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Erinnerungen: Das Kolonialwarengeschäft Preuß

Edemissen Erinnerungen: Das Kolonialwarengeschäft Preuß

Edemissen. Früher war es üblich, dass die Menschen den überwiegenden Teil ihres Bedarfs, den sie nicht selbst herstellen konnten, in kleinen Läden direkt im Ort kauften. Ein solches Geschäft gab es bis 1985 in Edemissen an der heutigen Blumenhagener Straße.

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Das Kolonialwarengeschäft Preuß.

Quelle: Joachim Liehr

Annchen Seffers ist die Enkelin des Gründers Rudolf Preuß, stand viele Jahre selbst hinter der Ladentheke und erinnert sich noch gut an damals. Für das Edemissen-Buch „Zu Hause im Grünen“ hat sie ihre Erinnerungen aufgeschrieben.

„1885 kam mein Großvater Rudolf Preuß mit seiner jungen Frau Anna von Garlstorf (Landkreis Harburg) nach Edemissen. Sie kauften sich ein Haus und machten einen Kolonialwarenladen auf. Bald kamen die Poststelle und später eine Niederlassung von der Sparkasse Meinersen dazu, die aus einem schweren eisernen Geldschrank bestand. Wenig später wurde mein Opa Gemeindevorsteher, und damit war das, was man heute ein Kommunikationszentrum nennt, komplett.

Die Ladenschlusszeiten waren damals „publikumsfreundlich“, im Sommer konnte man von morgens sieben bis abends neun Uhr einkaufen. Sonntags, wenn die Leute aus den kleinen Dörfern nach Edemissen zur Kirche gingen, konnten sie vorher ihre Kiepe mit einem Zettel drin bei uns abgeben. Wenn die Kirche aus war, holten sie die Kiepe mit den bestellten Sachen bei uns ab. Der Preis dafür war ein Taler.

Meine Eltern haben nach Opas Tod nur den „Gemischtwarenladen“ weiter betrieben und ich bin darin aufgewachsen. Die Auswahl war groß: Es gab Mehl und Zucker, Salz und Butter, Nudeln, Reis, Puddingpulver, saure Gurken, Sauerkraut und Salzheringe, Bonbons und Schokolade, Tabak und Kautabak, Zigarren und Schnaps, Persil, Soda und Seife, aber auch Sammeltassen, Tortenplatten, Eimer, „Stünschen“ (Eimer zum Kälberfüttern) und Töpfe, Grepen, Reisigbesen und Schaufelstiele, Schweinestricke, Kuhketten und Ochsenpeitschen, Farben zum Streichen, Pinsel, Hammer, Kneifzangen und Nägel, Holzschuhe und Pantoffeln, Maschendraht, Hühnerfutter und Mausefallen.

Für die Frauen konnte man Haarspangen, Schleifen und Kämme kaufen. Aber auch Wolle zum Stricken, Unterhemden, Schlüpfer, Mützen, Knöpfe, Zwirn und Nadeln, Schulhefte, Schultafeln, Griffel und Bleistifte und noch vieles, vieles mehr wurde angeboten. In dem Drogerie-Schrank, der extra genehmigt werden musste, lagen Pflaster und Osterbergtropfen, die für alles gut waren.

Wenn nun einer kam und wollte eine Mausefalle kaufen, fragte mein Vater öfters: „Was willst du denn für eine, mit oder ohne Maus?“ Wenn ein Kunde Hustenbonbons kaufen wollte, sagte mein Vater: „Nun huste erst mal, damit ich weiß, welche richtig sind, wir haben nämlich zwei Sorten. Welche für den Husten und welche gegen den Husten.“

Unser Laden war „kundenfreundlich“. Am Heiligen Abend war bis „Klocke Fünf“ geöffnet, genau bis die Christkirche begann. Da konnte es passieren, dass ein „Mannsminsche“ noch kein Weihnachtsgeschenk für seine Frau besorgt hatte. Dann wurde gesucht und letztendlich fand mein Vater noch eine Satinschürze, mit welcher der Kunde glücklich nach Hause ging.

Vor dem Haus an der Straße stand unsere Tankstelle von der Firma Olex.

Es gab viel zu tun in unserem Laden, aber es war auch gemütlich und immer ein Treffpunkt. Wenn die Bauern im Winter mit Füttern und Melken fertig waren, kam der eine oder andere und holte sich noch eine Zigarre oder einen Kautabak. Dabei wurde dann das Neueste aus dem Dorf „durchgehechelt“ oder es wurde von früher erzählt - von der Militärzeit bei den Lüneburger Dragonern und den Bückeburger Jägern. Ich denke gern an meine Kinderzeit zurück und muss dabei immer ein bisschen lächeln.

Nach dem Tod meines Vaters 1953 führten meine Mutter und ich das Geschäft noch bis 1962 weiter. Danach ging es hintereinander bis etwa 1985 in die Hände der Familien Gippert, Mönch und Lenk über.“

wos

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