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Erinnerungen an die DDR vor 40 Jahren

Wipshausen Erinnerungen an die DDR vor 40 Jahren

Wipshausen/Harz. Seit 25 Jahren sind Ost- und Westdeutschland wieder eins, die Wiedervereinigung vor einem Vierteljahrhundert markierte den wohl wichtigsten Punkt der jüngeren deutschen Historie.

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Bodetal und Rosstrappe im Ostharz waren vor 40 Jahren für Westdeutsche nicht einfach erreichbare Ausflugsziele.

Quelle: Foto: Wolfgang Koglin

Mit der Teilung sind bis heute viele Geschichten eng verwunden, manche ernst, manche witzig. Rudolf Nordmeyer aus Wipshausen hat auch eine Geschichte zu erzählen: Vor 40 Jahren wanderte er im Harz - und musste sich dafür sechs Wochen vorher anmelden. Den Zwang zum Währungswechsel gab es inklusive.

Im Jahr 1975 entschied Nordmeyer, er wolle mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar im Harz wandern gehen. „Es gab mit der damaligen DDR ein Abkommen über den kleinen Grenzverkehr“, erzählt der Wipshäuser. Für einen Tag konnte die Gruppe aus dem Peiner Land in den Osten einreisen. „Wir stellten bei einer DDR-Behörde den Antrag. Nach Prüfung unserer Unbescholtenheit bekamen wir nach sechs Wochen die Genehmigung.“

Die Liebe zum Harz wurde Nordmeyer praktisch in die Wiege gelegt. „Mein Vater war früher auch ein begeisterter Harzwanderer. Er hat mir oft von den sehr schönen Wandertouren im Bodetal und vom Brocken erzählt, die er vor dem Krieg gemacht hatte.“ Der Brocken war Sperrgebiet, also wurde das Bodetal als Ziel auserkoren. „Durch den kleinen Grenzverkehr gab es für uns die Gelegenheit, dieses schöne Wandergebiet zwischen Treseburg und Thale einmal in unserem Leben genießen zu können. An eine Wiedervereinigung hat damals noch keiner gedacht.“

Im Sommer 1975 ging es an die Grenze Helmstedt-Marienborn. „Mein neuer, goldfarbener VW Käfer wurde kurz durchsucht. Man lächelte uns sogar einmal an“, erzählt Nordmeyer. Nach dem Zwangstausch von 25 D-Mark pro Person in Ostmark konnte die Gruppe weiter. Um möglichst schnell nach Treseburg im Bodetal zu gelangen, hatte Nordmeyer sich auf einer Landkarte die kürzeste Wegstrecke herausgesucht. „Aber die Straßen waren sehr schlecht, Ortsschilder kaum vorhanden oder total verwittert“ - kurz: Er fand den Weg nicht. Straßenarbeiter wurden nach dem Weg gefragt. „Die hatten meinen Käfer umringt und sich alles angeschaut. Ich musste die Motorhaube öffnen und viele Fragen beantworten“, sagt Nordmeyer. „Die Freundlichkeit der Leute hat uns sehr überrascht.“

In Treseburg konnte die acht Kilometer lange Wanderung dann beginnen. Nach zwei Stunden erreichten die Wipshäuser den Bodekessel, ein Naturschauspiel, an dem sich das rauschende Wasser mehrmals um die eigene Achse dreht. „Unterwegs hatten wir nette Gespräche mit DDR-Wanderern“, erzählt Nordmeyer. Weiter ging es zum Hexentanzplatz in Thale und kurz darauf zum Roßtrappenfelsen.

Weil die Seilbahn wegen Reparatur außer Betrieb war, musste ein steiniger Weg zur berühmten Felsenpartie erklommen werden. „Oben haben wir uns eine lange Pause bei der herrlichen Aussicht gegönnt. Wir hatten einen wunderbaren Blick auf das gesamte Bodetal und den Ort Thale.“ Auf einer verwitterten Tafel konnte die Sage vom Roßtrappenfelsen nachgelesen werden. „Ich kannte die Geschichte noch aus meiner Schulzeit“, sagt der Wipshäuser.

Dann wurde es Zeit für die Rückwanderung nach Treseburg. Doch was tun mit den restlichen Ostmark? In einem Konsumladen sei die Auswahl zwar klein gewesen, als „Mitbringsel aus der stolzen DDR“ eigneten sich aber einige Pakete Butterkekse. Dann ging es zurück in die Heimat. „Am nächsten Morgen haben wir zu Hause mit Begeisterung von der Reise erzählt und mehrere Pakete Kekse verschenkt.“ Es sollte nicht Nordmeyers letzter Ausflug in den Harz bleiben: „Die gleiche Wandertour habe ich nochmal nach der Wiedervereinigung, etwa 2010, gemacht. Was für ein Unterschied!“

js

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