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Schlipslose Gäste mussten zur Strafe ein Lied singen

Mödesse Schlipslose Gäste mussten zur Strafe ein Lied singen

Edemissen-Mödesse. Rainer und Lucia Stephan haben einen ungewöhnlichen Schmuck in ihrem Carport hängen: 44 Krawatten, die sie bei zwei vergnügten Feten ihren Gästen abgenommen haben.

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Rainer und Lucia Stephan erinnern sich beim Anblick der Schlipse im Carport an vergnügte Feten.

Quelle: sz

„Es hat damit angefangen, dass mein Tischtennis-Kumpel 22 alt wurde und ich 33. Da haben wir 1983 die Elfer-Schlipsfeten kreiert“, erzählt der Konrektor der Hauptschule Edemissen. „Wir haben schon in der Einladung geschrieben, dass alle Gäste, auch die weiblichen, einen Schlips tragen müssen - aber lieber nicht den allerbesten!“ „Wer ohne Schlips kam, musste singen“, erinnert sich Lucia Stephan.

Manche trugen das Accessoire um den Hals, andere um die Taille oder das Bein. Einige schrieben, bevor sie die Krawatte abgeschnitten bekamen, noch ihren Namen darauf. Jetzt erinnern die Schlipsschnipsel im Carport an Dagmar, Gabi, Ilse, Wolfgang, Anke, Lutz, Karin und die beiden Töchter Eva und Bettina.

Außerdem sind sie Zeugnisse der wandelbaren Männermode: Da gibt es schmale Binder und Lederschlipse, einige mit Flowerpower-Muster und andere in psychedelischen Farben, Krawatten mit Paisleymuster, Rhomben, Törtchen und Blumen, mit schrägen Streifen und großen Karos. „Einige sind im Laufe der Zeit verloren gegangen“, bedauert Rainer Stephan.

Elf Jahre später, also 1994, wurde noch einmal Pilepile-Party gefeiert. Pilepile ist in Mödesse das, was woanders Schnapszahl heißt. Eigentlich stammt die Sitte des Schlipsabschneidens aus dem Rheinland und wird dort nur zu Weiberfastnacht geübt. Rainer Stephan ist aber in Echzell bei Friedberg in der Wetterau aufgewachsen, also in Oberhessen, und seine Frau Lucia in Schweden.

Dafür wurden, seit es die beiden berufshalber ins Peiner Land verschlagen hat, hessische Traditionen wie das Äppelwoi-Keltern und die korrekte Zubereitung von Handkäs mit Musik weiter gepflegt. „Den gab es aber zu unseren Elfer-Schlipsfeten nicht, weil er im Sommer immer schon alle ist“, betont der Hobbywinzer.

In vier Jahren wird er 66. Dann wäre es eigentlich wieder Zeit für eine Schlipsparade. „Das überlegen wir uns bis dahin noch“, meint Rainer Stephan und sieht dabei so aus, als könnte er sich eine kleine Feierei durchaus vorstellen.

sz

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