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Interview

Lachforscher: "Deutsche Lachen immer etwas gedämpft"

Der Bremer Lachforscher Rainer Stollmann spricht im Interview über die Lachgewohnheiten der Deutschen und die Grenzen des Humors.
Hat gut lachen: Michelle Hunziker

Hat gut lachen: Michelle Hunziker

© dpa (Archiv)

Treffen sich ein Afrikaner, ein Ägypter und ein Brite, was passiert? Es wird vor allem viel gelacht. Denn alle drei gelten als besonders humorvoll, wie der Bremer Lachforscher Rainer Stollmann in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erläuterte. Die Deutschen können das nicht von sich behaupten. „Uns fehlt diese Leichtigkeit.“

Fußball-Weltmeister ist Spanien. Welches Land ist denn beim Lachen ganz weit vorne? Stollmann: „Am ehesten die Afrikaner. Die lachen viel schneller als wir. Beim Palaver, afrikanischen Versammlungen, darf jeder sagen was er will, aber jeder wird auch ausgelacht. Das empfinden die aber nicht als kränkend. Lachen gehört dort zur Kommunikation. In der arabischen Welt gelten die Ägypter als ausgesprochen witzig. In Europa sind es eindeutig die Briten. Sie haben den Mut, alles was sie ernsthaft sagen, auch humorvoll zu sagen.“

Wie ist es um den deutschen Humor bestellt? Stollmann: „Uns fehlt diese Leichtigkeit. Wir pflegen zu sehr die Innerlichkeit und die Hochkultur - das hat seit der Romantik Tradition. Das deutsche Lachen ist also immer etwas gedämpft.“ Ölpest, Finanzkrise und Sparzwang - gibt es für uns zurzeit überhaupt was zum Lachen? Stollmann: „Das gibt es immer. Drei, vier Stunden nach dem Terroranschlag vom 11. September standen zum Beispiel schon Witze darüber im Internet. Das hört sich für uns ein bisschen zynisch an. Aber Menschen, die Angst haben, sehnen sich nach dem Lachen. Die Grenzen von Humor sollte man nicht zu eng setzen. Die ändern sich auch mit dem Abstand, den man von dem Ereignis hat.“

Warum lachen wir? Stollmann: „Die Urform des Lachens ist das Kitzeln. Wenn jemand unter dem Fuß gekitzelt wird, zieht er ihn weg. Das ist ein Schutzreflex. Wird dieser unterdrückt, dann staut sich die Energie im Körper auf und bricht über das Zwerchfell aus. Lachen hat etwas Eruptives, Krampfhaftes. Lachen ist wie ein epileptischer Anfall, der Spaß macht.“ Wieso lachen wir über Witze? Stollmann: „Der Witz kitzelt uns auch - und zwar an unserer Vernunft- Haut.

Ein guter Witz braucht deshalb ein verblüffendes Moment, einen Widerspruch. Irgendwas muss uns irritieren. Aber nicht so sehr, dass wir uns abwenden wollen. Bekanntes und Befremdliches müssen in einer Balance stehen, sonst verstehen wir den Witz nicht.“

dpa


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