Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Archäologe entziffert Bauinschrift an Sakristei

Edemissen. Archäologe entziffert Bauinschrift an Sakristei

Edemissen. „Immer wieder sorgt die bekannte Bauinschrift an der Sakristei der Edemisser Kirche für Verwirrung“, sagt Peines Archäologe Thomas Budde. „Da sie als 1204 oder gar 1104 gelesen wird – was das älteste Zeugnis Edemissens überhaupt wäre – habe ich mich der Sache angenommen und ein Gutachten erstellt. Das Ergebnis lautet eindeutig: 1504.“

Voriger Artikel
Kindergarten-Kids schmückten Osterbrunnen
Nächster Artikel
Musikverein: Gerhard Meier ist Ehrendirigent

Die Edemisser Kirche, an der die Inschrift immer wieder für Verwirrung sorgt.

Quelle: oh

Die alte Bauinschrift findet sich an gut sichtbarer, auffallender Stelle in einen Sandstein in der äußeren Westwand der Sakristei eingemeißelt und besteht aus vier arabischen Ziffern. Darunter ist ein Steinmetzzeichen aus zwei gekreuzten Picken oder besser gesagt Zahnflächen (einem alten Steinmetzwerkzeug) zu sehen. Das Kunstdenkmälerinventar des Landkreises Peine von 1938 handelt die Inschrift kurz mit der Datierung „1504“ ab. Dennoch halten sich in der öffentlichen Meinung hartnäckig auch die Datierungen „1104“ und besonders „1204“.

Budde: „Lange schien auch mir die Inschrift trotz der klaren Datierung im Kunstdenkmälerinventar strittig, obwohl mir klar war, dass eine Bauinschrift von 1204 nicht aus arabischen Ziffern bestehen kann, weil diese erst am Ende des Mittelalters in Mitteleuropa eingeführt worden sind, das heißt mindestens 200 Jahre später. Eine Ortsbesichtigung machte mich dann jedoch noch skeptischer. Die Sakristei, in die der Stein eingelassen ist, ist eindeutig sekundär an das Kirchenschiff von 1691 angebaut. Da eine ähnliche Bauform und Ornamentik wie beim Kirchenschiff verwendet worden ist, kann man sagen: wenig später.“ An dieser Stelle schaltete Budde Dr. Rüdiger Fuchs von der Forschungsstelle „Die deutschen Inschriften“ der Akademie der Wissenschaften in Mainz ein. Dr.Fuchs kam in einem Gutachten schließlich zu dem eindeutigen Ergebnis „1504“. Hier ein Auszug aus der wissenschaftlichen Begründung: Arabische Ziffern in Inschriften sind vor 1450 überaus selten, um 1200 ganz undenkbar.

Die 1 (erster Buchstabe) sei eigentlich ein i der Gotischen Minuskel, die so erst um 1300 vorkommt und dann ganz selten.

Der zweite Buchstabe sei in der Tat eine linksgewendete 5, niemals eine 2, die längere Balken besäße und deren Schaft 1500 rechtsschräg stünde. Die kleine 0 ist eine typische Form zwischen 1480 und 1510.

Die 4 als halbe 8 ist eine typische Form bis lange nach 1500, bevor sie aufgerichtet, aber geschlossen geschrieben wird, so durchgehend ab Mitte des 16.Jahrhunderts.

Budde resümiert: „Was der Stein mit der nun sicheren Datierung 1504, der um 1700 sekundär in den Sakristeianbau eingefügt worden ist, überhaupt zu bedeuten hat, wissen wir schlichtweg nicht. Er dürfte sich aber auf einen wichtigen baulichen Vorgang an der im späten 17. Jahrhundert nach einem Brand bis auf den Turm abgerissenen Vorgängerkirche des heutigen Baues beziehen.“

sip

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Edemissen

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

Rückbau auf dem Telgter Elmeg-Gelände
Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung