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Als Mladin nicht mit auf den Friedhof gehen durfte

Edemissen Als Mladin nicht mit auf den Friedhof gehen durfte

Eddesse. An ihre Kindheit im Zweiten Weltkrieg erinnert sich Adelheid Schmidt, Ortsheimatpflegerin von Eddesse. Sie berichtet über ihre Erinnerungen an die Zwangsarbeiter, die auf dem elterlichen Bauernhof beschäftigt waren.

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Mladin (l.) mit der Polin Juliane (r.), Olexij (2.v.r.) und dem später verstorbenen „Opa“ (Mitte) beim Kartoffelroden.

Quelle: oh

In Zusammenarbeit mit den Ortsheimatpflegern veröffentlicht die PAZ in loser Folge Texte zur Geschichte der Gemeinde Edemissen. Der heutige Beitrag stammt von Adelheid Schmidt aus Oedesse. Sie berichtet über ihre Kindheit im Zweiten Weltkrieg und an ihre Erinnerungen an die Zwangsarbeiter, die auf dem elterlichen Bauernhof beschäftigt waren.

„Fast auf jedem Hof gab es Kriegsgefangene und auch polnische und russische Zwangsarbeiterinnen. Sie wurden den Bauern zur Arbeit zugewiesen, um die eingezogenen Männer zu ersetzen. So fragte man kaum, ob sie sich für diese Arbeit in Deutschland freiwillig gemeldet hatten“, sagt Schmidt.

Für das kleine Mädchen waren es „Menschen wie wir“, und so konnte es damals vieles nicht verstehen. „Warum dürfen sie offiziell nicht mit an den Tischen der Bauernfamilien essen?“, war eine der Fragen, die sie sich stellte.

Auf dem Hof ihrer Großeltern war ein serbischer Kriegsgefangener beschäftigt. Dieser junge Mann hieß Mladin und seine Heimat war in der Nähe von Belgrad. Er blieb bis Kriegsende auf dem Hof. Außerdem wurden noch der Kriegsgefangene Olexij aus Lehmberg (Ukraine) sowie eine junge Frau namens Juliane aus Polen beschäftigt. Sie wohnte auch auf dem Hof. „Diejenigen, die so untergebracht wurden, waren im Vorteil gegenüber denjenigen, die in Baracken wohnen und in der Regel in der Rüstungsindustrie arbeiten mussten“, sagt Schmidt.

Eine Episode ist ihr ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Als der Altenteiler, von allen nur „Opa“ genannt, gestorben war, durfte Mladin nicht mit auf den Friedhof gehen. So stand er während der Beisetzung weinend ganz allein an der Friedhofspforte und trauerte um „Opa“, den er sehr geschätzt hatte.

Juliane erzählte oft von ihrem Haus im Gebiet von Posen. „Sie war zwar oft missmutig und hat ständig geschimpft, dennoch galt sie als sehr fleißig“, sagt Schmidt. Auch hier erinnert sie sich an ein Beispiel: Im Frühjahr 1945, als die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter in den Dörfern schon zum Transport in ihre Heimat gesammelt wurden, sei sie noch zum Melken auf den Hof zurück gekommen, weil sie gesagt habe, dass die Bäuerin die Arbeit doch nicht allein schaffen könne.

Mehr als 50 Jahre nach seiner Heimkehr besuchte Olexij aus der Ukraine mit seiner Enkelin Alexandra auf Einladung der Familie von Adelheid Schmidt Eddesse, wo er in seiner Jugend zwei Jahre als Kriegsgefangener gearbeitet hat. „Seine positiven Erinnerungen hatten ihn zu der zweiwöchigen Reise bewogen. Bewundernswert waren seine deutschen Sprachkenntnisse, so dass eine Verständigung gut möglich war“, erklärt Schmidt.

Der endgültige Abschied sei allen schwer gefallen. Sieben Monate später starb Olexij nach einer Operation. Seinen größter Wunsch, noch einmal in seinem Leben nach Deutschland in das kleine Dorf Eddesse zu reisen, hatte er sich erfüllt, so Schmidt.

wos

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