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Gestenforschung

Wenn der Körper mitspricht

Sie unterstreichen eine Meinung, stellen einen komplexen Sachverhalt dar oder verbessern das Verständnis zwischen Menschen. In Frankfurt Oder diskutieren Experten über den Nutzen von Gesten - und darüber, wie sich die Handbewegungen in verschiedenen Kulturen unterscheiden.
Schauspieler Jacob Clayton posiert vor der Kamera: In fast jedem Gespräch wird gestikuliert.

Schauspieler Jacob Clayton posiert vor der Kamera: In fast jedem Gespräch wird gestikuliert.

© dpa

Kaum ein Gespräch kommt nach der Beobachtung von Experten ohne Gesten aus. "Der Körper spricht einfach mit", sagt Sprachwissenschaftlerin Cornelia Müller von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

Wie entstehen Gesten, warum werden sie eingesetzt und wie sehen sie in unterschiedlichen Sprachen aus? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die internationale Gestenforschung, die Müller nach eigenen Angaben selbst mitbegründet hat. Rund 300 Experten aus aller Welt diskutieren bis zu diesem Freitag auf einer internationalen Konferenz an der Viadrina über dieses Thema.

Der Mensch kehrt die Handfläche nach oben, um eine Meinung zu unterstreichen. Er formt mit den Händen einen Kreis und krümmt die Finger, um einen komplexen Sachverhalt darzustellen. So machen es viele Leute. Die meisten Politiker dagegen sind Müller zufolge so trainiert, dass sie möglichst wenig gestikulieren. "Viele Gesten gelten in Politikerkreisen als Mangel an Eloquenz."

Auch solche Themen sind Bestandteil der Gestenforschung. Systematisch begonnen habe diese Fachrichtung Mitte der 1990er Jahre. "Frankfurt (Oder) ist in Deutschland das Zentrum der Forschung, international ist es eines der größten. Nun gelte es, die Ergebnisse in die Gesellschaft zu tragen. Zum Beispiel habe sich herausgestellt, dass Gesten Kindern dabei helfen, Dinge schneller zu verstehen. Auch könnten Schulungen unter der Leitung von Fachleuten dazu beitragen, dass sich etwa Ärzte und ihre Patienten besser verständigen können, sagt Müller, Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft an der Viadrina.

Mit ihrem Team in Frankfurt (Oder) habe sie in den vergangenen Jahren herausgefunden, dass es zwei Arten von Gesten gibt. Einerseits ahmten Hände etwas nach, zum Beispiel eine Bewegung. "Das ist wie eine szenische Darstellung eines Ereignisses." Andererseits werde die Hand selbst zu einem Gegenstand, zum Beispiel zu einer Zahnbürste.

Gesten ließen sich trainieren, sagt Müller. "Sie erkennen jeden Moderator, der eine Geste eingeübt hat." Die Hände bewegten sich dann nicht spontan, sondern deutlich später als das Gesagte, das sie unterstreichen sollen. Sie selbst habe eine Studie mit Spaniern und Deutschen gemacht. Der Eindruck, dass in Spanien mehr gestikuliert werde als hierzulande, entstehe nur dadurch, dass die Bewegungen der Mittelmeeranrainer weit ausholender seien als die der Deutschen.

dpa


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