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Als Sport kein Spaß und Fußball noch verpönt war: 125 Jahre TSV Hohenhameln

Hohenhameln Als Sport kein Spaß und Fußball noch verpönt war: 125 Jahre TSV Hohenhameln

Hohenhameln. Turnen im Kinosaal und Fußball auf dem Stoppelfeld: Wie in den vergangenen 125 Jahren in Hohenhameln Sport getrieben wurde, erzählte Festredner Gert Lindemann beim Jubiläums-Kommers des TSV – und die Gäste erfuhren unter anderem, warum der Vereinsvorstand einmal fast die Steuerfahndung am Hals hatte.

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Gut besucht: Der Festkommers des TSV Hohenhameln.

Quelle: rb

1888, vor 125 Jahren, wurde in Hohenhameln „der erste systematisch sporttreibende Verein“ gegründet, so Lindemann. Mit dem heutigen TSV hatte dieser aber nicht viel gemeinsam, nicht einmal den Namen. „Männerturnverein“ hieß er damals, Frauen und Kinder waren nicht erwünscht – schließlich betrieb man Sport damals nicht zum Spaß, sondern zur „körperlichen Ertüchtigung zum Wohle des Vaterlandes“. Die Männer trainierten Turnen und Schwerathletik. Fußball war verpönt: „Das galt als englischer Sport, den ein aufrechter Deutscher nicht betrieb“, so Lindemann, der 13 Jahre lang stellvertretender Vorsitzender des TSV war.

Erst 1920 – der Verein hatte inzwischen eine Jugend- und Knabenabteilung, doch die Damen blieben weiter außen vor – forderten junge Vereinsmitglieder energisch die Gründung einer Fußballsparte. Sie stießen auf heftigen Widerstand: „Der Vorstand war der Meinung, dieser neumodische Kram erledigt sich von selbst“, so Lindemann. Falsch gedacht: Die Jugend spaltete sich vom Männerturnverein ab und gründete 1921 den Hohenhamelner Sportverein. Weil es im ganzen Dorf aber keinen Fußballplatz gab, konnten sie nur bei Auswärtsspielen antreten oder nach der Ernte auf Stoppelfeldern spielen – immer mit dem Risiko, von einem zornigen Bauern vom Acker gejagt zu werden.

In den 1930er-Jahren versöhnten sich die beiden Vereine und schlossen sich zusammen, doch erst seit 1946 trägt der Verein den Namen TSV Hohenhameln, weiß der Ehrenvorsitzende Konrad Gries. Das Vereinslokal war eine Zeit lang das „Weiße Roß“, das heutige Dorfgemeinschaftshaus. Das damals hochmoderne Hotel hatte sogar einen Kinosaal – dort turnten die Sportler „und räumten vorher erst mal alle Stühle raus“, so Lindemann.

In der Nazizeit und im Krieg kam der Vereinsbetrieb zum Erliegen. Später bauten die Vereinsmitglieder alles mühsam wieder auf – auch das Freibad am Pfannteich, das ursprünglich dem Verein gehörte. Um 1968 ging das Freibad „stillschweigend“ an die Gemeinde, so Lindemann, einen Beschluss dazu habe es nie gegeben. „Ich könnte jetzt seitens des TSV erklären, dass das eigentlich unser Freibad ist“, sagte Lindemann an Bürgermeister Lutz Erwig gewandt. Aber eigentlich sei der Verein „froh und stolz“, dass die Gemeinde sich um „diese wichtige Einrichtung für Hohenhameln“ kümmere. Nach dem langjährigen Bademeister Kurt Lattner ist inzwischen sogar eine Straße benannt, der Kurt-Lattner-Ring in Hohenhameln.

Das heutige Sporthaus, das die Vereinsmitglieder zum großen Teil in Eigenleistung gebaut haben, wurde 1993 eingeweiht. „Damals war dort ein reger Betrieb, der eher an eine Gaststätte erinnerte“, so Lindemann. Weil der Verein aber kein umsatzsteuerzahlendes Unternehmen war, hatte der Vorstand einmal fast die Steuerfahndung am Hals.

In 125 Jahren Vereinsgeschichte hat sich viel verändert – doch bis heute spielt der TSV eine wichtige Rolle in Hohenhameln. Das betonten neben Lindemann auch Bürgermeister Lutz Erwig, Ortsbürgermeister Achim Henke und viele andere Gastredner beim Festkommers. Und obwohl der TSV zweifellos zu den größten und wichtigsten Vereinen im Ort gehört, der älteste ist er nicht. Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr, der beim Kommers spielte, ist laut dem TSV-Vorsitzenden Ulrich Mangeng „mindestens ein Jahr älter“. sur

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