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In der Dorfschmiede war früher immer etwas los

Edemissen In der Dorfschmiede war früher immer etwas los

Eddesse. In enger Zusammenarbeit mit den Ortsheimatpflegern veröffentlicht die PAZ in loser Folge historische Bilder und die dazugehörigen Hintergründe aus der Gemeinde Edemissen. Von Adelheid Schmidt aus Eddesse stammt der heutige Beitrag über die alte Schmiede.

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Die ehemalige Schmiede in Eddesse ist heute ein modernes Wohnhaus. Das alte Bild zeigt die linke Giebelseite mit der Eiche.

Quelle: oh/wos

Mitten in Eddesse an der Dedenhausener Straße 10 liegt ein Relikt aus früheren Jahren, das inzwischen zu einem hübschen Wohnhaus umgebaut worden ist: die alte Schmiede. Hier pulsierte früher das dörfliche Leben am heftigsten und hier war immer etwas los. So manche Stunde haben wir als Kinder auf dem Hof auf einem alten Pflug oder Ackerwagen unter der großen Eiche gesessen und mit wachen Augen und Ohren jede Bewegung beobachtet. Jeden Augenblick veränderte sich das Bild.

Am eindrucksvollsten war es, wenn die Pferde beschlagen werden mussten. Dann kam außerhalb und innerhalb der Schmiede alles in Bewegung. Der Knecht musste draußen auf das Pferd aufpassen. Der Meister probierte die Rohform aus. In der Schmiede stand der Lehrling an der Esse (Feuerstelle) und musste den Blasebalg ziehen. Auf einem Dreibock wurde der Fuß des Pferdes aufgesetzt. Doch ehe alles so weit war, hatte der Meister noch allerhand zu tun. Immer kamen seine Befehle.

Drinnen in der Schmiede huschten gespenstisch raue Schatten über die rußgeschwärzten Wände, die mit Werkzeugen aller Art und eisernen Geräten behangen waren. Je mehr der Blasebalg fauchte und das Feuer zischte, desto mehr tanzten die Lichtgeister um die beschäftigten Männer. In ihren Lederschürzen sahen sie aus wie Landsknechtgestalten. „So habe ich mir immer Jung-Siegfried aus der Nibelungensage vorgestellt.“

Der alte Schmiedemeister zeigte seinem Lehrling, wie er noch schwungvoller schlagen musste, damit das Eisen noch fester würde. Es spritzte und zischte, dass die Funken flogen, der helle Klang war weithin zu hören. Jetzt kam der Augenblick, wo der Meister anpassen musste. Es war ein spannender Moment. So wild, wie das Feuer in der Esse zischte, ging es manchmal auch draußen zu, wenn das glühende Eisen angepasst wurde.

Die Angst der jungen Pferde vor dem Dampf und Hammerschlag war stärker als alle Stricke und Fäuste. Das zitternde, zu Tode verschreckte Tier wieherte, stieg auf und ließ niemanden an sich herankommen und schlug um sich. Manch ein Mensch hat einen Schlag am eigenen Leib zu spüren bekommen. Die jungen und unerfahrenen Pferde wurden daraufhin in ein großes Balkengestell mit dicken Stricken angebunden und die Prozedur begann von Neuem.

Die sogenannten „alten Veteranen“ ließen sich dagegen ruhig und ohne Aufregung beschlagen. „Als Kinder hatten wir Mitleid mit den Pferden, waren aber doch neugierig und konnten nicht helfen. So schauten wir zu und mussten alles mit erdulden. Oft haben wir uns damals gefragt: ‚Warum müssen Menschen so grausam sein?‘“

Ein Schmied gehörte früher in jedes Dorf. Das Ende des Schmiedeberufes begann schleichend: Zunächst verschwanden langsam die Pferde als Arbeitstiere aus den Dörfern und der Hufschmied hatte immer weniger Arbeit. Das Aufkommen von Gummireifen an Wagen, Autos und Traktoren brachte dann den Berufszweig zum Erliegen.

So übernahmen Metallwarenfabriken, die viel günstiger produzieren konnten, die Herstellung von Geräten und Werkzeugen. Heute ist der Beruf des Dorfschmiedes, den es früher in fast jedem Ort gab, fast völlig ausgestorben. Ganz selten findet man noch Kunstschmiede, die das uralte Handwerk als künstlerische Tätigkeit ausführen.

rd

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