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16:08 19.09.2018
Die Angst im Blick: Solange man noch selbst über sein Leben bestimmen kann, ist alles in Ordnung. Wenn die Angst indes die Oberhand gewinnt, sollte man sich Hilfe holen, raten Experten. Quelle: iStock
Hannover

Haben Sie sich schon mal gefragt, ob eigentlich noch Spülmittelreste am frisch gewaschenen Geschirr kleben – mit einem bangen Blick auf die grellgrüne Flüssigkeit neben der Spüle? Oder was passiert, wenn die Arzthelferin beim Blutabnehmen zu tief sticht und die zweite Venenwand gleich mit durchstößt? Oder ob Ratten in der Stadt vielleicht so abgebrüht sind, dass sie Menschen angreifen? Ich kann unruhige Gemüter hier direkt beruhigen: Nicht schlimm, ergibt nur einen blauen Fleck und tun sie nicht, wenn man sie in Ruhe lässt – so lauten der Reihe nach die Antworten auf diese Fragen.

Unangenehmes Kopfkino

Wenn Sie sich diese Fragen nicht gestellt haben, sind es vielleicht andere, doch sicher ist: Uns alle treiben im Alltag kleine Ängste und Sorgen um. Dinge, die uns nicht geheuer erscheinen und ein unangenehmes Kopfkino verursachen. Ob so ein Fahrstuhl nicht vielleicht doch abstürzen kann? Ob so ein Kronleuchter demnächst von der Decke herabfallen könnte? Ob das Kind den Keks wirklich noch essen sollte, der gerade für wenige Sekunden auf der Straße lag? Wir haben Angst – vor Bakterien, vor Verletzungen und anderen unwägbaren Risiken. Und manchmal sind diese Ängste ziemlich schräg, sodass wir sie vielleicht besser für uns behalten. Dabei kann es schon recht befreiend wirken, die Sorgen laut auszusprechen. Und noch mehr, wenn jemand sagt: „Das kenn ich! Davor gruselt es mich auch immer!“ oder „Das macht mir keine Angst, aber wenn ich ...“. Und gar sehr erleichtern, wenn man dann erfährt, dass die Miniangst völlig unbegründet ist – weil das Gegenüber zu berichten weiß, dass Fahrstühle sehr gut gesichert sind und Schrauben einen Kronleuchter schier ewig an seinem Platz halten, wenn die passenden Materialien ausgewählt wurden – also die passende Schraube zur Wand – und alles einmal richtig arretiert wurde. Oder man schmeißt den Keks eben in Zukunft doch lieber gleich weg, weil die Tatsache, dass gestern an der Fundstelle noch ein Hundehaufen gelegen haben könnte, ein sehr überzeugendes Argument ist.

Blühende Fantasie

„Kleine Paniken“ sind ganz normal. Wir fühlen sie sicher alle immer mal. Bei mir selbst ist es meine blühende Fantasie, die eine Rolltreppe zur wandelnden Waffe macht oder mich zusammenzucken lässt, wenn jemand etwas erklärt und dabei mit einem Bleistift in seiner Hand gestikuliert. Die spitze Mine könnte doch schnell mal ein Auge treffen – und dann, wäre das Opfer dann blind? Augen sind ziemlich stabil, habe ich bei der Recherche für mein Buch „Kleine Panik“ gelernt. Und viele andere Fakten, die so einige Sorge haben verschwinden lassen. Dafür haben sie andere auf die Agenda gebracht. Mit Rolltreppen sollte man wirklich vorsichtig sein, muss ich Ihnen raten. Vor allem sollte man passendes Schuhwerk tragen, wenn man sie betritt. Flip-Flops, Crocs oder Gummistiefel sind nicht geeignet, denn das Material könnte leicht zwischen die Stufen gezogen werden.

Wenn Ängste wahr geworden sind

„Alles, was passieren kann, passiert auch“, erklärte mir ein Notarzt in einem langen Gespräch über Zufälle, Unfälle und Notfälle. In seinem Beruf versucht er zu retten, wenn Ängste wahr geworden sind. Er wird täglich damit konfrontiert, dass nicht immer alles gut ausgeht. Man nicht immer Glück hat und dem Auto gerade noch ausweichen, den Sturz von der Leiter gerade noch verhindern kann. Das sind ganz reale Risiken – und unser aller Leben ist voll davon.

Seit ich Mutter bin, hat sich die Zahl meiner „kleinen Paniken“ deutlich erhöht. Wer hat das aber auch erfunden, dass es Fontanellen gibt, dass Kinder aus dem Bett fallen oder gern mit Stöcken spielen. Da steckt jede Menge „was alles passieren könnte“ drin. Und gleichzeitig bemühen sich Eltern in der Regel ja nach Kräften, dem Nachwuchs genug Raum zum Ausprobieren und Lernen zu geben – was eine Menge Selbstbeherrschung erfordert. Denn natürlich haben wir gerade um jene Menschen und Dinge Angst, an denen uns besonders viel liegt. Wir sorgen uns um die Familie oder um unsere Gesundheit, einfach weil das Leben doch wirklich eine tolle Sache ist und man deshalb möglichst viel davon mitnehmen will.

Angst darf nicht einschränken

Dennoch darf man sich von der Angst natürlich auf keinen Fall „gefangen nehmen“ lassen – sie sollte uns niemals einschränken in dem, was wir tun. Auch wenn ich großen Respekt vor dem Fliegen habe und der Sache mit den Notrutschen für eine Landung auf dem Wasser nicht wirklich traue, so steige ich doch regelmäßig in Flugzeuge, um zu reisen. Und konzentriere mich dann eben auf ein gutes Buch, statt im Kopf unschöne Szenarien durchzugehen.

Heike Borgmann vom Deutschen Institut für Angstüberwindung hat ein Bild dafür entwickelt, wie man mit Sorgen umgehen sollte: „Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in Ihrem Lebensauto – einem Wagen, mit dem Sie durch Ihr Leben fahren. Sie sitzen auf dem Fahrersitz, Sie haben das Lenkrad in der Hand und dürfen bestimmen, wohin die Fahrt geht, wo Sie abbiegen oder wo Sie geradeaus fahren. Die Angst sitzt neben Ihnen und gibt Ihnen Ratschläge. Sie sagt, ‚Fahr dort links!‘, ‚Fahr nicht so schnell!‘, etc. Ihre Beifahrerin meint es nur gut mit Ihnen. Aber Sie müssen nicht auf sie hören. Sie dürfen und müssen entscheiden, Sie sitzen am Steuer. Und solange Sie diese Position am Steuer ausfüllen, ist alles in Ordnung – solange Sie die Entscheidung treffen können und über Ihr Leben bestimmen.“ Wenn es anders kommt und die Angst die Oberhand gewinnt – dann kann man sich Hilfe holen.

Durchatmen und weitermachen

Nachdem ich viele meiner „kleinen Paniken“ offengelegt und mit Experten aus Wissenschaft, Natur und Technik darüber gesprochen habe, ob meine Sorgen berechtigt sind, kann ich sagen: Einige sind es tatsächlich, viele aber auch nicht. Und was bleibt uns am Ende übrig, als das Kopfkino kurz flimmern zu lassen, durchzuatmen und einfach weiterzumachen? Es gibt so viele Dinge, die wir nicht beeinflussen können – also sollten wir uns nicht damit aufhalten. Sondern jedem Tag mutig und mit offenem Herzen begegnen. Niemand von uns weiß, was morgen passiert. Wir können uns nur entscheiden voranzugehen. Und dieser Mut wird belohnt, da bin ich mir ganz sicher.

Von Juliane Gringer

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