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Lange Straße: Darum heißt sie so

Edemissen Lange Straße: Darum heißt sie so

Edemissen. „Viele Menschen in Edemissen glauben, die Lange Straße hat ihren Namen deshalb, weil sie eben recht lang ist. Das ist aber nicht richtig“, sagt Edemissens Ortsheimatpfleger Joachim Liehr. Die Straße ist vielmehr nach dem Kommunalpolitiker Franz Lange benannt. Darauf weist nun ein am Straßenschild angebrachter Hinweis hin. Die Ergänzung erfolgte in Abstimmung mit Ortsbürgermeister Hans Joachim Berkmann.

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Eine Hinweistafel am Straßenschild weist auf den ehemaligen Gemeindevorsteher hin.

Den Hintergrund dazu erklärt Wolfgang Welge wie folgt: Bürgermeister Franz Lange war ein schlauer Mann, ein aufrechter Sozialdemokrat. Bei den Wahlen des Gemeindevorstehers im Mai 1932 war es ihm gelungen, der nationalsozialistischen Konkurrenz die Stirn zu bieten und ein Patt zu erreichen.

Nach altem Brauch musste um den Posten nun geknobelt werden. Lange hatte Glück und wurde Bürgermeister. Eine große Provokation für die braunen Machthaber.

„Nur weg mit den wichtigen Papieren, bevor sie die Nazis in die Hände bekommen“, habe er sich im August 1932 gesagt. Wohin aber mit den Unterlagen, den Namen und Adressen von SPD und Reichsbund?

Am Kuhstall auf seinem Gehöft in der später nach ihm benannten „Lange Straße“ fiel dann der Groschen: einmauern und Putz darüber. „Hinter Schwalbennestern und Kuhfladenspritzern würde kein brauner Scherge das Gesuchte vermuten“, so Welge.

Am 27. März 1933 wurden laut Anordnung des nationalsozialistischen Innenministers der Gemeindevorsteher Franz Lange sowie alle Beigeordneten der sozialistischen Parteien ihrer Posten enthoben. Die Amtsakten wurden abgeholt, Lange musste sich sich wöchentlich bei der Polizei melden.

Im Oktober 1933 zahlte sich die Weitsicht des ehemaligen Gemeindevorstehers aus: Nazis umstellten sein Haus, Lange kam in Untersuchungshaft. Das Gebäude wurde auf den Kopf gestellt, gefunden wurde nichts. Nach dem Krieg kamen die wichtigen Dokumente - darunter auch ein Protokollbuch aus der Gründerzeit des Edemisser Reichsbundes - nach Hinweisen von seiner Tochter Else Buhmann wieder ans Tageslicht.

Die Inschrift des Grabsteins, der auf einem alten Foto zu sehen ist, weist 1935 als Todesjahr aus. „Unbestätigten Berichten zufolge hat sich Franz Lange bei Holzarbeiten im Wald eine Verletzung zugezogen und ist dann an einer Blutvergiftung gestorben“, sagt Liehr.

Das würde erklären, warum nicht Lange selbst, sondern dessen Tochter die eingemauerten Dokumente nach dem Krieg zutage gefördert hat.

wos

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