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Verbraucherschutz

Hersteller beschummeln Verbraucher mit billigen Imitaten

Erst kam die Nachricht über Käse, der ohne Milch hergestellt wird, dann entdeckten Lebensmittelexperten Mogelschinken mit einem geringen Fleischanteil. Jetzt gibt es Untersuchungen über weitere Schummeleien.

Lebensmittelhersteller sparen bei den Zutaten, ohne dass die Kunden das merken sollen. Beispielsweise werden Schokokekse ohne Schokolade angeboten, täuschend echt aussehende Garnelen, die aus Fischeiweiß geformt werden, und Pesto, das mit Billigzutaten gestreckt wird.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat am Freitag eine Liste mit Lebensmitteln vorgelegt, die mit Imitaten hergestellt wurden. Die Produkte reichen vom Brot über Speiseeis bis hin zu Knabbersachen. „Offenbar sehen sich immer mehr Anbieter veranlasst, an den Zutaten zu sparen, und möchten vor allem eines vermeiden: dass die Verbraucher das merken“, sagte eine Sprecherin am Freitag.

Die Verbraucherschützer fordern, dass sich Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner mit dem Thema befasst. Das Ministerium wollte am Freitag konkret keine Stellung nehmen. Eine Sprecherin verwies auf ein Zeitungsinterview vom vergangenen Mittwoch, in dem die CSU-Politikerin ankündigt, gegen Irreführung bei Lebensmitteln vorzugehen. „Da, wo Schinken oder Käse draufstehen, muss auch Schinken oder Käse drin sein“, hatte die Ministerin gesagt und die Lebensmittelwirtschaft vor negativen Folgen gewarnt. „Wenn sich das mal einschleicht, hat man auch einen Ruf zu verlieren. Der alleinige Preiskampf vermindert deutlich die Qualität der Lebensmittel“, sagte Aigner.

Wenn Imitate angeboten würden, vor allem bei loser Ware, müsse dies deutlich gekennzeichnet sein. Den Verbraucherschützern reichen diese Absichtserklärungen nicht. So fordert die Verbraucherorganisation Foodwatch eine komplette Neuordnung des Verbraucherrechts. Die Behörden müssten verpflichtet werden, alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen zu veröffentlichen, sagte Matthias Wolfschmidt von Foodwatch.

Aus Sicht der Lebensmittelindustrie erfüllen die Hersteller ihre Pflicht, wenn sie die Ersatzstoffe korrekt auf der Packung angeben. „Die Produkte sind gesetzlich zulässig und gesundheitlich unbedenklich“, sagte die Sprecherin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, Sabine Eichner Lisboa. Allerdings seien die Verbraucher an dieser Entwicklung mit schuld: „Jeder Verbraucher muss sich die Frage stellen, ob es sein kann, dass man zu einem niedrigen Preis ein hochwertiges Produkt kaufen kann.“

Die Deutschen achteten − anders als die Franzosen − nicht auf die Qualität ihrer Lebensmittel, sagte Eichner Liosboa. Dazu komme der Wettbewerb der Handelsketten. „Diese geben den Preisdruck an die Hersteller und an die Rohstofflieferanten weiter“, sagte sie.

[Mathias Klein]

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