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Wissen „Unverantwortliche Menschenversuche“: Entsetzen wegen genveränderter Babys
Nachrichten Wissen „Unverantwortliche Menschenversuche“: Entsetzen wegen genveränderter Babys
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15:08 26.11.2018
Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui behauptet, er habe geholfen, die ersten genetisch veränderten Babys der Welt zu zeugen. Quelle: Mark Schiefelbein/AP/dpa
Peking

Eigentlich wollten sie doch genau darüber sprechen: Ab Dienstag wollten Wissenschaftler auf einem Gipfel in Hongkong über den verantwortlichen Umgang von Genom-Editierung bei Menschen diskutieren. Doch nun erlebt die Szene ihren „Super-Gau“ – so nennt es der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock. Denn ein chinesischer Wissenschaftler namens He Jiankui behauptet: Die ersten genmanipulierten Babys, ein Zwillingspaar, seien bereits geboren. „Zwei wunderschöne kleine chinesische Mädchen namens Lulu und Nana kamen vor einigen Wochen weinend und so gesund wie jedes andere Baby zur Welt“, sagte der Wissenschaftler.

Noch werden Hes Aussagen von keinen klaren Beweisen untermauert. Trotzdem löst die Nachricht helle Aufregung aus. Denn, da sind sich die meisten Wissenschaftler einig, es ist – wenn überhaupt – viel zu früh, die von He gewählte Technik so einzusetzen. „Bei den Experimenten handelt es sich um unverantwortliche Menschenversuche“, sagt Dabrock deshalb.

He wollte Kinder HIV-resistent machen

He wollte die Kinder resistent gegen HIV mache, schildert der Forscher der Nachrichtenagentur AP. Dazu bediente er sich der Genschere Crispr/Cas9. Der Vorteil von Crispr/Cas9 gegenüber anderen Methoden ist, dass die Genschere günstiger und einfacher einzusetzen ist. Mit ihrer Hilfe kann man das Erbgut an einer bestimmten Stelle zerschneiden und so beispielsweise ein Gen ausschalten. Weltweit setzen viele Forscher deshalb große Hoffnungen in die Fähigkeit von Crispr/Cas, Krankheiten zu heilen.

In seinen Versuchen zielte He auf ein Gen namens CCR5 ab. Das Gen macht es dem HI-Virus möglich, in die Zellen zu gelangen. He wollte dem Virus also quasi seine molekulare Eintrittspforte wegnehmen. Die Genveränderung hat laut He während der künstlichen Befruchtung stattgefunden. Dabei sei zunächst ein einzelnes Spermium einer Eizelle zugefügt worden, um einen Embryo zu produzieren. Dann sei die Genschere zur Anwendung gekommen. Nach drei bis fünf Tagen überprüften die Wissenschaftler die Embryos auf die Veränderung.

Chinesische Wissenschaftler verurteilen Experiment

In Deutschland sind solche Manipulationen an menschlichem Erbgut verboten. Denn die Risiken sind bisher schwer abschätzbar und die Veränderungen können in diesen Fällen an die nächste Generation weitergegeben werden. Auch wird unter Wissenschaftlern noch diskutiert, wie genau Crispr/Cas ist.

Chinesische Forscher forderten daher, „die Büchse der Pandora“ zu schließen, bevor „der Schaden irreparabel ist“. Es sei zwar möglich, dass die Kinder, die diesmal geboren wurden, für einen bestimmten Zeitraum gesund sind. „Aber die potenziellen Risiken und Schäden für die gesamte Menschheit, die durch einen ungerechtfertigten Einsatz des Verfahrens in der Zukunft entstehen können, sind unermesslich.“

Crispr/Cas-Entwicklerin fordert klare Grenzen

Kritik an Hes Experimenten kommt von Jennifer Doudna. Sie ist eine der Entwicklerinnen von Crispr/Cas. Der Genmanipulation bei Embryos müsse klare Grenzen gesetzt werden, forderte sie. Sie dürfe nur dort zum Einsatz kommen, wo eine deutliche medizinische Notwendigkeit bestehe. Im Fall der chinesischen Zwillinge kann davon nicht die Rede sein.

Die am Experiment beteiligten Männer waren HIV-positiv, doch He war es nicht darum gegangen, das geringe Risiko einer Übertragung des Virus’ zu vermeiden. Stattdessen wollte er Paaren mit HIV-Infektion ermöglichen, ein Kind zu bekommen, das vor einem ähnlichen Schicksal geschützt sein könnte. Doch weltweit leben Millionen HIV-positive Menschen ein normales Leben. Ob das gleiche für die beiden Mädchen gelten wird, ist dagegen unklar.

Von Anna Schughart/RND

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