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19:01 18.07.2018
Duzen kann riskant sein. Wer beim Sie bleibt, schützt sich vor emotionaler Vereinnahmung. Quelle: Wavebreak Media LTD
Hamburg

„Wie kann es sein, dass mein Chef sich immer noch mit mir siezt?“ Der junge Jurist sah mich verzweifelt an und zupft nervös an seiner Krawatte. Kein Zweifel: Das verweigerte Du betrachtete er als verweigerte Wertschätzung. Er fühlte sich als Mitarbeiter zweiter Klasse und gegenüber den Duzfreunden des Chefs zurückgesetzt. Zwar räumte er ein, dass nur wenige Kollegen den Abteilungsleiter duzen durften. Aber zu diesem erlesenen Kreis hätte der junge Jurist gern gehört. Das Sie wertete er als Distanzhalter, das Du wäre für ihn ein Ritterschlag gewesen.

Die Sehnsucht nach dem Du schlummert in vielen Mitarbeitern, sogar in echten Profis. So hat sich ein Autorenkollege von mir, damals Ressortleiter bei einer Zeitung, in einem Interview zu einer gewagten Antwort hinreißen lassen: Gefragt, was er seinem Chefredakteur gern einmal sagen würde, sagte er: „Du“. Das war sicher mit einem Augenzwinkern gemeint, kein Hilferuf eines emotional Unterzuckerten. Und doch bringt es einen Wunsch auf den Punkt, den Millionen Mitarbeiter teilen: Sie wollen sich ihrem Chef so weit annähern, bis das Du erreicht und das lästige Sie passé ist.

Das Sie wahrt Distanz – für beide Seiten

Dabei übersehen sie eine Kleinigkeit: Ein „Du“ verkürzt die (oft schützende) Distanz in beide Richtungen, auch zum Mitarbeiter hin. Unabhängig davon, ob man den Chef „Peter“ oder „Herr Müller“ nennt, bleibt er der Chef. Wer sich der Illusion hingibt, das sei anders, kann unsanft daran erinnert werden – etwa wenn ihm sein Duzfreund eine Abmahnung schreibt, eine Gehaltserhöhung verweigert oder die Entlassungspapiere über den Tisch reicht.

Eine noch größere Gefahr lauert im Alltag. Gut möglich, dass der Chef als scheinbarer Freund die Emotionen ausnutzt. Etwa wenn er Überstunden anregt: „Kannst du heute Abend bitte einspringen“, „Du wirst mich doch nicht hängen lassen“ oder „Ich habe fest auf dich gebaut“. Solche Sätze in der Du-Form erzeugen emotionale Geiselhaft. Wer nun eine überraschende Überstunde ablehnt, hat nicht mehr das Gefühl, sein gutes Recht wahrzunehmen – sondern er ließe seinen Chef menschlich hängen. Weshalb es meist zu Zusagen kommt. Was in der Sie-Form eine Zumutung gewesen wäre, erscheint mit einem Du gewürzt als unumgänglicher Freundschaftsdienst.

Duzen begünstigt emotionale Erpressung

Die emotionale Erpressbarkeit wächst auch in Verhandlungen. So habe ich verfolgt, wie eine Mitarbeiterin von ihrer Chefin, mit der sie sich duzte, in der Gehaltsverhandlung zu hören bekam: „Du willst mich doch nicht in Schwierigkeiten bringen!“ Die Vorgesetzte verwies auf das angespannte Verhältnis zu ihrem eigenen Chef, das durch eine Überziehung des Etats überstrapaziert würde. Schon war die Mitarbeiterin in der Zwickmühle: Wollte sie ihre eigenen Interessen vertreten, obwohl sie damit der vermeintlich nahestehenden Chefin schadete? Solche Konflikte sind bei einem Sie und der damit einhergehenden Distanz seltener, denn es erinnert daran: Ein Vorgesetzter sitzt Ihnen nicht als Freund, sondern als Geschäftspartner gegenüber.

Das Du mag viele Vorteile bieten, gerade auf der Beziehungsebene. Aber es hat auch einen erheblichen Nachteil: Es kann die Grenzen der Professionalität verwischen. Die Qualität einer Beziehung, auch zum Chef, hat etwas mit dem gegenseitigen Respekt zu tun. Den muss ein Du zwar nicht ausschließen – aber es zaubert ihn auch nicht herbei, im Gegenteil.

Martin Wehrle ist Karrierecoach und Bestsellerautor, sein aktuelles Buch: „Der Klügere denkt nach“ (Mosaik, 2017).

Von Martin Wehrle

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