1953 bis 1982 – sowie im benachbarten Soßmar.

Die Geschichte des Bierberger Gotteshauses reicht weiter zurück als die jeder anderen Kirche in der Gemeinde Hohenhameln. „Unsere St.-Martins-Kirche ist in ihren ältesten Teilen nur gut hundert Jahre jünger als die älteste Urkunde über Bierbergen“, schrieb Sundermeyer in der Chronik. „Der Turm gehört bis zum Obergeschoss mit seiner altertümlichen Altarnische noch in die Zeit von 1180.“ Bis die Westhälfte des Kirchenschiffes fertig war, die sich an den Turm anschließt, dauerte es allerdings sechs Jahrzehnte – bis 1240.

Weil das Dorf wuchs und damit auch die Kirchengemeinde, wurde immer wieder angebaut. „Im Unterschied zu den Kirchen in der nächsten Umgebung hat man in Bierbergen das alte romanische Schiff aber nicht abgerissen und durch einen barocken Neubau ersetzt, sondern das vorhandene Schiff einfach verlängert“, schrieb Sundermeyer. Das geschah zum ersten Mal 1719, damals wurden gleichzeitig die Fenster vergrößert. Zuletzt wurde vor gut 100 Jahren erweitert: 1909 erhielt die Kirche einen Anbau mit Altarraum und Sakristei sowie einen Heizkeller.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde es eng in Bierbergen: Durch die vielen Flüchtlinge hat sich die Einwohnerzahl von 1945 bis 1946 fast verdoppelt, von 831 auf 1558 Einwohner. Die Kirche reagierte: Weil in der Schule der Platz knapp wurde, stellte der Kirchenvorstand das Küsterhaus und den Konfirmandensaal für den Unterricht zur Verfügung. Und weil aus Schlesien auch mehr als 200 katholische Neubierger ins bis dahin rein evangeelische Bierbergen gekommen waren, wurden für sie jahrelang jeden Sonntag katholische Gottesdienste in der Kirche angeboten.

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Wie kam das Bier in den Namen?

Bierbergen. Eine Brauerei gibt es in Bierbergen nicht – auch wenn es der Ortsname nahelegt, mit dem Gerstensaft hat er nichts zu tun. Woher der Name „Bierbergen“ stattdessen kommt – darüber streiten sich die Forscher und Heimatpfleger.

Fest steht: Im Lauf der Jahrhunderte hat sich der Ortsname immer wieder verändert. Vor 800 Jahren hieß Bierbergen „Berberg“, noch früher nannte man das Dorf „Bireberge“ – das hat Professor Jürgen Udolph herausgefunden, der täglich im NDR die Bedeutung von Ortsnamen erklärt. Laut Udolph ist Bierbergen ein altgermanischer Name und bedeutet „Waldberg“ – denn im Altenglischen gibt es das Wort „bearo“ für „Wald“.

Professor Ludwig Bückmann dagegen meint, „dass der Name eher von einer Birne oder Beere abzuleiten sei“ – so steht es in der Bierberger Dorfchronik. Auch das ist naheliegend, schließlich sind auf dem Ortswappen Zweige mit Beeren abgebildet.

Woher auch immer der Name kommt: Ortsunkundige lässt er erst mal staunen. „Wir werden um unseren Namen beneidet. Gerade andere Junggesellenschaften finden es cool, dass in unserem Ortsnamen das Wort Bier steckt“, sagt Frederik Bronn, Schäffer der Junggesellenschaft Bierbergen. Als Anspielung auf den Ortsnamen haben die Bierberger Mädchen vor 18 Jahren die „Bierfassralley“ ins Leben gerufen – einmal im Jahr beantworten die Teilnehmer Fragen rund ums Bier und schleppen Fässer um die Wette quer durchs Dorf. sur

Zahlen, Daten, Fakten

Einwohner: 881 *

Davon bis 20 Jahre: 191 * (21,7 Prozent, Gemeinde-Durchschnitt: 20,3 Prozent)

Ab 60 Jahre: 234 * (26,6 Prozent, Gemeinde-Durchschnitt: 26,7 Prozent)

Alter des Ortes: 944 Jahre (erste urkundliche Erwähnung: 1068)

Größe in Quadratkilometern: 9,31

Anzahl der Vereine: 10

* Die Einwohnerzahlen stammen vom 18. Juli 2012, mit Haupt- und Nebenwohnsitz

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