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Nachrichten Wissen Minigewächshäuser selber machen: Ein Glas voll Grünes
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17:00 29.01.2019
Pflanzterrarien sind ein schöner Hingucker. Quelle: Pixababy
Hannover

Karge Wüste, subtropischer Regenwald oder kühle Farn- und Mooslandschaft: Unter Glas lässt sich eine Vielzahl an Pflanzenwelten nachbilden. Und das nicht nur in großen Gewächshäusern botanischer Gärten, sondern auch im eigenen Zuhause auf der Fensterbank und dem Regal. Pflanzterrarien sind ein schöner Hingucker, und sie bieten vielen grünen Mitbewohnern ideale Bedingungen. „Trockene Raumluft macht vielen Zimmerpflanzen zu schaffen, vor allem wenn sie auf der Fensterbank über der Heizung stehen“, sagt Hans-Jürgen Weese vom Bundesverband Einzelhandelsgärtner in Berlin. „Ein Glashaus hingegen hält die Feuchtigkeit und schafft so ein Mikroklima, das für die Pflanzen optimal ist.“

Pflanzentransport in Flaschen nach Europa

Neu ist die Idee nicht. „Schon Mitte des 19. Jahrhunderts war es vor allem in Großbritannien Mode, Pflanzen unter Glasglocken, in Flaschen oder Miniglashäusern wachsen zu lassen“, erklärt Kunsthistorikerin Stephanie Hauschild. „In jedem Haushalt, der über ausreichend Platz und Geld verfügte, stand wahrscheinlich ein solches Schmuckstück.“ Als Vater des Pflanzenterrariums gilt Nathaniel Bagshaw Ward. Er bemerkte durch Zufall, dass Grünpflanzen in einer verschlossenen Flasche weiterwachsen, solange ihnen genügend Wasser, Licht und Erde zur Verfügung stehen. Eine Entdeckung, die sich für Forschungsreisen als nützlich erwies: „In den Behältern konnte man Pflanzen wohlbehalten von Übersee nach Europa transportieren“, sagt Hauschild.

Minigewächshaus mit Bonbongläsern selbst machen

Quelle: Foto: Design House Stockholm/dpa

Als Wardscher Kasten ging die Erfindung des britischen Arztes in die Wissenschaftsgeschichte ein. Heute lebt das Prinzip unter vielen Namen weiter: Florarium, Flaschengarten, Miniaturgewächshaus, Farnkiste oder Zimmergarten. Neben speziellen Glashäusern bieten sich dafür Vasen sowie Einmach- und Bonbongläser mit großen Öffnungen an. Hauschild empfiehlt Anfängern Glasglocken mit Untersetzern. „Die Schalen lassen sich leicht bepflanzen, die hohe Form bietet den Pflanzen viel Raum zum Wachsen“, sagt sie.

Florarium: Langsam wachsende Pflanzen wählen

Sowohl Feuchtigkeit als auch Trockenheit liebende Pflanzen können in geschlossenen Systemen überleben. „Wichtig ist die Menge an Wasser, die zu Beginn hinzugegeben wird“, sagt Jeannine Marquardt, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Botanischen Gartens und des Botanischen Museums in Berlin. Unabhängig davon, ob man sich für ein trockenes oder ein eher feuchtes Florarium entscheidet: „Die Pflanzen sollten klein sein und nur langsam wachsen“, empfiehlt Weese. „Ansonsten wird es ihnen im Gefäß schnell zu eng.“

Für trockene Zimmergärten empfehlen sich grundsätzlich kleinwüchsige Kugelkakteen wie Mammillariae, Wolfsmilchgewächse, Tillandsien und Sukkulenten wie Lithops, Echeveria oder Aloe. Zu den subtropischen Grünpflanzen, die besser in feuchten Gefäßen wachsen, gehören kleine Begonien, Tradescantia, Bubikopf und Einblatt. Fleischfressende Pflanzen wie Fettkraut, Sonnentau, Schlauchpflanzen und die Venusfliegenfalle fühlen sich unter Glas ebenfalls wohl.

Und auch Moose und Farne finden hier ideale Bedingungen vor. „Viele Farne mögen es gern schattig, kühl und feucht“, erklärt Marquardt. Empfehlenswert sind Frauenhaarfarn, Javafarn, Knopf- und Moosfarne. Ihr Tipp: sich Arten aus der Aquaristik zu holen.

Hygiene ist Grundlage für ein gesundes Biotop

Je weniger Fehler man beider Anlage eines Biotops macht, desto geringer ist später der Pflegeaufwand. Quelle: Foto: Christina Kratzenberg/Jan Thorbecke/dpa

Wem ein schönes Blatt nicht reicht, kann ein Usambaraveilchen ins Glas setzen. Blühende Pflanzen gelten aber grundsätzlich als problematisch. „Sobald die Blüten verblüht sind, müssen sie entfernt werden“, erklärt Hauschild. Das kann sich einerseits als technisch aufwendig entpuppen, andererseits wird das Ökosystem durch Schimmel- und andere Pilzsporen gefährdet. Überhaupt ist Hygiene die Grundlage für ein gesundes Biotop. „Je weniger Fehler man bei der Anlage macht, desto geringer ist später der Pflegeaufwand“, betont Hauschild. Die Grundlage des Florariums bildet eine Schicht Kies und Tongranulat. „Die Drainage ist wichtig, damit sich überschüssiges Wasser absetzen kann und die Wurzeln nicht in der feuchten Erde faulen“, sagt Marquardt. Darauf verteilt man einen Löffel Aktivkohle: Sie hält Bakterien in Schach, nimmt Schmutz auf und sorgt dafür, dass Erde und Pflanzen nicht schimmeln.

Pflanzenerde richtet sich nach eingesetzten Pflanzen

Zum Schluss folgt die Pflanzenerde. Deren Zusammensetzung richtet sich letztlich nach den eingesetzten Pflanzen. „Bei Sukkulenten und Kakteen kann man ruhig Kies und Sand in die Erde mischen. Sie brauchen einen trockenen Boden“, erklärt Weese. Marquardt empfiehlt, für ein gutes Nährstoffgleichgewicht eine kleine Menge Muttererde unter die Pflanzenerde zu mischen. „Mikroorganismen wie Springschwänze, Weiße Asseln und Regenwürmer aus dem Kompost helfen bei der Regulierung von verrottendem Pflanzenmaterial.“

Damit der Einsatz der Pflanzen auch bei hohen Gefäßen gelingt, empfiehlt Marquardt, sie leicht schräg in das Loch einzusetzen. Mit Teleskopwerkzeug kann man die Gewächse positionieren und vorsichtig aufrichten, ohne die Wurzeln zu verletzen. Die Anzahl der Pflanzen richtet sich nach der Größe des Gefäßes. Mehr als drei seien aber nicht empfehlenswert – schließlich wächst das Grün weiter.

Während man Kakteen und Sukkulenten einen durchaus sonnigen Platz auf der Fensterbank einräumen kann, sollte Feuchtigkeit liebendes Grün eher im Halbschatten stehen. „In der prallen Sonne kann sich das Glas so sehr aufheizen, dass empfindliche Pflanzen wie Farne und fleischfressende Pflanzen verbrennen können“, erläutert Weese. Funktioniert das Ökosystem einwandfrei, ist der weitere Pflegeaufwand minimal – abgesehen vom regelmäßigen Entstauben. „Sind die Behälter richtig dicht, hält ein Florarium ohne Probleme mehrere Jahre“, sagt Hauschild.

Von Melanie Öhlenbach/RND

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