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Radfahren zu des Kaisers Zeiten

Eddesse Radfahren zu des Kaisers Zeiten

Eddesse. Die Ortsheimatpflegerin von Eddesse, Adelheid Schmidt, hat in ihren Schätzen ein Bild ihres Urgroßonkels mit einem motorisierten Fahrrad und eine „Radfahrkarte“, beides datiert im Jahr 1911, gefunden und der PAZ zur Verfügung gestellt. Redakteurin Kerstin Wosnitza hat recherchiert, wie das Radfahren zu Kaisers Zeiten aussah.

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Die Auswahl historischer Bilder zeigt einen Querschnitt durch die Geschichte des Radfahrens, die um 1820 mit der Erfindung des Laufrads begann.

Quelle: oh

Wie es sich für das kaiserliche Preußen gehört, wurde natürlich auch das Radfahren in der Polizeiverordnung genauestens geregelt. Jedes Fahrrad musste danach mit einer „sicher wirkenden Hemmvorrichtung“ - heute sagt man dazu Bremse - und einer helltönenden Glocke versehen sein. Während der Dunkelheit sowie bei starkem Nebel war das Fahrrad mit einer hellbrennenden Laterne zu versehen. Ihr Licht musste nach vorne fallen und ihre Gläser durften nicht farbig sein. Die elektrische Beleuchtung durch den von einem Laufrad angetriebenen Dynamo kam erst um 1920 auf, als das Fahrrad längst ein begehrtes Fortbewegungsmittel war.

In der Verordnung ist auch geregelt, dass sich der Radfahrer anderen Verkehrsteilnehmern rechtzeitig bemerkbar machen muss. Mit dem Glockenzeichen war allerdings sofort aufzuhören, wenn Pferde oder anderes Vieh scheu wurden.

Genauestens geregelt war auch das „Vorbeifahren an eingeholten Fuhrwerken, Kraftfahrzeugen, Reitern, Fußgängern, Viehtransportern oder dergleichen“, das Einbiegen in eine andere Straße oder das Wettfahren - das war nämlich verboten.

Das zu überholende Fuhrwerk hatte auf das Glockenzeichen hin so viel Platz frei zu lassen, dass der Radfahrer auf der Fahrstraße ohne Gefahr vorbeifahren konnte. Verboten war das Überholen an Ecken und Kreuzungspunkten, auf schmalen Brücken, in Toren und überall da, wo die Fahrbahn durch Fuhrwerke verengt war. In all diesen Fällen sowie bei jedem Bergabfahren war es auch strengstens untersagt, beide Hände gleichzeitig von der Lenkstange oder die Füße von den Pedalen zu nehmen.

Die Anzahl der Autos war zu Beginn des 20. Jahrhunderts übrigens noch so gering, dass sie in der Polizeiverordnung für den Verkehr kaum erwähnt werden.

Alle Informationen lassen sich im Internet auf verschiedenen Seiten unabhängig voneinander nachlesen.

wos

Die Radfahrkarte: Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts musste jeder Radfahrer eine Radfahrkarte bei sich haben. Sie musste auf den Namen des Fahrers ausgestellt sein, eigenhändig unterschrieben und von der Behörde des Wohnorts ausgestellt sein. Die Gültigkeitsdauer betrug nur ein Jahr. Es war somit ein sogenannter Führerschein für Fahrräder, der jedes Jahr neu beantragt werden musste.

Der Schein hatte eine laufende Nummer, aber auch Wohnort und Beruf des Eigentümers waren angegeben. Für Personen unter 14 Jahren erfolgte die Ausstellung auf Antrag des Vaters, Vormundes oder sonstigen Gewalthabers. Die Ausstellung der Radfahrkarte war in Preußen bis etwa 1906 (die Angaben hierzu schwanken je nach Quelle) gebührenpflichtig und damit eine jährliche, indirekte Fahrradsteuer.

Danach galt die Befristung nur noch für Motorräder. Die Radfahrkarte musste der Radfahrer stets bei sich führen und auf Verlangen vorzeigen. Übrigens musste auch jedes Fahrrad mit einer deutlich sichtbaren Nummer versehen sein. „Diese Vorschrift ist für einen anständigen Radfahrer geradezu beschämend und erinnert an die Nummerierung der Gefangenen in der Strafanstalt“, heißt es in einem kritischen zeitgenössischen Text.

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