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Wissen „Viele haben Angst, die Enkel zu verlieren“
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19:01 19.07.2018
Unter einer Scheidung leidet nicht nur die betroffenen Partner: Auch ihre Eltern sind betroffen – besonders, wenn Enkelkinder im Spiel sind.
Köln

Wie sollten Großeltern in Scheidungsfamilien mit Verlustängsten, Schuldgefühlen und im schlimmsten Fall Kontaktverboten umgehen? Familienberaterin Gertrude Ganser gibt Antworten:

Das Referat Familienpastoral im Erzbistum Köln bietet unter anderem auch Veranstaltungen für Großeltern in Scheidungsfamilien an. Wie wird das angenommen?

Das ist sehr unterschiedlich. Zuletzt wurde von mir im Mai dazu eine Werkstatt angeboten. Die war gut besucht. Die meisten Großeltern kamen als Paar. Das beobachten wir im Übrigen auch bei anderen Gesprächsangeboten. Was alle verbindet, sind Trauer, Sorgen und Ängste. Die Großeltern leiden nicht nur mit den eigenen Kindern und mit den Enkeln, sondern sind selbst auch Betroffene, da sich das Familiengefüge verändert.

Was sind die zentralen Probleme und Fragestellungen, mit denen Eltern im Fall der Trennung ihrer eigenen Kinder auf Sie zukommen?

Oft steht an erster Stelle das Bedürfnis, sich mit anderen, die in der gleichen Situation sind, auszutauschen. Viele haben Angst, womöglich den Kontakt zu den Enkeln oder auch dem ans Herz gewachsenen Schwiegerkind zu verlieren. Zentrale Frage ist: Wie geht man mit Verlustangst und Trauer um? Aber auch Schuldgefühle spielen eine große Rolle.

Schuldgefühle, wenn die Ehe der eigenen Kinder zerbricht

Wieso Schuldgefühle?

Nicht wenige Eltern fragen sich, was sie falsch gemacht haben, wenn die Ehe des eigenen Kindes in die Brüche geht. Sie denken beispielsweise, dass sie womöglich in der Erziehung ihres Kindes etwas versäumt haben, wenn ihr Kind sein Treueversprechen nicht halten konnte.

Welche praktischen Möglichkeiten gibt es, mit diesen Problemen umzugehen?

Wichtig ist, über seine Sorgen und Ängste zu sprechen. Man sollte sich selbst Unterstützung suchen. Und zwar außerhalb der Familie. Gespräche mit Betroffenen oder auch im Freundeskreis können helfen, ebenso wie eine Familien- oder Lebensberatungsstelle oder auch Seelsorger.

Großeltern haben ja oftmals die Stellung von Spielkameraden und nachsichtigen Betreuern und Ratgebern für ihre Enkel. Ändert sich diese Rolle nach der Scheidung der Eltern?

Die Rolle an sich ändert sich nicht, wohl aber kann sich die Intensität, mit der sie ausgefüllt wird, verändern. Bei manchen verringert sich der Kontakt oder wird abgebrochen. Häufig aber werden Großeltern stärker in die Verantwortung gezogen, sei es in Fragen der Enkelbetreuung oder in finanzieller Hinsicht. Auch bieten Großeltern für Enkel oft einen Rückzugsort und Ruhepol, wenn sich im übrigen Lebensumfeld vieles verändert. Dabei sollten Großeltern nicht zu sehr verwöhnen.

Die Enkel nicht in die Opferrolle drängen

Was ist falsch am Verwöhnen?

In Maßen ist das in Ordnung und tut gerade jüngeren Kindern gut. Doch wer seine Enkel immer nur bemitleidet und ihnen aus diesem Grund jeden Wunsch erfüllt, um sie vermeintlich glücklich zu machen, drängt sie unbewusst in eine Opferrolle. Wichtig ist es, ihnen weiterhin etwas zuzutrauen. Die Botschaft an die Enkel sollte also sein, dass sie mit der Situation der Trennung durchaus klarkommen werden, ein gutes Leben haben können und sich zu bindungsfähigen und lebensfrohen Menschen entwickeln werden.

Kann und sollte eine Oma Mutter- oder ein Opa Vaterersatz sein, wenn durch die Trennung der Kontakt des Enkels zu einem Elternteil nur noch sporadisch ist?

Vater und Mutter lassen sich von niemandem ersetzen. Großeltern können jedoch durchaus als Rollenvorbilder fungieren, so etwa, wenn ein Opa stärker zur männlichen Bezugsperson für seinen Enkel wird, weil der Vater abwesend ist. Die Eltern des abwesenden Elternteils repräsentieren dessen Familie und damit auch die Wurzeln des Kindes. Sollte hier ein Kontakt bestehen, hat das Kind eine Verbindung zu seinem Ursprung.

Was tun bei Kontaktverbot?

Was können Großeltern tun, wenn ihnen der Umgang mit den Enkeln durch den einstigen Schwiegersohn oder die einstige Schwiegertochter verwehrt wird?

Manchmal ist es sogar das eigene Kind, das keinen Kontakt mehr haben möchte. Grundsätzlich haben Großeltern ein Recht auf Umgang mit ihren Enkeln, allerdings nur, wenn es dem Kindeswohl dient. Das nachzuweisen ist nicht so einfach. In dem Moment, in dem Großeltern versuchen, dieses Recht gegen den Willen von Mutter oder Vater juristisch durchzusetzen, verschärfen sie den Konflikt. Und die Leidtragenden sind meist die Enkel, die zwischen allen Stühlen sitzen. Sollten Großeltern vor Gericht ihr Recht durchsetzen, was übrigens selten ist, gibt es in der Umsetzung oft weitere Hürden. Etwa, wenn Eltern versuchen, Kontaktgesuche zu boykottieren.

Wie können Geburtstage und andere Feste auch nach der Scheidung noch harmonisch im Familienkreis mit Eltern und Großeltern gefeiert werden?

Das geht nur mit dem Einverständnis beider Elternteile.

Stiefoma und -opa können eine Bereicherung sein

Wie sollten Großeltern damit umgehen, wenn neue Partner ins Spiel kommen?

Man sollte dem- oder derjenigen mit Neugier und Respekt begegnen, diese Person nicht mit der ehemaligen Schwiegertochter oder dem ehemaligen Schwiegersohn vergleichen und sie oder ihn nicht als Konkurrenz für den leiblichen Vater oder die leibliche Mutter ansehen.

Und wie sollen sie sich verhalten, wenn die Eltern dieser neuen Partner sich plötzlich auch als Omas und Opas gerieren?

Darin sollte eine mögliche Bereicherung für das Enkelkind gesehen werden. Sie können zu weiteren Bezugspersonen werden. Das, was die Großeltern an Erfahrungen mit ihren Enkeln verbindet, kann ihnen sowieso keiner nehmen. Und es gerät auch bei den Enkeln nicht in Vergessenheit

Weitere Informationen zum Thema gibt es in einem Flyer unter www.alleine-erziehen.de/files/ae-fly_grosseltern_akf-blanko_ 150512.pdf.

Von Kerstin Hergt

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