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Arbeitsmaiden: Aus Pflicht wuchs Vertrauen

Eddesse Arbeitsmaiden: Aus Pflicht wuchs Vertrauen

Edemissen. In enger Zusammenarbeit mit den Ortsheimatpflegern veröffentlicht die PAZ in loser Folge Berichte zur Geschichte der Gemeinde Edemissen. Der heutige Beitrag stammt von Adelheid Schmidt aus Eddesse und handelt von den "Arbeitsmaiden", die während des Zweiten Weltkriegs "Reichsarbeitsdienst" leisten mussten.

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Abiturientin Eva mit einem Ochsengespann im Jahr 1943.

Quelle: oh

In den Kriegsjahren bis 1945 seien im heutigen DRK-Altenheim in Oelheim (Altbau) junge Mädchen untergebracht worden, die aus allen Teilen Deutschlands und dabei oft aus der Großstadt kamen und nach dem Schulabschluss (oft mit Abitur) ein Pflichtjahr „Reichsarbeitsdienst“ absolvieren mussten, erinnert sich Schmidt.

Die Tagesabläufe waren vorgeplant. Sie fuhren von Oelheim täglich zu ihren Arbeitseinsätzen in die umliegenden Dörfer. Sicher war es für die meisten von ihnen nicht einfach, in kinderreichen Familien, bei alleinstehenden oder alten Leuten „das Haus zu bestellen“. Oft wurden sie auch auf Bauernhöfen eingesetzt. „Wir Kinder liebten diese freundlichen und fröhlichen jungen Mädchen und waren gern in ihrer Nähe. Sie haben alle anfallenden Arbeiten im Haushalt, auf dem Hof, im Stall und auf dem Felde verrichtet. Jeweils vier Wochen währte ihr Einsatz, danach wurden sie einer anderen Familie zugewiesen. Es war eine sehr abwechslungsreiche Zeit für diese jungen Mädchen“, erzählt Schmidt.

Auch auf dem Hof ihrer Eltern halfen Arbeitsmaiden aus dem Arbeitsmaidenlager Oelheim. So kam auch Eva Hellriegel aus Magdeburg mit 20 Jahren nach Eddesse, wo sie mehrere Arbeitsperioden lang tätig war und sehr gut aufgenommen wurde, wie sie ausdrücklich betonte. Nach den Erzählungen schildert sie ihr damaliges Leben sehr anschaulich:

„Anfangs wusste ich nicht, was mich erwartete. Wir sollten bei Bauern helfen in Küche, Haus und Garten sowie in den Ställen und auf dem Feld. Das änderte sich schnell. Die Bäuerinnen waren froh über unsere Hilfe, lernten uns auch an. Ich bin im April 1943 gleich mit zum Kartoffelsetzen (von Hand) aufs Feld gefahren. Wir mussten auf sehr großen Feldern Unkraut hacken und auch in der Küche helfen. Außerdem bekamen wir natürlich auch Verhaltensregeln mit. So war es uns nicht erlaubt, mit französischen Kriegsgefangenen oder polnischen Landarbeitern an einem Tisch zu essen. Das wurde aber bei allen Bauern ignoriert. Wir arbeiteten zusammen und aßen auch alle zusammen. Ich habe von diesem Jahr sehr profitiert. Ich bekam Einblick in mir fremde Lebensbereiche und lernte auch Menschen anderer Kulturen kennen.

Wir waren mit Arbeitsmaiden aus dem Warthegau, Wolhynien und dem Elsass zusammen. Wir hatten eine gute Kameradschaft. Wir Mädels, die meist aus der Stadt kamen, lernten bei unserem Außendienst die Handhabung von Spaten, Harke und Hacke und vieles mehr. Beim Einsatz auf einem Bauernhof wurden wir vertraut mit der Betreuung und Pflege des Viehs. Bei der für uns ungewohnten Arbeit im Haushalt, Hof und Stall und auf dem Feld wuchs die Achtung vor den Leistungen der bäuerlichen Bevölkerung.

Alle Arbeiten im Lager, in Räumen, in der Küche und die Gestaltung und Pflege des Freigeländes verrichteten wir Maiden in der Freizeit. Als ,Lohn‘ gab es für zehn Tage zwei Mark, freie Unterkunft und Verpflegung sowie einheitliche Arbeits- und Dienstkleidung. Mit dem Fahrrad ging es morgens nach dem Frühstück zur Arbeit nach Eddesse. Dabei wurde geplaudert und gelacht, aber auch sehr viel gesungen.“

Daran habe sich Eva noch sehr genau erinnern können, berichtet Schmidt. Ab 16 Uhr ging es wieder zurück nach Oelheim, wo alle ihre Unterkunft hatten. Ob sie der Hausfrau in der Küche zur Hand gingen, die Kinder betreuten, das Vieh versorgten, Garten- oder Feldarbeit verrichteten - ihre Hilfe wurde in Eddesse und den umliegenden Dörfern gern angenommen.

Schmidt abschließend: „Anfangs standen sie den bäuerlichen Sitten und Bräuchen scheu oder gar ablehnend gegenüber. Doch diese Gefühle wurden schnell überwunden. Sie wurden hineingezogen in den bäuerlichen Kulturkreis und fühlten sich bald recht wohl. Überdies wuchsen sie durch ihre tägliche Arbeit in die Dorfgemeinschaft hinein. Unsere Arbeitsmaiden erfuhren in Eddesse viel von der geschichtlichen Entwicklung ihrer neuen Umgebung. Viele freundschaftliche Kontakte wurden geknüpft, die durch spätere Besuche und Briefwechsel gepflegt wurden. Noch in späteren Jahren haben die ehemaligen Arbeitsmaiden von den vielen positiven und lehrreichen Erfahrungen der damaligen Zeit, auch für ihr späteres Leben, berichtet. ,Lehrjahre sind keine Herrenjahre‘ war ihre Parole.“

jti

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