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Thriller mit Stoff zum Nachdenken

Lesetipp für den Urlaub Thriller mit Stoff zum Nachdenken

Zur Urlaubszeit gehört für viele Menschen ein gutes Buch unbedingt dazu. Bei der Auswahl der Ferienlektüre will die PAZ ein wenig unterstützen, und so werden in enger Zusammenarbeit mit den Kreisbüchereien Lesetipp s veröffentlicht. Sabine Maaß von der Kreisbücherei Edemissen schlägt den Thriller „Epidemie“ von Åsa Ericsdotter vor.

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Sabine Maaß von der Kreisbücherei Edemissen mit dem Thriller von Åsa Ericsdotter.

Quelle: privat

Edemissen. Thriller werden im Urlaub gern gelesen. Wenn es dabei keine reine Unterhaltung sein soll, dann überzeugt der Griff zum Buch „Epidemie“. Ein packender, politischer Roman, durch und durch fesselnd, gekonnt geschrieben und mit reichlich Stoff zum Nachdenken.

In Schweden ist die Gesundheitspartei unter Führung von Johan Svärd an der Macht. Er ist erfolgreich, besessen von einer Vision: Jeder Einwohner Schwedens ist dünn! Denn Fettsucht wirkt sich nicht nur auf Gesundheit und Lebenserwartung, sondern auch auf die staatlichen Finanzen aus.

Niemand wagt es mehr, in der Öffentlichkeit normal zu essen. Einzig der Besuch von Fitnessstudios ist akzeptabel. Eine Magenband-OP schon für Babys, Tabletten jeglicher Couleur, Zuckersteuer, Dickensteuer, der Verlust des Arbeitsplatzes, selbst bei ausgezeichneter Qualifikation – nichts bleibt unversucht.

Aber in sechs Monaten sind Wahlen, und das Wahlziel der „Gesundheit für alle“ konnte noch nicht zu 100 Prozent umgesetzt werden. Um an der Macht zu bleiben, muss Svärd sich etwas einfallen lassen.

Schnell ist erkennbar, dass Johan Svärd immer skrupelloser und radikaler wird. Sowohl Machtgier als auch Größenwahn lassen ihn vor absolut keiner unmenschlichen Entscheidung zurückschrecken. So kommt es zur Einrichtung von „Fat Camps“, die alle noch vorhandenen Fettsüchtigen auf den rechten Weg bringen sollen. Die Camps sind geheim, niemand weiß, was dort passiert. Assoziationen an die deutsche Vergangenheit bleiben nicht aus.

Die Figuren Professor Landon, leicht übergewichtig, die ehemalige Uni-Angestellte Gloria, mit 150 Kilo eine Aussätzige, und Präsident Svärd beschreiben aus wechselnden Perspektiven den Fortgang der Handlung.

Landon, dessen Freundin am neuen Schlankheitswahn zugrunde geht, flüchtet in ein Ferienhaus weitab der Stadt und lernt dort die sich vor dem Staat versteckende Helena und ihre Tochter Molly kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Beziehung. Als Monika nachts abgeholt wird, stellt er die entscheidenden Weichen für eine Wende.

Die Charaktere bleiben zwar blass, das ist aber in diesem Fall ohne Belang: Die Story ist Dreh- und Angelpunkt des Romans.

Die Kreisbücherei Edemissen hat während der Sommerferien zu den gewohnten Zeiten geöffnet.

Das macht das Buch aus

Viele Zeitgenossen haben mit zu vielen Pfunden zu kämpfen. Daraus ein Politikum mit allen Konsequenzen zu machen, ist der Autorin Åsa Ericsdotter in ihrem neusten Roman grandios gelungen.

Dystopien, also zukunftspessimistische Szenarien, sind gerade sehr in Mode.

Doch die Geschichte von Ericsdotter ist eher als Beispiel zu begreifen. Fassungslos kann man die Manipulation der Menge beobachten. Wie kann ein aktuelles Thema benutzt werden, um raffiniert ein ganzes Volk an der Nase herumzuführen? Wer ist der nächste passende Außenseiter?

„Das Buch ist eindeutig ein Thriller, flüssig und locker geschrieben – eben in den Ferien gut zu lesen. Doch die Form sollte nicht über den Inhalt täuschen, und wenn der Leser das Buch nach Beendigung zur Seite legt, so ist es möglich, dass es ihn trotzdem noch eine ganze Weile begleitet“, sagt Sabine Maaß über diesen Roman.

Åsa Ericsdotter: „Epidemie“. Arctis Verlag, 384 Seiten (ISBN 978-3-03-880002-6, 22 Euro).

Von Kerstin Wosnitza

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