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10:24 14.01.2019
Spülschwämme sind wahre Keimschleudern. Quelle: dpa-tmn/Foto: Andrea Warnecke
Hannover

Man könnte denken, dass es sich die meisten Keime auf dem Toilettensitz bequem machen. Viele Menschen setzen sich auch deswegen nur auf eine Toilette, die sie auch selbst geputzt haben. Aber ist da wirklich etwas dran? Tummeln sich die meisten Keime wirklich im Bad? „Nein“, sagt Hygieniker und Mikrobiologe Prof. Dr. Markus Egert. Die größten „Keimschleudern“ sind der Mensch und die Haustiere. Jeder Mensch beherbergt zehn Billionen Mikroben.

Keimschleuder Spülschwamm und Lappen

Regelrechte Keimschleudern sind Spülschwämme und Lappen, die in der Küche verwendet werden. Hier finden Keime optimale Lebensbedingungen. Es ist feucht und warm, die aufgewischten Lebensmittel tun ihr übriges und versorgen die Keime mit ausreichend Nährstoffen. Deutsche Forscher haben herausgefunden, dass die Bakterienkonzentration das Level von Stuhlproben erreichen kann. Das Auskochen, das Reinigen in der Waschmaschine oder das Erhitzen in der Mikrowelle reduziert zwar die Anzahl der Erreger, doch ganz keimfrei bekommt man die Schwämme nie. „Schwämme, die gereinigt werden, enthalten sogar höhere Anteile an potenziell pathogenen Keimen“, so Hygieniker und Mikrobiologe Prof. Dr. Markus Egert. „Durch das Reinigen werden vermutlich reinigungsresistente Keime selektiert, die dann auch für den Menschen eine höhere Gesundheitsgefahr darstellen können.“ Prof. Dr. Egert empfiehlt daher, alle ein bis zwei Wochen Spültücher und Schwämme zu ersetzen.

Auch die Spüle ist ein Keimherd. Hier sei es beständig feucht und viele Nährstoffe kommen vorbei, so Egert. „Allerdings sind die Oberflächen glatt und lassen sich gut reinigen.“

Im Vergleich zu der Spüle ist übrigens die Toilettenbrille weniger verkeimt. „Menschen ekeln sich vor Fäkalien. Das ist angeboren. Daher ist die Toilette der gefühlte Hygiene-Hot-Spot zu Hause“. Würde ein Lebensmittel ins Klo fallen, könnte es aber eher noch gegessen werden, als aus der Spüle. Die Küche sei aus Hygiene-Sicht der wichtigste Ort im Haus.

Kühlschrank: Die kleine Keimschleuder

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass sich selbst im Kühlschrank meist mehr Bakterien tummeln, als auf dem Toilettensitz. Auch in den Gemüsefächern des Kühlschranks können viele Bakterien überleben, da die Temperatur dort höher ist. Die im Kühlschrank gelagerten Lebensmittel liefern den Bakterien ideale Nährstoffe – selbst bei Kühlschränken, die regelmäßig gereinigt werden würden. Zahlreiche Bakterien und Erreger sind in den unterschiedlichsten Studien gefunden worden. Das liegt unter anderem auch daran, dass frische, unverpackte Lebensmittel aus dem Supermarkt direkt in den Kühlschrank gepackt werden.

Experten empfehlen daher, den Kühlschrank einmal im Monat zu reinigen und auf die Temperatur zu achten. Die Sieben-Grad-Celcius-Marke sollte nicht überschritten werden.

Badezimmer: Duschvorhang und Duschkopf reinigen

Im Bad drohe bei normaler Benutzung und ordentlicher Reinigung keine wirkliche Gefahr, so Hygieniker Egert. Trotzdem sollte beim Putzen von Toilette, Waschbecken und Badewanne, das Putzen des Duschkopfs nicht vergessen werden. Denn in den Duschköpfen sammeln sich viele Keime an. Hygieneexperten raten daher, die Düsen vor dem ersten Duschen eine Zeit lang mit heißem Wasser auszuspülen, um die Keime wegzuspülen. Das Wasser sollte dabei eine Temperatur von 60 Grad haben. Auch der Duschvorhang hat, wenn er nicht regelmäßig ausgetauscht oder gewaschen wird, lebende Bewohner. Experten nennen das den Biofilm, der am Duschvorhang als Seifenrand erscheint. Bakterien siedeln sich hier gerne wegen der Feuchtigkeit und Wärme an.

Trockenheit ist der Schlüssel der Badhygiene. Deswegen: oft lüften und den Duschvorhang nach jedem Duschbad so hinhängen, dass er gut durchtrocknet. Wenn er nicht bei 60 Grad in der Waschmaschine gewaschen werden kann, ebenfalls regelmäßig austauschen.

Quietsche-Entchen: Toppt den Duschvorhang

Quietsche-Entchen sind zwar beliebte Begleiter für das Schaumbad, sollten aber auch häufig ausgetauscht werden. Studien zufolge lauert im Inneren der Badeenten ein Teppich aus Pilzen, Keimen und Bakterien. In vier von fünf benutzten Tieren haben Forscher potenziell krankheitserregende Bakterien nachgewiesen.

Ein Tipp der Experten: „Die effektivste Methode ist, gleich nach dem Kauf der Quietsche-Tiere das Loch am Boden abzukleben.“ So könne kein Wasser eindringen und das Innenleben bleibe ohne Bakterien.

Informationen zu Dr. Egert

Das Buch "Ein Keim kommt selten allein“ ist im Ullstein-Verlag erschienen. Quelle: Ullstein-Verlag

Der Mikrobiologe Professor Dr. Markus Egert von der Hochschule Furtwangen (HFU) ist Deutschlands führender Forscher auf dem Gebiet der Haushaltshygiene. In seinem Buch „Ein Keim kommt selten allein“ wirft er mit den Lesern einen Blick durch das Mikroskop. Er zeigt, warum es im Waschbecken viel mehr Keime gibt, als auf dem Toilettensitz. Und er schildert, wo im Haushalt und im Alltag mikrobiologische Phänomene lauern - und was wir gegen sie tun können.

Von Jessica Schantin /RND

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