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Kampf gegen Klimaerwärmung

Geo-Engineering mit unbekannten Nebenwirkungen

Ein Sonnenschirm im All, Schwefel aus Kampfflugzeugen, Dünger im Meer – das alles könnte helfen, die Erde zu kühlen. Der Aufwand für ein solches Geo-Engineering wäre gigantisch, die Nebenwirkungen unklar.
Foto: Zwei US-Kampfflugzeuge des Typs F-15C Eagles.

In Lima beraten Experten den UN-Klimarates über das sogenannte Geo-Engineering.

© dpa

Die Atmosphäre erwärmt sich, und der Mensch ist zum großen Teil Schuld daran. Nun sucht er nach Möglichkeiten, dem dräuenden Ungemach aus Missernten, Überschwemmungen oder Stürmen zu entgehen. Vor diesem Hintergrund überlegen manche Wissenschaftler, nicht mühsam die Bequemlichkeit des Menschen, sondern gleich das Klimasystem zu ändern. Dafür wäre Ingenieurarbeit auf globaler Ebene nötig - und für dieses Geo-Engineering gälte es zu klotzen statt zu kleckern. In Lima haben inzwischen sogar Experten des UN-Klimarates IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) über dieses sogenannte Geo-Engineering beraten.

Einige der bislang von Forschern angedachten Pläne: Nebelmaschinen auf Roboterschiffen sollen zusätzliche Wolken über den Ozeanen bilden, um mehr Sonnenlicht ins All zurückzustrahlen und den Planeten zu kühlen. Ziel ist dabei ist, die sogenannte Albedo zu erhöhen, das Rückstrahlvermögen der Atmosphäre. Dies ließe sich auch erreichen, wenn große Flächen mit Gräsern mit hellen Ähren bepflanzt würden. Zudem ließen sich Hausdächer weiß streichen.

Schwefelpartikel könnten Energie zurückstrahlen

Schwefelpartikel in der Atmosphäre könnten ebenfalls Energie zurückstrahlen. Eine Gruppe um Alan Robock von der Rutgers-Universität in New Brunswick (US-Staat New Jersey) hat ausrechnet was es kosten würde, pro Jahr eine Million Tonnen Schwefelgase, sogenannte Sulfat-Aerosole, in die Luft zu bekommen. Eine Möglichkeit dafür wären US-Kampfflugzeuge vom Typ „F-15C Eagle“, schrieb er in den „Geophysical Research Letters“.

Die können jeweils ein Gewicht von 8 Tonnen in eine Höhe von 20 Kilometern fliegen. 167 dieser Maschinen müssten für die angestrebte Menge 3 Flüge am Tag unternehmen. Der Kaufpreis für die Flugzeuge hätte im Jahr 2008 etwa 6,6 Milliarden Dollar (damals rund 5,1 Milliarden Euro) betragen. Der jährliche Unterhalt für diese Aktion läge bei rund 4,2 Milliarden Dollar.

Ein Sonnenschirm im Kosmos als Schattenspender

Besonders futuristisch sind die Überlegungen des Astronomen Roger Angel von der Universität von Arizona in Tucson: Ein Sonnenschirm im Kosmos könnte der Erde Schatten spenden. Mit einer riesigen Scheibe im All ließen sich vielleicht jene 1,8 bis 2 Prozent des Sonnenlichtes wegfiltern, die zum Bremsen der Erderwärmung nötig wären, glaubt Angel. Diesem Vorschlag räumten die „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) sechs Seiten Raum ein.

Der Sonnenschild könnte am Lagrange-Punkt 1 installiert werden. Dieser liegt zwischen Sonne und Erde, etwa 1,5 Millionen Kilometer von unserem Planeten entfernt. Dort heben sich die Anziehungskräfte der beiden Himmelskörper auf: Ein dort installiertes Hindernis könnte an dieser Stelle geparkt und seinen Schatten dauerhaft auf die Erde werfen. Der von Angel erdachte Sonnenschirm würde auf der Erde gefertigt, von elektromagnetischen Kanonen ins All geschossen und dort zusammengesetzt. Keine dieser Techniken existiert zurzeit.

Katastrophale Folgen beim Ausfall des Sonnenschirms

Ken Caldeira von der Carnegie Institution of Washington - einer gemeinnützigen US-Forschungseinrichtung - hat berechnet, wie ein solcher Sonnenschutz sich auswirken würde. Nach dem Einfügen des Sonnenschirms in ein bestehendes Klimamodell im Computer ließen sie die CO2-Konzentration über das ganze Jahrhundert so stark steigen wie bisher. Das Resultat: Selbst wenn die Treibhausgase weiter zum Aufheizen der Atmosphäre beitragen, könnte der künstliche Sonnenschirm die Temperaturen binnen weniger Jahrzehnte auf Werte vor der industriellen Revolution zurückholen.

Das seien gute Nachrichten, so könne mit der Konstruktion eines solchen Schirmes gewartet werden, bis er absolut unvermeidlich wäre. Sollte der Schirm aber plötzlich ausfallen, würde die Temperatur in der inzwischen stark mit CO2 angereicherten Erdatmosphäre über Jahrzehnte hinweg „katastrophal und rasant“ zunehmen - 20 Mal so schnell wie heute. Dies zeige, so schreibt Caldeira, dass eine entsprechende Umkonstruktion der Erde Probleme „von planetarer Größe“ mit sich bringe. Astronom Angel sieht effektivere Wege: Würde der Aufwand, der zur Entwicklung und Konstruktion eines kosmischen Sonnenschirms nötig wäre, in die Erforschung erneuerbarer Energiequellen gesteckt, gäbe das „ganz sicher“ bessere Lösungen.

dpa


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